China vollzieht einen Wandel in der Familienpolitik. Die Lockerung der strenge Zwei-Kind-Politik sorgt aber nicht nur für Begeisterung.
Peking - China hat eine historische Wende in seiner Familienpolitik vollzogen. Das Land lockert seine strenge Zwei-Kind-Politik und erlaubt Paaren künftig, drei Kinder zu bekommen. Die Maßnahme werde helfen, um „aktiv auf die alternde Bevölkerung zu reagieren“, gab die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Montag bekannt. Sie berief sich auf ein Treffen des Politbüros, das am Montag unter Führung von Präsident Xi Jinping stattfand.
Geburtenrückgang in China sorgt für Wandel in der Familienpolitik - Nun drei Kinder erlaubt
Die Entscheidung erfolgt nach einer Volkszählung Ende vergangenen Jahres, die einen starken Rückgang der Geburtenrate im bevölkerungsreichsten Land der Erde verzeichnete. Demnach wuchs die Bevölkerung so langsam wie seit Jahrzehnten nicht mehr und zählt nun 1,41 Milliarden Menschen. In den vergangenen zehn Jahren ist Chinas Bevölkerung nur noch um jährlich 0,53 Prozent gewachsen. China erhebt alle zehn Jahre Daten zu seiner Bevölkerung.
Der Rückgang bei den Geburten liegt wohl am Erfolg der Ein-Kind-Politik in China, die von der Regierung unter Deng Xiaoping im Jahr 1979 eingeführt wurde. China hatte diese erst im Jahr 2016 nach fast 40 Jahren unter Präsident Xi Jinping durch die Zwei-Kind-Politik ersetzt. Familien war es seitdem erlaubt, zwei Kinder zu bekommen.
China: Wandel zur Drei-Kind-Politik sorgt für Kritik in der Bevölkerung
Die große Bevölkerung des Landes wird von der Kommunistischen Partei als eine der wichtigsten Ressourcen auf dem Weg zur Supermacht betrachtet. Die strikte Geburtenkontrolle als erfolgreiches Konzept angesehen. Zuletzt kamen aber immer mehr kritische Stimmen auf. Die Umsetzung mit Zwangsabtreibungen bis spät in der Schwangerschaft und andere Eingriffe in das Leben der Menschen waren aber immer schon heftig umstritten.
Über die Jahre gab es schrittweise Lockerungen. Wegen der traditionellen Bevorzugung von Jungen durften Bauern, die zuerst ein Mädchen bekommen hatten, noch einmal versuchen, einen männlichen Stammhalter zu bekommen. Auch die Abtreibungen von Mädchen hatten stark zugenommen. Teilweise beklagten sich die Menschen in den sozialen Medien auch über verwöhnte Einzelkinder. Das „Little Emperor Syndrome“ (Kleiner-Kaiser-Syndrom) wurde immer mehr als Volkskrankheit der Oberschicht wahrgenommen.
Der Wandel in der Familien-Politik scheint aber vor allem in wohlhabenderen Schicht in China nicht nur Begeisterung auszulösen. Wie die BBC berichtet, finden sich im chinesischen Pendant zu Facebook Weibo kritische Stimmen. „Wir können drei Kinder haben, das Problem aber ist, dass ich nicht mal eins will“, schrieb dort ein Nutzer. Die junge Generation innerhalb der Großstädte wie Peking oder Shanghai sei nicht an einer Familiengründung interessiert und wolle stattdessen lieber Karriere machen oder einfach „ihr Leben leben“, wie es ein Bewohner Pekings gegenüber der BBC sagte. (AFP/dpa)