Ukraine-Krieg

Angst vor Verlusten: Putin macht Belgorod zur Hochsicherheitszone

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Moskaus Offensive im ukrainischen Charkiw gilt als gescheitert. Auch im russischen Grenzgebiet ist das zu spüren. Nun wird der Zugang eingeschränkt.

Moskau - Die russische Oblast Belgorod grenzt direkt an die ukrainische Region Charkiw, in der seit gut zwei Monaten eine beträchtliche Offensive Moskaus tobt. Auch das grenznahe Gebiet Russlands bleibt so von den Kampfhandlungen im Ukraine-Krieg nicht verschont. Jetzt soll dort aufgrund des Beschusses durch die Ukraine der Zugang zu 14 Dörfern eingeschränkt werden.

„Wir beabsichtigen, den Zugang zu 14 Gebieten zu beschränken, in denen die operative Situation extrem schwierig ist“, wie der Gouverneur der Region, Wjatscheslaw Gladkow, auf Telegram mitteilte. Es würden dort jetzt „maximale Sicherheitsmaßnahmen“ ergriffen. Zu diesen gehöre das Einrichten von Kontrollpunkten an den Eingängen zu den Dörfern. Für die Polizeibeamten, die diese besetzen sollen, werde man „modulare Unterkünfte aus Beton bereitstellen, um ihre Sicherheit zu gewährleisten“, so der Gouverneur.

Der Ukraine-Krieg reicht bis nach Russland - Jetzt hat Putin Angst vor weiteren Verlusten

Bewohner, die in die Siedlungen wollen, müssen von nun an einen Antrag bei den örtlichen Behörden stellen, hieß es weiter. Öffentliche Verkehrsmittel, einschließlich Taxis, würden diese nicht mehr anfahren. „Nur erwachsene Männer werden nach strengen Vorschriften zugelassen: in gepanzerten Fahrzeugen mit elektronischer Kriegsausrüstung, in persönlicher Schutzausrüstung – Schutzwesten und Helmen – und in Begleitung des Militärs und lokaler Beamter, einschließlich der Selbstverteidigungskräfte“, so Gladkow. Trotzdem müssten nicht alle Bewohner die betroffenen Gebiete verlassen. Wer gehe, könne aber eine monatliche Zahlung in Anspruch nehmen, um eine Unterkunft an einem anderen Ort zu mieten.

Der russische Präsident Wladimir Putin will Verluste in der eigenen Bevölkerung verhindern.

Laut dem Gouverneur sind keine „positiven Antworten“ auf die Ankündigung der Beschränkungen zu erwarten, für die kein Enddatum genannt wurde. „Aber das Wichtigste ist das Leben eines Menschen. Wir haben bereits viele friedliche Einwohner verloren und viele Verletzte“, führte er aus. Seit Moskaus „spezielle Militäroperation“ in der Ukraine begonnen habe, seien mehr als 200 Zivilisten in der Region Belgorod getötet worden, zitierte ihn später die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass.

Putin hat mit hohen Verlusten zu kämpfen - Russlands Vorstoß im Ukraine-Krieg ist gescheitert

Am Mittwoch (17. Juli) kamen in Belgorod nach Angaben der örtlichen Behörden zwei Menschen durch einen ukrainischen Drohnenangriff um Leben. Letzte Woche wurden bei ukrainischen Angriffen in Belgorod innerhalb eines Tages vier Menschen getötet und 20 weitere verletzt.

Letztlich gleiche die Ankündigung zum Bevölkerungsschutz einem Eingeständnis des Scheiterns der Anfang Mai angeordneten Überraschungsoffensive in der ukrainischen Nachbarregion Charkiw, urteilte die Nachrichtenagentur AFP. Der russische Präsident Wladimir Putin hatte mit dem Vorstoß das Einrichten einer Pufferzone bezweckt, die Angriffe auf die Region Belgorod stoppen sollte. Obwohl dieses Ziel inzwischen als gescheitert gilt, war die Operation für extrem kostspielig. Berichten zufolge verloren bis zu 90 Prozent der eingesetzten russischen Truppen ihr Leben oder wurden verwundet. (tpn)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Mikhail Tereshchenko

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