Boris Pistorius (SPD), damals noch Innenminister in Niedersachsen, sitzt in einem Hubschrauber an der offenen Seitentür (Besuch einer Waldbrandübung, Archivbild)
Die Bundeswehr soll offenbar per Notfallplan neue Hubschrauber bekommen. Ein interner Bericht zeigt die Probleme auf.
Berlin - Seit Jahren sind die Kampfhubschrauber innerhalb der Bundeswehr Schlusslicht, was die Einsatzfähigkeit angeht: Im Jahr 2021 waren nur 40 Prozent unter ihnen einsatzbereit - Grund sind aufwendige Wartungsarbeiten bei den Hubschraubern, wie dem NH 90 oder dem Tiger. Dass es nun schnell gehen soll, ist also eine gute Nachricht. Doch dem Portal Business Insider liegt ein internes Papier aus dem Beschaffungsamt der Bundeswehr (BAAINBw) vor, das auf Probleme für Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) in diesem Vorhaben schließen lässt. Bereits jetzt haben die Mängel bei der Einsatzbereitschaft bereits gravierende Auswirkungen für Piloten.
Wie im Mai bekannt wurde, will sich die Bundesregierung nicht mehr an der Modernisierung der pannenanfälligen Tiger-Kampfhubschrauber beteiligen. Die Tiger-Flotte soll demnach von 2031 an langsam reduziert werden, hatte die Süddeutsche Zeitung berichtet. Statt auf andere, auf dem Markt verfügbare Kampfhubschrauber wie den Apache-Helikopter oder Maschinen vom Typ Viper aus den USA auszuweichen, sollen nun leichtere Hubschrauber, die ursprünglich für zivile Zwecke konzipiert und dann fürs Militär weiterentwickelt wurden, angeschafft werden.
Neue Kampfhubschrauber für die Bundeswehr: Probleme bei der Finanzierung
„Vor dem Hintergrund, schnell und marktverfügbar zu beschaffen, kann der Bundeswehr auf diese Weise kurzfristig ein leistungs- und durchsetzungsfähiger leichter Kampfhubschrauber zur Verfügung gestellt werden“, sagte eine Sprecherin des Bundesverteidigungsministeriums. Als Nachfolgemodell im Gespräch soll laut Süddeutscher Zeitung der Hubschrauber H-145M von Airbus sein, der mit Waffen zur Panzerabwehr ausgestattet werden soll, die Pläne sollten noch in diesem Jahr durch das Parlament gebracht werden.
WieBusiness Insider berichtet, soll der geplante Kauf von 84 der Hubschrauber H145M rund drei Milliarden Euro kosten, das Sondervermögen der Bundeswehr gebe aber, dem Business Insider vorliegenden Papier zufolge, eine Obergrenze von zwei Milliarden Euro vor. Dafür soll ein Rahmenvertrag für 62 Hubschrauber aufgesetzt werden. Noch nicht finanziert sind dann 22 Hubschrauber, die dem Papier zufolge aus dem Etat des Verteidigungsministeriums bezahlt werden müssen.
Finanzminister Christian Lindner (FDP) hatte aber erst kürzlich Sparvorgaben an die Ministerien geschickt und mehr Geld für das Verteidigungsministerium ausgeschlossen. „Jede Kostensteigerung führt dazu, dass wir die Stückzahl aus dem Sondervermögen reduzieren müssen, was Auswirkungen auf die Aus- und Weiterbildung haben wird“, heißt es im internen Papier. Und auch: Der aktuelle Zeitplan des Kampfhubschrauber-Projekts bleibe ambitioniert und „hat keine Reserven für Verzögerungen“.
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Boris Pistorius: Bundeswehr sorgt sich auch um Munition und Bewaffnung der Hubschrauber
Die „große unbekannte Variable“ sei allerdings Munition und Bewaffnung, so der BAAINBw-Bericht. Derzeit sei Munition weder zugelassen noch verfügbar - mit den geplanten 20-Millimeter- und 70-Millimeter-Geschützen sei erst in fünf Jahren zu rechnen, die kleineren Geschütze hätten wohl auch eine hohe Anfälligkeit für Störungen und müssten aufwendig gewartet werden. Für die ebenfalls anvisierte Panzerabwehrwaffe Spike ER2 sei ebenso noch nicht klar, ob sie wie geplant Ende 2025, oder auch erst in fünf Jahren zur Verfügung stehen würde.
Zu Details der Hubschrauber-Beschaffung wollte sich das Bundesverteidigungsministerium auf Business Insider-Anfrage nicht äußern. Eine entsprechende 25-Millionen-Vorlage und ein sich anschließender Vertrag seien noch für dieses Jahr geplant, bestätigte eine Sprecherin allerdings. Sie sagte demnach auch, dass alle Hubschrauber dann über die „erforderlichen Vorrüstungen zum Kampfeinsatz“ verfügen würden. „Bedingt durch Obsoleszenzen und eine abschmelzende Flotte des Kampfhubschraubers Tiger ist ein sofortiges Handeln dringend erforderlich“, so die Sprecherin weiter. Der Leichte Kampfhubschrauber (LKH) sei hinsichtlich Elektronik, Bewaffnung und auch Stehzeit ein vergleichbares Produkt. „Vor dem Hintergrund, schnell und marktverfügbar zu beschaffen, kann der Bundeswehr auf diese Weise kurzfristig ein leistungs- und durchsetzungsfähiger leichter Kampfhubschrauber zur Verfügung gestellt werden.“ (dpa/kat)