Medienberichte

„Gefahr für den Westen“: China rekrutiert britische Kampf-Piloten

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Eine F-35A Lightning II der US-Luftwaffe, zwei Dassault Rafales und ein Eurofighter Typhoon der Royal Air Force fliegen in Formation.

Schon in fünf Jahren will Chinas Militär „Weltklasseniveau“ erreicht haben. Dabei sollen Medienberichten zufolge auch britische Piloten helfen.

München/London/Peking – Zwischen Großbritannien und China herrscht schon seit Längerem dicke Luft. So hatte die neue britische Premierministerin Liz Truss bereits im Wahlkampf vollmundig versprochen, Taiwan im Falle einer chinesischen Invasion militärisch beizustehen, und ihrem parteiinternen Rivalen Rishi Sunak vorgeworfen, Peking gegenüber zu nachgiebig zu sein. Anders als ihr Vorgänger Boris Johnson betrachtet Truss die Regierung in Peking nicht mehr als „systemischen Rivalen“, sondern als „Bedrohung“ – eine deutliche Verschärfung der Rhetorik gegenüber China.

Truss‘ harter China-Kurs bekommt nun durch britische Medienberichte neuen Auftrieb. Wie unter anderem der Guardian schreibt, zeigt sich das britische Verteidigungsministerium alarmiert über Versuche Chinas, ehemalige und aktive Luftwaffenpiloten für eigene Zwecke zu gewinnen. Bei rund 30 ehemaligen Piloten habe das schon geklappt, so der Bericht. Demnach sollen die Piloten ihre chinesischen Kollegen zu militärischen Abwehrmethoden schulen und ihnen zeigen, wo die Schwächen westlicher Kampfjets und Helikopter liegen.

Die Geschichte der Volksrepublik China von 1949 bis heute

Am 1. Oktober 1949 ruft Mao Zedong in Peking die Volksrepublik China aus.
Am 1. Oktober 1949 ruft Mao Zedong in Peking die Volksrepublik China aus. Zuvor hatten sich Maos Kommunisten im chinesischen Bürgerkrieg gegen die Nationalisten durchgesetzt, die nach Taiwan geflohen waren. © Xinhua/Imago
Mit dem „Großen Sprung nach Vorne“ (1958-1961) sollte die Produktion vorangetrieben werden.
Eines der Hauptziele der neuen Regierung war die wirtschaftliche Entwicklung des verarmten Chinas. Mit dem „Großen Sprung nach Vorne“ (1958-1961) sollte die Produktion vorangetrieben werden. Doch Fehler in der Planung und Naturkatastrophen sorgen für eine Hungersnot, der 15 bis 55 Millionen Menschen zum Opfer fielen. © agefotostock/Imago
1959 kam es in Tibet zu einem Aufstand gegen die Besatzer.
Bereits kurz nach der Machtübernahme besetzte die chinesische Volksbefreiungsarmee das bis dahin faktisch unabhängige Tibet. 1959 kam es zu einem Aufstand gegen die Besatzer, woraufhin der Dalai Lama das Land verlassen musste. Heute lebt er im indischen Exil. © United Archives International/Imago
Von 1966 bis 1976 erschütterte die Kulturrevolution China.
Von 1966 bis 1976 erschütterte die Kulturrevolution China. Mit der Kampagne wollte Mao mit den Mitteln des Klassenkampfes die chinesische Gesellschaft von „konterrevolutionären“ Elementen befreien; zudem zementierte er seine Macht an der Spitze des Staates. Der Kulturrevolution fielen Hunderttausende Menschen zum Opfer. © Photos12/Imago
1972 besuchte mit Richard Nixon erstmals ein US-Präsident die Volksrepublik.
Anfang der 70er-Jahre öffnete sich China aber auch nach Westen. 1972 besuchte mit Richard Nixon erstmals ein US-Präsident die Volksrepublik. Im selben Jahr nahm Deutschland diplomatische Beziehungen mit Peking auf. © agefotostock/Imagao
Nach einem parteiinternen Machtkampf setzte sich schließlich Deng Xiaoping als neuer Führer der Volksrepublik durch.
Mao starb 1976. Nach einem parteiinternen Machtkampf setzte sich schließlich Deng Xiaoping als neuer Führer der Volksrepublik durch. Deng leitete die Geschicke Chinas bis zu seinem Tod im Jahr 1997. © Zuma/Keystone/Imago
Deng Xiaoping trieb die Öffnung Chinas voran.
Deng Xiaoping trieb die Öffnung Chinas voran. Demokratische Reformen blieben aus, die Wirtschaft entwickelte sich allerdings rasant. Auch ausländische Unternehmen wie Volkswagen engagierten sich nun in China. © Sepp Spiegl/Imago
Im Frühjahr 1989 kam es in Peking zu Demonstrationen von Studenten, die Reformen und eine Demokratisierung Chinas forderten. In der Nacht auf den 4. Juni 1989 eskalierte die Lage, der Tiananmen-Platz im Herzen Pekings wurde geräumt, die Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen. Hunderte Menschen starben.
Im Frühjahr 1989 kam es in Peking zu Demonstrationen von Studenten, die Reformen und eine Demokratisierung Chinas forderten. In der Nacht auf den 4. Juni 1989 eskalierte die Lage, der Tiananmen-Platz im Herzen Pekings wurde geräumt, die Demokratiebewegung blutig niedergeschlagen. Hunderte Menschen starben. © Jeff Widener/dpa
Am 1. Juli 1997 wurde Hongkong, die ehemalige britische Kronkolonie, an China zurückgegeben.
Am 1. Juli 1997 wurde Hongkong, die ehemalige britische Kronkolonie, an China zurückgegeben. Gouverneur Chris Patten erhielt die eingeholte britische Nationalflagge, die chinesische Flagge wurde gehisst.  © UPI Photo/Imago
Heute ist Shanghai das wirtschaftliche Zentrum des Landes, dort befindet sich auch der größte Hafen der Welt.
Chinas Wirtschaft entwickelte sich in den 90er-Jahren, vor allem aber ab dem Beitritt der Volksrepublik zur Welthandelsorganisation 2001, rasant. Heute ist Shanghai das wirtschaftliche Zentrum des Landes, dort befindet sich auch der größte Hafen der Welt. © Ivan Tykhyi/Imago
Unter Xi Jinping, seit 2012 Parteichef und seit 2013 Staatspräsident, wird China immer autoritärer regiert.
Trotz des wirtschaftlichen Erfolgs: Der Handel mit dem Westen brachte China keinen demokratischen Wandel - im Gegenteil. Unter Xi Jinping, seit 2012 Parteichef und seit 2013 Staatspräsident, wird China immer autoritärer regiert. Es entstand ein neuer Personenkult, der an die Mao-Ära erinnert. © UPI Photo/Imago
In der Provinz Xinjiang gingen die Behörden gegen die muslimischen Uiguren vor. Hunderttausende Menschen sollen dort in Umerziehungslagern eingesperrt sein.
China wurde immer mehr zum Polizei- und Überwachungsstaat. In Hongkong wurde die Demokratiebewegung brutal niedergeschlagen, in der Provinz Xinjiang gingen die Behörden gegen die muslimischen Uiguren vor. Hunderttausende Menschen sollen dort in Umerziehungslagern eingesperrt sein. © UPI Photo/Imago

Rekrutierung britischer Piloten kann „Chinas militärisches Wissen und Können“ verbessern

Es gehe nicht darum, chinesische Piloten an westlichen Maschinen auszubilden, sondern ihnen zu zeigen, wie diese im Falle eines bewaffneten Konflikts bekämpft werden könnten, heißt es laut Medienberichten aus britischen Regierungskreisen. Durch das Trainingsprogramm könnten „mit ziemlicher Sicherheit Chinas militärisches Wissen und Können“ verbessert werden. „Es geht darum, dass die Chinesen verstehen, was die neueste Generation von Taktiken, Ansätzen und Fähigkeiten wäre, wenn das chinesische Militär in eine Situation käme, in der es auf diese Art von Waffen treffen würde.“ Konkret interessiere sich das chinesische Militär für Helikopter vom Typ Wildcat und Merlin sowie für das Mehrzweckkampfflugzeug Tornado und weitere Maschinen. Auch an Piloten, die Wissen über das US-Kampfflugzeug F35 hätten, sei China interessiert.

Laut Guardian sprechen mit der Sache vertraute Beamte von einer „Gefahr für die Interessen des Vereinigten Königreichs und des Westens“. Die Piloten, die bereits für China aktiv sind, seien „sehr großzügig“ entlohnt worden und über Drittfirmen, vor allem über eine Flugschule in Südafrika, rekrutiert worden. Es sei britischen Luftwaffenpiloten zwar nicht ausdrücklich verboten, an Schulungsprogrammen teilzunehmen, zudem würden sich die Piloten nur strafbar machen, wenn sie militärische Geheimnisse verraten würden. Dennoch würden nun Schritte unternommen, „das Risiko zu managen“, zitiert der Guardian Regierungsbeamte. Man versuche zudem, die Piloten dazu zu bewegen, China zu verlassen und wolle verhindern, dass weitere Piloten von China angeworben werden.

Britische Piloten im Dienste Chinas: Problem „seit einigen Jahren“ bekannt

Dem Sender Sky News sagte James Heappey vom britischen Verteidigungsministerium, dass sich die Regierung bereits „seit einigen Jahren“ mit der Rekrutierung britischer Piloten für die Ausbildung chinesischer Piloten beschäftige. Seit Ende 2019 sei zudem ein sprunghafter Anstieg bei der Rekrutierung zu beobachten. „Wenn wir nicht eingreifen würden, würden diese Aktivitäten mit ziemlicher Sicherheit den Verteidigungsvorteil des Vereinigten Königreichs und unserer Verbündeten beeinträchtigen“, zitiert Sky News einen Regierungsbeamten. China, so das Verteidigungsministerium in London, sei nicht nur an britischen Marine- und Luftwaffenangehörigen interessiert, sondern auch an Soldaten aus anderen westlichen Ländern.

Chinas Armee ist mit rund zwei Millionen Angehörigen die größte der Welt. Das Militärbudget des Landes hat sich Schätzungen des Stockholmer Friedensforschungsinstituts (SIPRI) zufolge seit dem Jahr 2012 mehr als verdoppelt, auf zuletzt 293 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021. Damit ist es das zweithöchste weltweit – nur die USA geben mit rund 800 Milliarden Dollar noch mehr für ihre Armee aus. Im Jahr 2027, wenn Chinas Volksbefreiungsarmee den 100. Jahrestag ihrer Gründung begeht, soll das chinesische Militär „Weltklasseniveau“ erreicht haben, wie Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping am vergangenen Wochenende auf dem Parteitag der Kommunistischen Partei bekräftigte. (sh)

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