- VonKilian Beckschließen
Um Soldaten der Bundeswehr auf dem Weg zurück ins zivile Leben zu unterstützen, fordert der Bundeswehrverband einen „Veteranentag“. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) zeigt sich auf Nachfrage offen.
Berlin – Boris Pistorius versucht weiter Nähe zur Bundeswehr zu signalisieren. Der SPD-Politiker könne sich einen „Veteranentag“, zu dem die Rückkehrer deutscher Auslandseinsätze geehrt werden, gut vorstellen, zitiert die Rheinischen Post (RP) eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums am Sonntag. 3. September. Zuvor hatte Marcel Bohnert, stellvertretender Vorsitzender des Bundeswehrverbandes, einen solchen Ehrentag gefordert.
Der RP schildert er seine Vorstellung „öffentliche Zeremonielle“ oder andere militärische „Rituale“ sollten den Soldaten dabei helfen „zurück in die Mitte der Gesellschaft“ zu finden. Für den Vorsitzenden des Reservistenverbandes Patrick Sensburg sei ein Veteranentag eine Möglichkeit, um Veteranen der Bundeswehr „mehr Anerkennung und Aufmerksamkeit“ zu schenken.
Veteranentag der Bundeswehr: Pistorius will „Initiative“ vom Bundestag
Veteran im Sinne der Bundeswehr ist jeder Soldat im „aktiven Dienst“ und jeder „ehrenhaft“ ausgeschiedene. Einen „Tag des Einsatzveteranen“ forderte der Reservistenverband gemeinsam mit dem Bund Deutscher Einsatzveteranen laut RP und bild.de bereits im August. Beide Verbände möchten den geforderten Ehrentag demnach auf die Zeit während der „Invictus Games“ vom Samstag, 9., bis Samstag,16. September, legen.
Das Sportturnier für psychisch und körperlich geschädigte Soldatinnen und Soldaten findet dieses Jahr erstmals in Deutschland statt. Die Spiele gehen auf eine Idee von Prinz Harry im Jahr 2012 zurück. Die Antwort auf beide Verbände aus dem Verteidigungsministerium ist dieselbe, im August wie am Sonntag, 3. September: Man könne sich einen solchen Ehrentag vorstellen, aber die „Initiative sollte aus dem Parlament kommen“. Genauso zitiert bild.de das Ministerium im August zum „Tag des Einsatzveteranen“.
Veteranentag: CDU will ganze Bundeswehr ehren
Aus dem Bundestag gibt es bisher eine Wortmeldung hierzu: Johann Wadephul, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Fraktion, brachte in der RP den 12. November ins Spiel. An diesem Tag 1955 wurden, laut Bundeswehr, die ersten Soldaten der frisch gegründeten Bundeswehr ernannt. Der 12. November müsste ein Tag für „alle Soldatinnen und Soldaten“ sein, sagte Wadephul, „in diesem Rahmen, kann und muss auch die Leistung der Veteranen gewürdigt werden.“ Andere Länder wie Frankreich, Großbritannien oder Belgien begehen jährlich Gedenktage für ihre Kriegsversehrten und Veteranen.
Debatte um Veteranentag: Meinungswandel der SPD
Die Debatte darum, wer ein „Veteran“ ist, hat, laut Christian Weber, eine „lange Vorgeschichte“. Der Hauptmann der Reserve hat nach seinem Auslandseinsatz in Mali 2016 zur Veteranenpolitik in Deutschland promoviert. In einem Arbeitspapier für die Bundesakademie für Sicherheitspolitik führt er aus: 2011 habe der damalige Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) einen ersten Vorstoß für eine Veteranenpolitik gewagt. Die damals oppositionelle SPD habe das als „eingestaubtes Relikt aus der Zeit vor 1945“ bezeichnet. 2018 gab es dann die bis heute gültige schwammige „Nicht-Definition“.
Erbe der Weimarer Republik: „Veteran“, schwieriger Begriff in Deutschland
Für die sieht der Autor zwei Gründe: Die Sorge, die Bundeswehr in zu „spalten“, da die Generation des Kalten Krieges glücklicherweise nie in Kampfeinsätze musste. Außerdem habe der Veteranenbegriff in Deutschland „ein schweres Erbe“, wegen der Erfahrung des Zweiten Weltkrieges und der Weimarer Republik. Letztere wurde von rechtsextremen Freikorps und „Kriegervereinen“ bestehend aus Veteranen des Ersten Weltkrieges maßgeblich destabilisiert. Weber plädiert dafür, Soldaten mit „Einsatzerfahrung“ als „Veteranen“ zu bezeichnen, um besser für sie sorgen zu können.
