VonNadja Orthschließen
Der Reservistenverband sieht die Bundeswehr-Reserve in einem desolaten Zustand und fordert mehr Zwang. Die Grüne hält unterdessen nichts von einer Verpflichtung.
Berlin/München – Die Reserve der Bundeswehr ist nach Einschätzung des Reservistenverbandes in einem desolaten Zustand. „Sie ist eine Truppe, die noch weitgehend auf dem Papier existiert“, sagte Verbandspräsident Patrick Sensburg der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten am Freitag. Sensburg fordert eine Verbindlichkeit für Reservisten zur regelmäßigen Übung. Die Grünen-Verteidigungsexpertin Sara Nanni teilt zwar die Kritik an der Bundeswehr-Reserve, spricht sich aber gegen eine Pflicht aus.
Bundeswehr im desolaten Zustand: Grünen-Verteidigungsexpertin gegen Pflicht
Sensburg betonte gegenüber den Zeitungen die Bedeutsamkeit einer gut aufgestellten Reserve. „Eine funktionierende Reserve ist Teil einer wirksamen Abschreckung, derzeit vor allem gegenüber Russland. Doch so wie die Reserve aktuell konzipiert ist, kann sie all das nicht leisten“, so der Verbandspräsident. Er forderte „eine umfassende Neuausrichtung“ und bessere Ausrüstung.
Für mehr Schlagkraft in der Bundeswehr würde laut ihm eine Verbindlichkeit zum Dienst helfen: „Bislang können Reservisten selbst entscheiden, ob sie üben oder nicht. Meiner Meinung nach sollten sie verpflichtet sein, mindestens alle zwei Jahre für 14 Tage zu üben. Für diese Zeit müssen die Reservisten auch vom Arbeitgeber freigestellt werden.“
Dass die Reserve der Bundeswehr in keinem guten Zustand ist, sieht auch die Sicherheitsexpertin der Grünen-Fraktion, Sara Nanni. Von einer Pflicht hält sie jedoch nichts. „Das Problem ist nämlich nicht, dass Reservistinnen und Reservisten nicht üben wollen. Das Problem sind die Kapazitäten und die Rahmenbedingungen. Die müssen wir so verändern, dass sie Übungen in ihren Alltag integrieren können. Das kostet auch Geld“, sagte sie am Freitag gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Bundeswehr: Grüne spricht sich gegen Pflicht im Dienst aus: „Problem nicht sofort lösen“
Laut Nanni könne man das Problem nicht sofort lösen. Viel mehr müsse man die Rahmenbedingungen schaffen, damit „die Reserve in zehn Jahren in einem besseren Zustand ist“. Die Bundeswehr hat unterdessen mehrere Baustellen: Ob kaputte Panzer oder zu wenig Munition — die Liste ist lang. Das Verteidigungsministerium will unterdessen offenbar auch an der Gleichstellung in der Bundeswehr ansetzen.
Der Reservistenverband (VdRBw) hat nach eigenen Angaben mehr als 115.000 Mitglieder und vertritt Reservisten in allen militärischen Angelegenheiten. Mitglieder sind laut dem VdRBw Reservisten, aktive Soldaten sowie fördernde Mitglieder. Seit Ende 2019 steht der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Sensburg an der Spitze des Verbandes. (nz mit dpa-Material)
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