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Im Frühjahr 2020 war die ganze Welt auf der Jagd nach Masken. Heute herrscht kein Mangel mehr – nun sollen viele Millionen Exemplare des einst knappen Gutes verbrannt werden.
München – Sie kosteten Milliarden von Euro und sollen nun teilweise im Ofen landen. Rund 730 Millionen OP- und rund 60 Millionen FFP2- oder ähnliche Masken, die der Bund mit Steuergeld gekauft hat, haben das Haltbarkeitsdatum erreicht. Sofern die Verkehrsfähigkeit der Masken nicht oder nicht mehr gegeben sein sollte, sei insbesondere aus Gründen der Sicherstellung des Gesundheitsschutzes eine „thermische Verwertung“ vorgesehen, bestätigt das Bundesgesundheitsministerium (BMG) dem Münchner Merkur. Ausschreibungen laufen.
Es geht um die sogenannte Nationale Reserve, die der Bund aufgebaut hat, nachdem das Land im Frühjahr 2020 kaum vorbereitet war auf das, was über es hineinbrach. Schutzmasken, Kittel, Beatmungsgeräte – von allem war zu wenig da in den ersten Wochen und Monaten der Corona-Pandemie. Der Markt war zusammengebrochen. Länder kauften sich die letzten Paletten mit Masken auf chinesischen Rollfeldern buchstäblich vor der Nase weg.
Corona: Auch Deutschland kaufte große Mengen an Masken - am Ende zu viele?
Auch die Bundesregierung habe „in Zeiten größter Knappheit Masken beschafft, um die Bevölkerung zu schützen“, sagt ein Sprecher des BMG unserer Zeitung. Dabei ging manches schief. Einzelne Politiker und Geschäftemacher haben die Not ausgenutzt und sich auf Steuerzahlerkosten bereichert, teils wurde schlechte Qualität zu hohen Preisen eingekauft.
Beim nächsten Mal will man – dank der Reserve – besser gerüstet sein. „Dass diese Masken nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums ausgetauscht werden müssen, ist dabei eingeplant“, betont der BMG-Sprecher.
Auch Bayern hat sich seit 2020 einen Vorrat angelegt. „Der Freistaat verfügt aktuell noch über einen Notvorrat von rund 51 Millionen OP-Masken und rund 29 Millionen partikelfiltrierenden Halbmasken (FFP2- und FFP3-Masken)“, teilt das Gesundheitsministerium auf Anfrage mit. Auch anderes medizinisches Material wird vorgehalten. „Für die Einrichtung und den Betrieb des Pandemiezentrallagers nebst Vorhaltung des strategischen Grundstocks sind im aktuellen Haushalt rund 163 Millionen Euro veranschlagt.“
Bayern hat gegen Entsorgen von überflüssigen Masken vorgesorgt
Das Problem mit dem Haltbarkeitsdatum kennt man auch in München. Ist es überschritten, garantiert der Hersteller nicht mehr für die korrekte Schutzwirkung. „Hier existieren für den Staat keine anderen Regeln als für die privaten Verbraucher wie Kliniken, Ärzte oder Pflegeeinrichtungen“, erklärt eine Ministeriumssprecherin. Dennoch sollen in Bayern absehbar keine Masken vernichtet werden. Um das zu verhindern, habe man frühzeitig damit begonnen, die Schutzausrüstung Krankenhäusern und anderen staatlichen Dienststellen anzubieten. „Damit konnten und können eine Vielzahl von Artikeln noch sinnvoll verwendet und mussten beziehungsweise müssen derzeit nicht entsorgt werden“, teilt die Sprecherin mit.
Auch im Haus von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat man nach eigenen Angaben „in den zurückliegenden Jahren eine Vielzahl von Unterstützungsaktionen mit Masken unternommen, in denen verschiedenen Empfängergruppen Masken zur Verfügung gestellt wurden“ – und man tue dies auch weiterhin. Denn: „Dieses Vorgehen ist aus Sicht des BMG aus Gründen des Infektionsschutzes wie auch aus wirtschaftlichen Gründen geboten“, teilt der Sprecher mit. Bei rund 790 Millionen Masken ist es aber offensichtlich nicht rechtzeitig gelungen.
Sebastian Horsch
