Falscher Instagram-Post

„Fake-News-Schleuder“: CSU unterstellt Özdemir ein Fleischverbot - Grüne toben

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Ziel von Angriffen der CSU: Minister Cem Özdemir (Grüne) soll angeblich ein Fleischverbot planen.
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Die Union bläst zum Angriff auf die Grünen: In einem Instagram-Post wettert die CSU gegen ein Fleischverbot von Cem Özdemir. Aber das gibt es gar nicht.

München – Erst die Attacken wegen des Heizungsgesetzes, jetzt eine Debatte um ein angebliches Fleischverbot: Die Union hat die Grünen zum Hauptgegner erkoren. Die Hoffnung: Die Angriffe auf die grüne Ideologie schärft das eigene konservative Profil und stärkt die eigenen Umfragewerte. Doch nun ist die CSU offenbar mit einem Post in den sozialen Netzwerken über das Ziel hinausgeschossen.

Plant Özdemir ein Fleischverbot? CSU sorgt bei Instagram für Wirbel

So hat der bayerische Landesverband am 27. Juni den Grünen das Vorantreiben eines Fleischverbotes in Deutschland unterstellt. Bei Instagram veröffentlichten die CSU-Strategen ein Foto von Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne). Daneben prangt ein Verbotszeichen über einem gebratenen Steak. Darüber steht: „Fleischverbot: Schlag ins Gesicht für unsere Landwirte“. Will der Grüne den Deutschen den Konsum tatsächlich untersagen? Die Aufregung im Netz war umgehend groß: Tausendfach wurde die Bildmontage geteilt. Das Problem: Nichts davon ist im Ministerium angedacht.

Den Grünen stieß die Kampagne deswegen auch umgehend sauer auf. „Ihre Hetzerei ist ein Schlag ins Gesicht für die Demokratie!“, zitierte das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) die Grünen-Stadträtin aus Bergisch-Gladbach, Anna Steinmetzer. Es sei schon unfassbar, „wie eine Partei mit einem C im Namen so eine Fake-News-Schleuder sein kann“, echauffierte sich dem Bericht zufolge ein anderer.

Verzicht auf Fleisch: Özdemir will Konsum bei Veranstaltungen im Ministerium einschränken

Doch wie kam die CSU auf die Idee? Hintergrund ist, dass Özdemir gerne bei Veranstaltungen von seinem Ministerium nur noch vegetarische Gerichte aus biologischem Anbau anbieten will. Das hatte die Bild-Zeitung kürzlich berichtet – unter Berufung auf eine kleine Anfrage der Unionsbundestagsfraktion. Bei großen Veranstaltungen wie zum Beispiel am Tag der offenen Tür soll es aber Ausnahmen geben, sprich: da bleibt die Currywurst gesetzt. Keine Rede ist jedoch davon, dass der Landwirtschaftsminister den Deutschen ein generelles Fleischverbot auferlegen will.

Doch genau das suggerierte die Zeile auf dem Instagram-Post. Zwar stellte CSU-Generalsekretär Martin Huber dem Bild noch einen erklärenden Text bei und verwies auf die Pläne des Ministeriums. Doch das machte es nicht wirklich besser. „Künftig stehen auf der Speisekarte nur noch streng vegetarische Gerichte“, schrieb Huber. Das Verbot sei „pure Ideologie und ein Schlag ins Gesicht aller hart arbeitenden Landwirte“. Doch seiner Meinung nach solle jeder selber entscheiden dürfen, was er essen wolle – und nicht die „grüne Bevormundung“.

Der Vorfall dürfte dabei nur ein Vorgeschmack auf das sein, was die Deutschen in den kommenden Monaten an politischer Auseinandersetzung noch erwarten dürfte. Bereits im Vorfeld der Bayern-Wahl 2023 hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) einen klaren Abgrenzungskurs gegen die Grünen propagiert, um seine bevorzugte Koalition mit den Freien Wählern zu in eine neue Amtszeit zu retten. Das Thema Fleischverbot ist dabei nicht neu.

Unterstützung von CDU: Merz kürt die Grünen zum Hauptgegner

Unterstützung erhält der Bayer dabei auch von seiner Schwesterpartei. In den vergangenen Tagen kündigte auch CDU-Parteichef Friedrich Merz eine klare Kante gegen die Grünen an. Nachdem im thüringischen Kreis Sonneberg am Sonntag erstmals in Deutschland ein AfD-Kandidat zum Landrat gewählt worden war, hatte Merz daraufhin eine noch stärkere Auseinandersetzung mit den Grünen angekündigt. Diese seien auf absehbare Zeit „die Hauptgegner“ in der Bundesregierung, sagte er laut der Nachrichtenagentur dpa. Der CDU-Vorsitzende und Unionsfraktionschef begründete dies damit, dass die Grünen für die aktuelle Polarisierung in der Energie- und Umweltpolitik verantwortlich seien. (jkf)

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