CDU-Ministerpräsident mahnt vor bitterem Renten-Knall – „Dann sind wir wirklich erledigt“
VonKathrin Reikowski
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Wie geht es weiter mit den Rentenplänen der Regierung? CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer warnt nachdrücklich im ZDF.
Berlin – Am Donnerstagabend war Sachsens CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer in der ZDF-Sendung Maybrit Illner zu Gast – und sollte die Pläne der Regierung rund um die Rente verteidigen. Bald musste er allerdings die ganze Koalition in Schutz nehmen. Denn es kam die Frage auf: Kann Schwarz-Rot an den Rentenplänen scheitern? Droht das Aus?
„Die Frage stellt sich gar nicht“, meinte Kretschmer. „Die Diskussion ist mehr als notwendig und die Menschen sind sogar dankbar dafür.“ Sorgen um die Koalition machten sich lediglich die Politikjournalisten aus der „Berliner Blase“.
Bevölkerung zwiegespalten über Rentenpläne der Regierung
Ein aktueller Gesetzesvorschlag der Bundesregierung sieht vor, das Rentenniveau bis zum Jahr 2031 unverändert zu halten und dieses Niveau dann als Basis für die Rentenberechnung nach 2031 zu nutzen. Vor allem die Junge Union will da nicht mitgehen und gab ihrem Parteichef Mitte November kräftigen Gegenwind. Wegen des Widerstands von 18 Abgeordneten der Jungen Union steht die Gesetzesabstimmung auf der Kippe.
Und nicht nur in der CDU gibt es darüber Streit, auch die Bevölkerung ist bei diesem Thema unterschiedlicher Ansicht. Eine große Mehrheit der Bundesbürger ist einer Umfrage zufolge der Ansicht, dass die Rentenpolitik zu stark zu Lasten der jüngeren Generation geht. 71 Prozent der Befragten im am Freitag veröffentlichten ZDF-„Politbarometer“ sehen dies so, darunter auch 62 Prozent der über 60-Jährigen. Knapp jeder Vierte (23 Prozent) ist hingegen nicht dieser Ansicht, der Rest positionierte sich nicht dazu.
Kretschmer aus Sorge vor Renten-Knall: „Dann sind wir verloren“
46 Prozent aller Befragten und 50 Prozent der Unionsanhänger fänden es demnach gut, wenn das unveränderte Rentenniveau trotz sehr hoher finanzieller Belastungen auch nach 2031 als Berechnungsbasis dienen würde. Insgesamt 43 Prozent der Befragten und 39 Prozent der CDU/CSU-Anhänger sprechen sich angesichts der hohen Folgekosten gegen diesen Plan aus, darunter mehr jüngere als ältere Befragte.
All das wollte Kretschmer bei Maybrit Illner nicht allein diskutieren. Für ihn steht ein anderes Thema im Vordergrund, das auch über die Zukunft der Rente bestimmen würde: „Wenn wir wirtschaftlich nicht stark sind, können wir nicht in unsere Verteidigung investieren, dann können wir nichts mit den Renten machen – dann sind wir wirklich erledigt“, sagte Kretschmer. Dafür gab es Zustimmung von anderen Debattenteilnehmern.
Kretschmers zweite Warnung für die Reformen: „Dann werden wir scheitern“
Doch schon bei seiner Detaileinschätzung gab es wieder unterschiedliche Meinungen: Der Staat müsse mehr Möglichkeiten schaffen, meinte Kretschmer. „Wenn etwa die Automobilindustrie nicht mehr das Zugpferd Deutschlands ist, dann muss man der Wirtschaft mehr Freiheiten geben.“ Als Beispiele nannte er die „Zukunftsmärkte“ Künstliche Intelligenz und Gentechnologie - oder aber auch die strengen Regeln rund um Klimaschutz würden die Wirtschaft zu sehr einengen. „Wenn es ein Land gibt, das Ökologie und Ökonomie zusammendenken kann, dann sind wir das“, meinte dann allerdings auch Kretschmer. Auch in anderer Hinsicht hatte er versöhnliche Worte in Richtung Grüne übrig.
Schlager- und TV-Stars packen über Höhe ihrer Rente aus: Einer kriegt nur 41 Euro im Monat
In Bezug auf die Rente bleibt sein Appell – als einziger Vertreter einer Regierungspartei – hängen: „Die Rente ist ein so sensibler Punkt, für die Menschen, die da betroffen sind. Wir wollen, dass das vernünftig passiert.“ Wenn man etwas erreichen wolle, müsse man die Menschen verbinden und unterschiedliche Interessen für eine Debatte an einen Tisch bringen. „Wenn wir es nicht schaffen, einen gemeinsamen Geist zu finden für die Reformen, die auch schmerzhaft sein werden, dann werden wir scheitern.“ (kat) (Quelle: dpa/Maybrit Illner vom 25.11.2025)