VonAndreas Schmidschließen
Russland, China und Südafrika halten Marineübungen ab. Einen russischen Bericht um einen Raketentest dementierte die Marine am Mittwoch.
Richards Bay – Russland und China operieren derzeit gemeinsam vor der südafrikanischen Küste. Zusammen mit der Marine Südafrikas bestreiten die beiden Atommächte eine gemeinsame Flottenübung. Es gibt russische Berichte, wonach die Übung zu Raketentests genutzt werden könnte. Was steckt dahinter?
China, Russland und Südafrika starten Marinemanöver vor Afrikas Küste - mit Raketentests?
Noch vor Beginn der Übung am Freitag meldete die kremlnahe russische Nachrichtenagentur Tass, dass ein Test einer Hyperschallrakete geplant sei. Damit wäre beim Manöver im Indischen Ozean erstmals ein reales Ziel mit der Hyperschallrakete beschossen worden. Ende Januar imitierte ein russisches Kampfschiff bei einem Manöver im Atlantik erstmals – per Computersimulation – den Abschuss einer Zirkon-Rakete.
Wenige Tage nach den russischen Berichten dementieren offizielle Stellen. Laut Angaben der russischen Marine werden keine Raketen für Tests von russischen Schiffen abgefeuert. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung der russischen, chinesischen und südafrikanischen Marine am Mittwoch hervor.
Militärübung im Schatten des Jahrestags
Die gemeinsame Übung, die für zehn Tage angesetzt ist, sorgt weltweit für Aufsehen, da sie mit dem Jahrestag des Beginns des russischen Angriffskriegs in der Ukraine am 24. Februar zusammenfällt. Russland beteiligt sich laut Tass an dem Manöver mit der „Sowjetadmiral Gorschkow“ und einem Seetanker. Die Fregatte wurde erst am Jahresanfang modernisiert und mit Hyperschallraketen vom Typ Zirkon ausgestattet. Die Zirkon ist ein Seeziel-Flugkörper mit hoher Reichweite und enormer Geschwindigkeit. Die Rakete soll auf mehr als 9000 Kilometer pro Stunde beschleunigen können, womit sie für die Flugabwehr praktisch unerreichbar ist. Potenziell kann sie auch einen Atomsprengkopf tragen. China agiert derweil nicht das erste Mal an Russlands Seite und auch Südafrika positioniert sich.
Südafrika im Ukraine-Krieg
Südafrika gehört gemeinsam mit Russland, China, Indien und Brasilien der Brics-Gruppe von aufstrebenden Schwellenländern an. Das Land hat bislang eine neutrale Position zum Krieg in der Ukraine eingenommen. Bei einer Abstimmung der Vereinten Nationen zur Verurteilung des Kriegs hatte sich Südafrika vergangenes Jahr enthalten.
Was machen Russland, China und Südafrika vor der Küste?
Wie die südafrikanische Marine nun mitteilte, fokussiere sich das Manöver auf das Training der Küstenwache sowie strategische Maßnahmen zur Bekämpfung von Piraterie. „Für China und Russland ist es eine Möglichkeit, ihren Einfluss auf dem afrikanischen Kontinent auszuweiten“, sagte Siphiwe Lucky, der Generalleutnant der südafrikanischen Marine.
Eine Hyperschallrakete werde nicht eingesetzt, wie auch der Kommandeur des teilnehmenden Kommandos der Schiffe der Nordflotte, Oleg Gladky, auf einer Pressekonferenz sagte. „Die Hyperschallwaffe wird im Rahmen dieser Übungen nicht zum Einsatz kommen“, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Reuters. Der Pressedienst der Nordflotte teilte mit, dass der aktive Teil der Übung vom 25. bis 27. Februar stattfinden werde. Während dieses Zeitraums werden jedoch gemeinsame Artillerieabschüsse auf See durchgeführt. (as)
