VonLinus Prienschließen
Die Spannungen zwischen China und Taiwan schwelen weiter. Experten haben jetzt einen militärischen Konflikt zwischen den Staaten simuliert.
Washington, D.C. - Kann Russlands Invasion im Ukraine-Krieg ein böses Vorzeichen für den Konflikt zwischen China und Taiwan sein? Diese Befürchtung gibt es vor allem im Westen. Die US-amerikanische Denkfabrik „Center for Strategic and International Studies“ (CSIS) hat aus diesem Grund eine Simulation eines chinesischen Überfalls auf Taiwan durchgeführt.
Ein Ergebnis klingt beunruhigend: „Ein Eröffnungsbombardement zerstört den größten Teil von Taiwans Marine und Luftwaffe“, heißt in dem 156-seitigen Bericht. Dieses Szenario könne bei einem Angriff Chinas innerhalb weniger Stunden Realität werden.
Chinesische Taiwan-Invasion: US-Thinktank schildert das „wahrscheinlichste Szenario“
Die Experten des CSIS gehen aber davon aus, dass eine chinesische Invasion höchstwahrscheinlich äußerst schnell fehlschlagen würde. Trotz eines starken chinesischen Bombardements würde es Taiwan auf dem Land einfacher haben als die chinesischen Truppen. Dies sei dem Umstand geschuldet, dass die „Eindringlinge Probleme damit hätten, Versorgungsketten aufzubauen und sich landeinwärts zu bewegen.“
In der Zwischenzeit könnten amerikanische U-Boote, Bomber und Kampfflugzeuge die chinesische Flotte in Angriff nehmen, meint das CSIS. Auch japanische Einsatzkräfte würden sich an der Verteidigung Taiwans beteiligen. Die notwendige Voraussetzung für das Eintreten dieses Szenarios lautet den Forschern zufolge jedoch: „Taiwan muss sich wehren“. Das Land dürfe nicht kapitulieren, bevor US-amerikanische Einheiten mobilisiert werden können. Ungeachtet dessen wäre ein Krieg zwischen den Atommächten China und USA ein hochriskantes Szenario.
China und Taiwan: USA gehen nicht von akuter Gefahr aus
Unterdessen soll Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen Kevin McCarthy, den Sprecher des US-Repräsentantenhauses, treffen. Tsai Ing-wen wird auf einer USA-Reise New York und Kalifornien besuchen, was Unmut in China auslöste, wie das Handelsblatt berichtet: „Wir lehnen jede Form von offizieller Interaktion zwischen den USA und Taiwan entschieden ab“, hieß es demnach aus Peking.
Nach offiziellen amerikanischen Angaben gibt es gegenwärtig keine akute Gefahr eines Angriffs. So sagte Geheimdienstdirektorin Avril Haines kürzlich, die USA gingen nicht davon aus, dass China in den Krieg ziehen wolle. Nichtsdestotrotz destabilisiere China vor allem den Handel in der Region. Dass Peking die Souveränität des Inselstaats nicht anerkennt, ist ohnehin bekannt.
USA im China-Taiwan-Konflikt: Politiker könnten „sich selbst erfüllende Prophezeiung schaffen“
Am amerikanischen Vorgehen im Konflikt zwischen China und Taiwan gibt es jedoch auch Kritik: „Wenn westliche Politiker das Risiko einer chinesischen Invasion in Taiwan immer wieder herbeireden, könnten sie versehentlich eine sich selbst erfüllende Prophezeiung schaffen“, sagt Jessica Chen Weiss, Professorin für China- und Asien-Pazifik-Studien an der Cornell University, dem Magazin Foreign Policy. (lp)
