„Kehrtwende“ gefordert

Club of Rome zum Klimawandel: Die reichsten 10 Prozent zur Kasse bitten

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Der Club of Rome hält eine „Kehrtwende“ zur Rettung des Planeten für nötig – und entwirft einen Plan. Ein Teil davon: Die reichsten zehn Prozent zur Kasse bitten.

Berlin – Eine Forschergruppe unter Beteiligung des Club of Rome hält eine „Kehrtwende“ für nötig, um den Planeten zu retten. Im Zuge ihrer aktuellen gemeinsamen Veröffentlichung beziehen sie Position zu Klimawandel, der Ermächtigung von Frauen, Armut, Ungleichheit, Energie und Ernährung. Doch die Forschenden bleiben nicht vage – sie formulieren konkrete Forderungen. Das Kollektiv sieht einen engen Zusammenhang der sozialen und der Klimafrage. Ein Mitautor sagt: „Die Reichen müssen die Rechnung zahlen.“ Wie planen die Forschenden, die „Kehrtwende“ zu realisieren? Ein Überblick.

Club of Rome und Klimawandel: Forschende fordern Halbierung von Treibhausgasen alle zehn Jahre

Ein Forscherkollektiv bestehend aus dem Club of Rome, dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der gemeinnützigen schwedischen Forschungseinrichtung Stockholm Resilience Centre und der privaten norwegischen Wirtschaftshochschule Norwegian Business School schlägt Alarm. Sie alle fordern eine „Kehrtwende“ zur Rettung der Erde, aus diesem Grund haben sie einen „Survivalguide für unseren Planeten“ veröffentlicht. Darin geht es den Beteiligten, wie dem Club of Rome, um Klimawandel, soziale Gerechtigkeit und vieles mehr. Sie fordern eine breite Palette an Maßnahmen für einen sozial und ökologisch lebenswerten – und bewohnbaren – Planeten.

Zur Rettung der Erde stellt der Club of Rome klare Bedingungen – und fordert eine „Kehrtwende“. (Symbolbild)

Unter anderem erklären die Verfasserinnen und Verfasser, der Treibhausgasausstoß müsse etwa alle zehn Jahre halbiert werden. Sie fordern, Öl, Kohle und Erdgas vollständig durch erneuerbare Energien zu ersetzen. Hinzu kommt, dass Verschwendung begrenzt werden muss und Lebensmittel wieder stärker aus lokaler Produktion stammen sollen – dies sind nur einige der Forderungen.

Club of Rome: Kritik an reichsten 10 Prozent und Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit

Einer der Verfasser des Berichts ist der emeritierte norwegische Professor für Klimastrategie Jorgen Randers. Er bekennt, weiter daran mitwirken zu wollen, die Reichen der Welt dazu zu bringen, zwei bis vier Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu zahlen. Randers glaubt, damit ließen sich alle Probleme lösen. Mit Blick auf die Internationale Politik und Wirtschaft sagt er: „Wir werden die Welt nicht retten, wenn die reichsten zehn Prozent die Rechnung nicht bezahlen.“ Die Autorinnen und Autoren des „Survivalguides“ fordern die Verringerung sozialer Ungleichheit – auch als Mittel gegen die Klimakrise. Armen Staaten fehlen schlicht die finanziellen Mittel, um wirksamen Klimaschutz zu betreiben. In Ländern wie Deutschland wiederum ist Menschen mit geringen Einkommen ebenso schwer vermittelbar, wieso sie für Klimaschutz aufkommen sollen. Die Club of Rome Kritik ist deutlich.

Was ist der Club of Rome?

-Der Club of Rome ist ein Zusammenschluss informeller Natur. Er setzt sich zusammen aus Politikern, Wirtschaftsführern und Wissenschaftlern aus 53 Ländern. Gegründet wurde der Think-Tank im Jahre 1968 in Rom. Als Ideengeber gilt der italienische Industrielle Aurelio Peccei. Ursächlich für die Gründung waren Sorgen um globale Krisenerscheinungen, auf die es offenbar keine angemessenen Antworten gab oder gibt.

-Club of Rome 1972: Bekannt wurde die Vereinigung vor 50 Jahren, als sie 1972 den Bericht „Die Grenze des Wachstums“ publizierte. Darin warnten die Verfassenden vor einem Zusammenbruch der Ökonomie, Umwelt und Lebensqualität im 21. Jahrhundert für den Fall ausbleibender Änderungen in der Wirtschaft.

Die Forderungen der Forschenden sind ebenso konkret, wie ihre Kritik. Unter anderem erwägen sie, dass die reichen Nationen allen armen Staaten ihre Schulden erlassen sollen. Hinzu kommt eine maßgeblich stärkere Besteuerung der vermögendsten Menschen in allen Ländern der Welt. Ein weiteres Ansinnen der Forschenden ist ein sogenannter Bürgerfonds: Über diesen sollen deutlich mehr Menschen am Wohlstand der Länder beteiligt werden. Hierzulande gilt Finanzminister Christian Lindner (FDP) als vieles, doch nicht als Verfechter konsequenter Umverteilung – zumindest nicht von oben nach unten.

Club of Rome 2022: Forschende formulieren fünf Ziele

Zur Rettung der Erde gibt es den Forschenden zu Folge bestimmte Eckpunkte. Folgende Forderungen erheben die Organisationen um den Club of Rome 2022: Die Stellung der Frau soll gestärkt, Armut überwunden und die Ungleichheit verringert werden. Zudem sollen die Staaten die Nahrungsmittelproduktion ökologisieren und die Energieproduktion auf erneuerbare Energien umstellen.

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Der Club of Rome Bericht lässt es an Deutlichkeit um die Dringlichkeit der Lage nicht vermissen. Ein Kernaspekt zur Lösung ist für die Forschenden klar: „Die Reichen müssen die Rechnung zahlen“ – und dafür haben die Verfasser gute Argumente. Die Verläufe der letzten Krisen haben gezeigt, dass die Bereitschaft dazu nicht nur in Deutschland gering ist. Vielleicht sagt Randers auch deshalb auf die Frage, ob die Welt die Kurve kriegt: „Es wird sehr schwer werden.“

Rubriklistenbild: © NASA/dpa

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