VonPia Seitlerschließen
Es kursieren viele Ideen, wie es nach dem 9-Euro-Ticket weitergehen könnte. Christian Lindner will keine davon finanzieren und wird heftig kritisiert.
Das 9-Euro-Ticket für den öffentlichen Nahverkehr in ganz Deutschland gilt nur noch etwas mehr als drei Wochen und während die Grünen unbedingt eine Nachfolgeregelung für das 9-Euro-Ticket wollen, lehnt Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) das ab. In einem Interview hat Lindner noch einmal betont, dass es dafür keine Mittel zur Verfügung gebe und erntet im Netz viel Kritik für seine Aussage.
„Jeder Steuerzuschuss für ein nicht kostendeckendes Ticket bedeutet Umverteilung“, so Lindner gegenüber der Augsburger Allgemeinen. Es müsse endlich Schluss sein mit der „Gratismentalität“ nach dem Beispiel des bedingungslosen Grundeinkommens „Die Menschen auf dem Land, die keinen Bahnhof in der Nähe haben und auf das Auto angewiesen sind, würden den günstigen Nahverkehr subventionieren. Das halte ich nicht für fair“, so der Finanzminister weiter. Auch der Tankrabatt, den viele für gescheitert halten, läuft aus.
Mehr als 21 Millionen Menschen kauften laut des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) im Juni das vergünstigte Ticket. Es war viel los in den Regionalzügen der Deutschen Bahn und trotzdem hat das 9-Euro-Ticket einige Befürworter:innen. Die sind besonders wütend über Lindners Aussage und machen ihrem Ärger auf Twitter Luft.
#Gratismentalität trendet auf Twitter und viele Befürworter:innen des 9-Euro-Tickets sind extrem sauer:
Es gibt Menschen, die bekommen dank des #9EuroTicket s zum ersten mal einen winzigen Teil der Mobilität, die der Porschefahrer jeden Tag schrankenlos ausleben kann.
— MvonMauschwitz (@MvonMauschwitz) August 7, 2022
Der Ausdruck "#Gratismentalität" ist in diesem Kontext nur noch zynisch.
Als Bundesminister genießt Christian Lindner einige Vorteile:
Hab ich das richtig verstanden, dass Christian Lindner, dem als Bundesminister sowohl ein Dienstwagen als auch eine Bahncard100 für 0€ zur Verfügung steht, die #Gratismentalität der Bürger beklagt, die sich eine Fortsetzung des #9EuroTicket wünschen?
— Ingwar Pero (@Perowinger94) August 7, 2022
Typ der die Bahncard 100 GRATIS bekommt, gönnt den Leuten die ihm die GRATIS Bahncard 100 bezahlen nicht das 9€ Ticket #Gratismentalität
— 𝚓𝚘𝚑𝚗𝚗𝚢 𝚛𝚊𝚌𝚌𝚘𝚘𝚗 (@johnny_raccoon) August 7, 2022
Christian Lindner wird als „abgehoben und realitätsfern“ kritisiert:
Ein Döner von der Bude kostet gerade mehr als im Hartz 4 Satz pro Tag und Person für Essen vorgesehen ist, aber Herr #Lindner macht sich mit seinem fünfstelligen Monatsgehalt Sorgen, dass sich eine "#Gratismentalität" ausbreite.
— Krsto Lazarević (@Krstorevic) August 7, 2022
Wie abgehoben und realitätsfern kann man sein?
Auch diese Autorin macht ihrem Ärger unter dem Hashtag #Gratismentalität Luft:
Unsere Gesellschaft hält stand, weil Millionen gratis im Ehrenamt arbeiten, weil pflegende Angehörige für lau ihre Nächsten pflegen, weil Carearbeit nicht entlohnt wird usw. und Lindner fährt gratis mit der BahnCard. Der Mann regt mich auf und redet von #Gratismentalität. Moin!
— Inge Hannemann (@IngeHannemann) August 8, 2022
Comedian Aurel Mertz fügt hinzu, dass Christian Lindner eine eher kleine Wähler:innengruppe vertritt, aber erfolgreich:
Sag was du willst aber Christian Lindner macht Politik für nur ca. 1000 deutsche Familien und hat es mit dieser spitzen Zielgruppe trotzdem zum Minister gebracht.
— Aurel out of office Edition 🏖 (@aurelmertz) August 8, 2022
Und Sebastian Hotz, bekannt als „El Hotzo“ twittert natürlich auch etwas zum Thema 9-Euro-Ticket:
für jedes Kind, das wegen des 9€-Tickets einen schönen Ausflug machen kann, verschwindet ein Bläschen aus dem Champagnerglas von Christian Lindner
— E L H O T Z O (@elhotzo) August 7, 2022
Auch der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands kritsisierte in der Diskussion um das 9-Euro-Ticket Finanzminister Christian Lindner, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. „Menschen wissen nicht, wie sie über den Monat kommen sollen, Menschen sind verzweifelt, und dann von ‚Gratismentalität‘ zu sprechen, ist eine Frechheit, sagte Ulrich Schneider in der Sendung Frühstart von RTL/ntv.
