Krampft sein Bein? Carlsons Propaganda-Show nährt Spekulationen über Putins Gesundheit
VonKilian Beck
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Putins Fuß zuckt. Die internationale Boulevardpresse spekuliert über den Gesundheitszustand. Fachleute warnen seit Jahren vor vorschnellen Schlüssen.
Moskau – Spekulationen über den Gesundheitszustand des russischen Präsidenten Wladimir Putin gab es seit seinem erneuten Überfall auf die Ukraine immer wieder. Das Gespräch mit dem rechtsradikalen US-Agitator Tucker Carlson nährt diese nun erneut. Die britische Boulevardzeitung Daily Mail titelte am Freitag (9. Februar) Putins Bein würde an einer Stelle „krampfen“. In besagter Szene zieht Putin erste seine linke Fußspitze an, dann schiebt er seine linke Hand den Oberschenkel hinunter und drückt anscheinend seinen Fuß zu Boden. Auch die Bild-Zeitung stimmte in die Spekulationen über einen „Krampfanfall“ ein.
Experte: „Nicht jedes Zittern ist Parkinson“ – Stirbt Putin doch, könnte das Russland ins Chaos stürzen
Bereits als 2022 die ersten Spekulationen über Putins Gesundheit aufkamen, erklärte Allgemeinmediziner Manfred Imbert der Deutschen Presse-Agentur: Man habe vom äußerlichen Anschein „nie eine Gewissheit, sondern zunächst nur eine Wahrscheinlichkeit.“ Im Falle Putins wird seit langem gemutmaßt, ob er vielleicht an der degenerativen Nervenkrankheit Parkinson leide oder einen Herz- oder Schlaganfall gehabt haben könnte. Grundsätzlich gelte, so Imbert: „Nicht jedes Zittern ist Parkinson“. Allerdings könnten bestimmte Symptome auch äußerlich sichtbar werden. Ein starrer Gesichtsausdruck, verzögerte Reaktionen oder Schwindelanfälle könnten auf die Krankheit hindeuten.
Bei einem Schlaganfall hängen die Symptome laut dem Mediziner davon ab, wie lange, welcher Teil des Gehirns von der Blutzufuhr abgeschnitten gewesen wäre. Im Herbst 2023 verbreitete ein russischer Telegram-Blog das Gerücht, der 71-jährige Putin hätte einen Herzstillstand erlitten und sei reanimiert worden. Der Bericht galt damals als relativ unglaubwürdig. Trotzdem dementierte der Kreml. Sollten die Gerüchte einen wahren Kern haben, so wäre das ein Problem für das Regime.
Ist der starke Mann an der Spitze weg, könnte es zum Chaos kommen. „Der Kreml hat viele Türme, was bedeutet, dass es mehrere rivalisierende Clans gibt, die um die Macht wetteifern. An der Spitze der Hackordnung steht ein Clan von Eliten der Sicherheitsdienste“, sagte Yuri Zhukov, Politikwissenschaftler an der Universität von Michigan, dem US-Nachrichtenmagazin Newsweek.
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Ärztin warnte schon 2022 vor Fehlinterpretation durch „Laien“
Während der Gespräche, in denen westliche Staats- und Regierungschefs versuchten, Putin von der erneuten Invasion der Ukraine abzuhalten, löste der mehrere Meter lange Tisch, an den der Diktator seine Gesprächspartner zwang, Spekulationen aus. War es bloß das Machtgehabe eines Mannes, für den Gewalt das Mittel der Wahl ist, oder hatte er etwas zu verbergen? Grundsätzlich waren sich mehrere Medizinerinnen und Mediziner gegenüber der dpa damals einig, man könne wenige der diskutierten Krankheiten von außen wirklich erkennen. Vor einem ungeschulten Blick warnte damals die Dermatologin Christiane Bayerl: „Leider wird vieles von Laien fehlinterpretiert.“ (kb mit dpa)