Cem Özdemir: Bundesminister der Grünen und erster türkischstämmiger Abgeordneter
VonNils Thomas Hinsberger
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Cem Özdemir ist Landwirtschaftsminister und Kind türkischer Einwanderer. Trotz Erfolgen verlief die Karriere des Grünen-Politikers nicht ohne Rückschläge.
Berlin - Cem Özdemir, wurde am 21. Dezember 1965 im schwäbischen Bad Urach geboren. Seine Eltern kamen als türkische Gastarbeiter nach Deutschland. Wie er selbst auf seiner Homepage schreibt, ist er „ein Produkt des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens“. Politische Karriere machte Özdemir in der Partei Bündnis 90/Die Grünen, in die er 1981 eintrat. Nach eigenen Angaben waren es gerade die Themen Ökologie und Nachhaltigkeit, die ihn als Jugendlichen „politisiert haben“.
Name
Cem Özdemir
Geburtstag
21.12.1965
Geburtsort
Bad Urach (Baden-Württemberg)
Größe
1,82m
Ehefrau
Pia Castro (2003 bis 2023)
Kinder
Tochter Mia und Sohn Vito
Partei
Bündnis 90/Die Grünen
Ausbildung und Studium
Erzieher und Studium der Sozialpädagogik
Cem Özdemir: Überzeugter Schwabe und Kind türkischer Gastarbeiter
Die Eltern von Cem Özdemir kamen Anfang der 1960er Jahre als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland. Genauer nach Bad Urach in Baden-Württemberg „und haben sich hier kennengelernt“, erzählt Özdemir auf seiner Homepage.
Die tiefe Verbundenheit zu seiner Heimat lässt sich am besten am ausgeprägten, schwäbischen Dialekt beobachten, den der Minister nie abgelegt hat. Sein Migrationshintergrund sei für Außenstehende dabei wesentlich öfter Thema als für ihn selbst. Im Zweifelsfall erzähle er mit einem Augenzwinkernd, er sei „anatolischer Schwabe“.
Ausbildung und Studium von Cem Özdemir
Die schulischen Leistungen des Grünen-Politikers fielen nicht besonders gut aus. Trotz des Wunschs, ein Gymnasium zu besuchen, wurde der heutige Minister in die Hauptschule versetzt. Gerade die sprachlichen Barrieren und die Arbeitsbelastung der Eltern limitierten die Möglichkeiten, ihren Sohn zu unterstützen.
Noch während der Schulzeit engagierte sich Özdemir als Klassen- und Schulsprecher und übernahm die Leitung der Schülerzeitung. „Meine ersten politischen Ämter“, scherzt der Minister auf seiner Homepage. Nach dem Realschulabschluss beschloss er eine Ausbildung zum Erzieher zu absolvieren und parallel das Fachabitur nachzuholen.
Von der Entscheidung, Erzieher zu werden, seien die Eltern von Özdemir wenig begeistert gewesen. Trotzdem entschied er sich nach der Ausbildung für ein weiterführendes Studium der Sozialpädagogik an der Evangelischen Fachhochschule für Sozialwesen in Reutlingen.
Parteimitglied und erste politische Ziele
1981 trat Özdemir der Partei Bündnis 90/Die Grünen bei, zu der er sich durch die Interessen Ökologie und Nachhaltigkeit hingezogen fühlte. Als erstes politisches Ziel organisierte er Sonderfahrten und Proteste zum Erhalt der Ermstalbahn in Baden-Württemberg - eine elektrische Eisenbahn zwischen Metzingen und Bad Urach in der schwäbischen Alb.
Das Engagement zeigte Wirkung und war somit der Anstoß für die weiterführende Karriere des Grünen-Politikers. Im Laufe seiner politischen Karriere hatte Özdemir eine Vielzahl an Ämtern innerhalb seiner Partei inne.
Politische Ämter innerhalb der Partei Die Grünen
1994 wird Özdemir als erster türkischstämmiger Abgeordneter in den Bundestag gewählt, was ihm in der darauffolgenden Wahlperiode 1998 erneut gelingt. Nach Vorwürfen des privaten Nutzens dienstlich angesammelter Flugmeilen verschwindet der Grünen-Politiker zunächst von der politischen Bühne. Nach einem Jahr erholt sich Özdemir aber von dem Rückschlag und kandidiert 2003 für das Europaparlament.
Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit
Eine Auflistung der wichtigsten politischen Stationen Cem Özdemirs:
1989 bis 1994 Landesvorstand Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg
1994 Wahl zum Bundestagsabgeordneten
1998 bis 2002 innenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen
2003 bis 2009 Abgeordneter im Europaparlament der Fraktion Die Grünen/EFA
2008 bis 2018 Parteivorsitzender Bündnis 90/Die Grünen
Seit 2013 Bundestagsabgeordneter
2021 Ernennung zum Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft
Vorwürfe und Rücktritt Cem Özdemirs
2002 berichtete die Bild am Sonntag, dass der damaligen Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir insgesamt sechsmal dienstlich gesammelte Bonusmeilen für private Zwecke genutzt haben soll. Insgesamt soll dabei ein monetärer Vorteil von mehreren tausend Euro für Özdemir entstanden sein. Die Flüge habe er für eine Reise mit seiner Frau, seine Eltern und einen Freund genutzt haben.
Damit soll der Grünen-Politiker gegen einen Beschluss des Ältestenrats von 1997 verstoßen haben, der besagt, dass Bonusmeilen dem Bundestag zur Finanzierung weiterer Dienstreisen übermittelt werden sollen. Özdemir konnte die damals erhobenen Vorwürfe gegen ihn nicht entkräften und gab kurz darauf sein Bundestagsmandat auf.
Vegetarismus und gut gemeinte Vorurteile
Nach eigenen Angaben ist Özdemir seit seinem 17. Lebensjahr Vegetarier. Auch wenn er oft danach gefragt werde, verzichte er nicht wegen religiösen Überzeugungen auf Fleisch. Mit dem Islam kenne er sich ohnehin nur „so mittelmäßig aus“, erzählt er auf seiner Website. Fälschliche Rücksichtnahmen, wie dass man ihm keine frohen Weihnachten, sondern nur ein gesundes neues Jahr wünsche, sehe er als gut gemeint und Teil einer vielfältigen Gesellschaft.
Ehefrau und Privatleben des Landwirtschaftsministers
Eigentlich sei er müde gewesen und wollte gerade eine Party verlassen, als er seine ehemalige Ehefrau Pia Castro auf einer Feier in Berlin kennenlernte, erzählt er in einem Interview. „Es war Liebe auf den ersten Blick, wie man so schön sagt“.
2003 heiratete das Paar in den USA, da dort die bürokratischen Hürden deutlich niedriger seien als in Deutschland. Mit seiner Frau Pia Castro hat Özdemir zwei Kinder. Eine Tochter Mia und einen Sohn Vito. 2023 gaben Castro und Özdemir ihre Trennung bekannt. Heute ist der Politiker mit der kanadischen Juristin Flavia Zaka zusammen.
Umweltbewusst zur Ernennung als Minister
Seit 2021 ist Cem Özdemir Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft in der Ampel-Regierung unter Bundeskanzler Olaf Scholz.
Als Vegetarier und Urgestein der Grünen kam Özdemir mit dem Fahrrad zu seiner Ernennung als Bundesminister. Gegen Porschefahrer in seiner Partei habe er aber nichts. Nichtsdestotrotz fordert er seinen Koalitionskollegen Christian Lindner (FDP) heraus: „Ich wette, Christian Lindners Porsche hänge ich im Elektroauto an jeder Ampel ab“.