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Marihuana Marke Eigenbau vom Balkon und Vereine zur Cannabis-Zucht: Nach den Plänen der Bundesregierung soll dies noch in diesem Jahr möglich sein – ganz legal. Philipp Gärtner, Mitgründer der Green Pioneers in Fulda, sieht darin eine Chance.
Berlin/Fulda - Wer Hanf anpflanzt, um sich daran zu berauschen, macht sich nach den Plänen der Bundesregierung künftig nicht mehr strafbar. Das geht aus den Eckpunkten zur Cannabis-Legalisierung hervor, die Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) und Landwirtschaftsminister Cem Özdemir am Mittwoch in Berlin vorstellten.
Betreiber von Hanf-Shop sieht Cannabis-Legalisierung als Meilenstein
Für Kultivierung, Besitz und Konsum gelten allerdings Grenzen. Bis zu 25 Gramm dürfen demnach als Eigenbedarf mitgeführt werden, im Garten oder auf dem Fensterbrett sind höchstens „drei weibliche blühende Pflanzen“ erlaubt. Eigenanbau ist auch in Vereinen zulässig, die nicht gewinnorientiert arbeiten. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren bleibt jeder Umgang mit Cannabis verboten, werden sie dennoch mit derlei Drogen erwischt, müssen sie an Aufklärungs- und Präventionsprogrammen teilnehmen.
In wenigen Wochen soll ein entsprechender Gesetzentwurf vorgestellt werden, noch in diesem Jahr könnten die Regeln dann in Kraft treten. Das Vorhaben hatten SPD, Grüne und FDP im Koalitionsvertrag vereinbart. Der liberale Justizminister Marco Buschmann hofft, dass der neue Ansatz „Polizei und Staatsanwaltschaften entlastet“.
Die geplanten Regeln bleiben allerdings hinter den ursprünglichen Plänen zurück. So sollten Cannabis-Produkte nach einem früheren Eckpunkte-Papier in lizensierten Fachgeschäften oder auch Apotheken verkauft werden dürfen. Doch dem schob die Europäische Union einen Riegel vor. Denn die schreibt ihren Mitgliedsstaaten vor, dass sie das Herstellen, Anbieten, Verkaufen, Liefern ebenso wie das Ein- und Ausführen von Drogen unter Strafe stellen. Weitere internationale Verträge schränken die nationalen Handlungsmöglichkeiten zusätzlich ein.
Mit dem jetzigen Plan glaubt die Regierung, innerhalb der möglichen Freiräume zu bleiben. In einem zweiten Schritt aber sollen auch der kommerzielle Anbau, der Vertrieb und die Abgabe in Fachgeschäften im Rahmen eines regionalen Modellversuchs ermöglicht werden. Das Projekt soll fünf Jahre lang laufen – in welchen Städten oder Kreisen, ist noch offen. Gleichzeitig wolle die Bundesregierung auch auf EU-Ebene für ihren Ansatz werben.
Legalisierung light: Drei Cannabis-Pflanzen erlaubt
Philipp Gärtner (30) aus Fulda ist Mitgründer der Green Pioneers. Die Firma vertreibt Hanfprodukte. Er verrät im Gespräch mit der Fuldaer Zeitung, was er von der „Legalisierung light“ hält.
(von Daniela Petersen; mit Bernhard Junginger)
Rubriklistenbild: © Friso Gentsch/dpa

