VonFranziska Schwarzschließen
Gesundheitsminister Karl Lauterbach kritisiert die Isolationspflicht-Pläne der Länder – der Virologe Klaus Stöhr hingegen sieht das anders.
Berlin - Die Corona-Isolationspflicht zu stoppen, wie es etwa Bayern plant, kommt für Karl Lauterbach „zur Unzeit“. „Das findet nicht die Billigung der Bundesregierung“, sagte der SPD-Gesundheitsminister am Freitag (11. November) in Berlin. Lauterbach sprach von einem Fehler und warnte vor einem „Flickenteppich“ mit verschiedenen Isolationsregeln in den Bundesländern.
Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder hatte zunächst ein Ende der Isolationspflicht bei Symptomfreiheit ins Spiel gebracht. Die jetzige Regel in Bayern greift weiter. So soll die generelle fünftägige Isolationspflicht nach positivem Test ab 16. November aufgehoben werden. Von Symptomfreiheit ist keine Rede mehr. Positiv Getestete sollen aber außerhalb der eigenen Wohnung eine Maske aufsetzen müssen.
Ende der Corona-Isolationspflicht: Klaus Stöhr anderer Meinung als Karl Lauterbach
„Es gibt auch keinen medizinischen Grund, jetzt auf die Isolationspflicht zu verzichten“, sagte Lauterbach. Es gebe etwa 1000 Todesfälle durch Covid pro Woche, man stehe vor einer „wahrscheinlich schweren Winterwelle“ und sei „am Vorabend einer ansteckenderen Variante“. Es sei deshalb nicht wirklich verantwortbar, die Isolationspflicht wegzunehmen. Er fügte hinzu, der Arbeitsplatz müsse sicher bleiben und es müsse verhindert werden, dass Menschen infiziert zur Arbeit gedrängt würden.
Der Virologe und Ex-WHO-Direktor Klaus Stöhr wiederum twitterte zu dem Thema, die Isolationspflicht sei „weder notwendig, wirksam noch angemessen“. Auch für Menschen, die positiv auf Corona getestet wurden, aber keine Symptome hätten, wäre es verhältnismäßig, dass sie zur Arbeit oder Schule gehen dürfen, „da Covid-19 nun eine Krankheitslast und Sars-CoV-2 eine Ausbreitung hat, die vergleichbar ist mit der anderer Atemwegserkrankungen und auch die Immunitätslage in der Bevölkerung bald komplett ist“, twitterte er in einem längeren Thread:
Die Isolationspflicht für #SARSCoV2 pos. getestete, gesunde Personen ist weder notwendig, wirksam noch angemessen.
— Klaus Stöhr (@stohr_klaus) November 11, 2022
Die Frage ist auch nicht, ob symptomlose, positiv getestete Menschen SARS-CoV-2 Virus ausscheiden oder ansteckend sein können. Die Antwort darauf wäre: im Prinzip..
Zuvor hatte das baden-württembergische Gesundheitsministerium mitgeteilt, dass sich vier Bundesländer darauf verständigt hätten, die Isolationspflicht aufzuheben. Es handele sich um Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein. In diesen Ländern sollten „zeitnah“ neue Regelungen in Kraft treten, die Details würden derzeit ausgearbeitet.
Aufgrund des „Flickenteppichs“ könnte es demzufolge zu teils drastischen Strafen kommen, falls sich Reisende zwischen den Bundesländern bewegen. (dpa/frs)
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