VonMaximilian Gangschließen
Laut einer Umfrage halten nur wenige Menschen aktuell Hendrik Wüst für den besten Kanzlerkandidaten der Union. Ausgerechnet ein Konkurrent kommt bei den Befragten deutlich besser weg.
Düsseldorf – Kann Hendrik Wüst (CDU) Kanzler? Wenn es nach einigen politischen Beobachtern geht, lautet die Antwort wohl „ja“. Eine Jury aus Journalisten, Politikwissenschaftlern und Wahlkampfexperten ernannte den Münsterländer vor wenigen Wochen zum Politiker des Jahres. Und auch in der Gunst der Menschen in Deutschland steigt der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen immer weiter auf. Doch ist ein beliebter Politiker auch automatisch geeignet für eine Kanzlerkandidatur? In den Augen vieler Menschen wohl nicht, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.
Umfrage: Merz, Söder oder Wüst – Wer ist der beste für eine CDU-Kanzlerkandidatur 2025?
Nach der Wahlschlappe des Union-Spitzenkandidaten Armin Laschet im Herbst 2021, soll aus CDU-Sicht bei der nächsten Bundestagswahl auf jeden Fall wieder ein Unions-Politiker in das Bundeskanzleramt einziehen. Doch dafür braucht es einen geeigneten Kandidaten, der die CDU auf neue, alte Höhen katapultiert. Aber wer könnte das sein? Drei Spitzenpolitiker werden aktuell gehandelt: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, sein bayerischer Amtskollege Markus Söder (CSU) und der CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz. Doch wer ist am geeignetsten?
Das sollte die Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos herausfinden. Online wurden 1000 repräsentativ ausgewählte Wahlberechtigte zwischen 18 und 75 Jahren gefragt, wer für sie der optimale Unions-Kanzlerkandidat ist. Das Ergebnis wird wohl weder die CDU noch ihre Schwesterpartei, die CSU, freuen: keiner. Mehr als ein Drittel der Befragten (35 Prozent) hält keinen der drei Politiker für geeignet, die Spitzenkandidatur zu übernehmen – am wenigsten Friedrich Merz.
Die Frage: „Aus Ihrer heutigen Sicht: Welcher der drei Männer ist der beste Spitzenkandidat der Union bei der kommenden Bundestagswahl?“ (Feldzeitraum 5. - 7. Mai 2023)
| Wüst | Söder | Merz | |
|---|---|---|---|
| Insgesamt | 12 % | 23 % | 11 % |
| Wähler der Union | 16 % | 43 % | 22 % |
| Wähler der SPD | 17 % | 20 % | 9 % |
| Wähler der Grünen | 25 % | 9 % | 9 % |
| Wähler der FDP | 16 % | 24 % | 23 % |
| Wähler der Linken | 12 % | 14 % | 5 % |
| Wähler der AfD | 3 % | 28 % | 9 % |
Umfrage: Nur jeder zehnte Befragte hält Merz für geeignet – auch Wüst mit wenig Zustimmung
Nur rund jeden zehnten Wahlberechtigten (11 Prozent) konnte der Parteichef laut der Umfrage von sich überzeugen. Doch wer meint, dass der eher konservative Kurs von Merz viele Wähler abgeschreckt haben könnte, wird durch die Zustimmungswerte für NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst eines Besseren belehrt. Der Münsterländer liegt nur marginal (12 Prozent) vor seinem Parteivorsitzenden. Bei den Wählern von CDU/CSU schneidet Merz mit 22 Prozent hingegen deutlich besser ab als Wüst, der mit 16 Prozent das Schlusslicht bildet.
Ebenso noch mit recht geringen Prozentwerten, jedoch mit einem riesigen Vorsprung, liegt der bayerische Ministerpräsident Markus Söder vor Wüst und Merz. Immerhin 23 Prozent hielten ihn für den geeignetsten Kandidaten. Bei den befragten Unionswählern liegt Söder sogar noch deutlich weiter vorne: Mit 43 Prozent verpasst der Landesvater von Bayern nur knapp die absolute Mehrheit. Dabei hatte Söder sich bereits selbst aus dem Rennen zum Kanzlerkandidaten herausgenommen.
Umfrage: Viele Wähler der Grünen halten Hendrik Wüst für optimalen Kandidaten
Auch von der Anhängerschaft der AfD würden viele eine Kanzlerkandidatur des Ministerpräsidenten aus Bayern begrüßen. Mehr als jeder vierte Wähler der AfD (28 Prozent) schätzt ihn als besten Unionskandidaten ein. Das sind dreimal so viele Befragte, wie Friedrich Merz für sich begeistern konnte. Nur neun Prozent hielten ihn für den besten Kandidaten. Hendrik Wüst fällt in dieser Wählergruppe hingegen vollkommen durch, nur drei Prozent entschieden sich für ihn.
Ganz anders sieht es bei der Wählerschaft der Grünen aus. Jeder Vierte würde hier eine Kanzlerkandidatur von Hendrik Wüst bevorzugen. Hinsichtlich der schwarz-grünen Koalition, mit der Wüst sein Heimatbundesland NRW regiert, wohl keine allzu große Überraschung. Wenig überraschend ist auch, dass Markus Söder und Friedrich Merz bei dieser Wählergruppe weniger gut ankommen. Mit ihrem konservativen Kurs haben die beiden wohl viele Anhänger der Grünen verprellt.
Umfrage zur Kanzlerkandidatur der Union: Hendrik Wüst bei Männern beliebter als bei Frauen
Bei den Anhängern der FDP läuft es auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Friedrich Merz (23 Prozent) und Markus Söder (24 Prozent) hinaus. Bei allen anderen Wählergruppen verbucht der Vorsitzende der CDU weniger als zehn Prozent Zustimmung. Sowohl bei der FDP (16 Prozent), als auch bei der SPD (17 Prozent) und den Linken (12 Prozent) liegt Hendrik Wüst knapp hinter Söder, den 20 Prozent (SPD) beziehungsweise 14 Prozent (Linke) für geeignet halten.
Auffällig: Friedrich Merz kommt besonders bei weiblichen Befragten nicht gut an. Überwältigende 93 Prozent halten Merz nicht für den besten Unionskandidaten. Bei den Männern sinkt dieser Wert auf immer noch recht hohe 84 Prozent. Auch der Ministerpräsident von NRW ist bei den Männern (14 Prozent) beliebter als bei den Frauen (10 Prozent). Einzig bei Spitzenreiter Markus Söder halten sich die Zustimmungswerte zwischen den Geschlechtern die Waage (Frauen 22 Prozent, Männer 24 Prozent).
Die klare Führung für Markus Söder verwundert. Noch vor wenigen Wochen zeigten Umfrageergebnisse des Meinungsforschungsinstituts Insa, dass Wüst aktuell der zweitbeliebteste Spitzenpolitiker in Deutschland ist. Im Vergleich zum Vormonat hat er seinen Durchmarsch fortgesetzt und sogar seinen Amtskollegen aus Bayern, Markus Söder, überholt. Die beiden pflegen bereits lange eine Freundschaft, stehen jedoch auch immer wieder in Konkurrenz zueinander. (mg)
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