Sie bleiben enge Verbündete: China und Russland wollen trotz des Kriegs in der Ukraine verstärkt zusammenarbeiten. Das betonten die Außenminister beider Länder nun in Indien.
München/Panaji – Ungeachtet westlicher Kritik an Chinas Kurs im Ukraine-Krieg will das Land enger mit Russland zusammenarbeiten. Das bekräftigte der chinesische Außenminister Qin Gang am Donnerstag bei einem Treffen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow. So solle etwa „die Kooperation in Wirtschaft und Handel verstärk werden“, wie das Außenministerium am Freitag in Peking mitteilte. Qin betonte demnach in dem Gespräch mit Lawrow zudem, Peking wolle „die strategische Kommunikation stärken und die Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen konsolidieren und vertiefen“.
Außerdem verwies der Außenminister auf die neue Dynamik, die die Beziehung zwischen beiden Ländern nach dem Treffen von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping und Russlands Präsident Wladimir Putin im März in Moskau erhalten habe: „Die Kontakte auf allen Ebenen zwischen beiden Seiten sind immer aktiver geworden und die Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen ist in vollem Gange.“ Lawrow erklärte den chinesischen Angaben zufolge, Russland wolle „die Beziehungen zwischen den beiden Ländern auf eine höhere Ebene heben“.
Peking: „Chinas Position in der Ukraine-Frage hat sich nicht geändert“
Qin und Lawrow waren am Donnerstag während eines Treffens der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) im südindischen Goa zusammengekommen. Der Organisation mit Sitz in Peking gehören neben China, Indien und Russland auch Pakistan, Iran sowie vier zentralasiatische Staaten an. Bei den Gesprächen war den chinesischen Angaben zufolge auch der Ukraine-Krieg ein Thema, den Peking stets als „Krise“ verharmlost. Diese „Krise“ müsse „politisch“ und durch Gespräch gelöst werden, so Qin.
China beteuert seit Beginn des großangelegten russischen Angriffs auf die Ukraine, sich in dem Konflikt neutral zu verhalten. Tatsächlich aber weigert sich Peking bis heute, die Invasion zu verurteilen oder Russland zu einem Abzug seiner Truppen aufzufordern. Zwar erkannte China in der vergangenen Woche in einer UN-Resolution „Russlands Aggression gegenüber der Ukraine“ an – erklärte aber wenig später, dass „sich Chinas Position in der Ukraine-Frage nicht geändert hat“. In der vergangenen Woche sprachen zudem erstmals seit Kriegsbeginn Staatschef Xi und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj miteinander. In dem Telefonat vermied es Xi ebenfalls, Russlands Angriff zu verurteilen.
China und Indien: Ungelöster Grenzkonflikt sorgt für Spannungen
Beim SCO-Treffen in Goa sprach Chinas Außenminister am Donnerstag auch mit seinem indischen Amtskollegen Subrahmanyam Jaishankar. Beide Seiten vereinbarten, in Zukunft enger zusammenarbeiten zu wollen – trotz des seit Jahrzehnten schwelenden Grenzkonflikts zwischen beiden Staaten, der im Sommer 2020 eskaliert war. Damals kamen an der chinesisch-indischen Grenze mehrere Dutzend Soldaten beider Seiten ums Leben, nachdem sie in der unwirtlichen Himalaya-Region mit Stöcken aufeinander losgegangen waren.
Derzeit sei die Situation an der Grenze „im Allgemeinen stabil“, sagte Qin seinem indischen Amtskollegen nun in Goa. Beide Ländern müssten allerdings die weitere „Entspannung der Grenzsituation fördern und den Frieden und die Ruhe in der Grenzregion dauerhaft erhalten“. Jaishankar verwies chinesischen Angaben zufolge auf die Bedeutung von „Konsultationen mit der chinesischen Seite, um weiterhin für die Aufrechterhaltung von Frieden und Stabilität in der Grenzregion sorgen zu können“. (sh)