VonAndreas Schmidschließen
Bei einem Autobombenanschlag kam Darja Dugina, Tochter des Putin-Einflüsterers Alexander Dugin, ums Leben. Russland macht die Ukraine für den Mord verantwortlich. Kiew dementiert.
- Mordanschlag auf Darja Dugina: Russland-Propagandistin stirbt durch Autobombe.
- Putin-Fanatiker Alexander Dugin: Sollte er getötet werden?
- Dieser News-Ticker zur Tötung Darja Duginas wird laufend aktualisiert.
Update vom 22. August, 13.30 Uhr: Russland macht die Ukraine für den Mord an der Kriegsunterstützerin Darja Dugina verantwortlich, das berichtet merkur.de. „Das Verbrechen wurde von ukrainischen Geheimdiensten vorbereitet und begangen“, teilte Russlands Inlandsgeheimdienst FSB am Montag laut der Agentur Interfax mit. Die Ukraine dementiert,, etwas mit Duginas Ermordung am Wochenende zu tun zu haben.
Update vom 22. August, 8.30 Uhr: Es wird noch gerätselt, wer hinter dem Bombenanschlag steht, bei dem Darja Dugina, die Tochter des Putin-Ideologen Alexander Dugin, ums Leben kam. Nun bringt der ehemalige Duma-Abgeordneten Ilja Ponomarjow, der derzeit in Kiew wohnt, eine bisher unbekannte russische Untergrundorganisationen ins Spiel.
In einem Beitrag in einem vom ihm mitgegründeten oppositionellen TV-Sender sagte der Kritiker von Waldimir Putin, dass sich die „Nationale Republikanische Armee“ (NRA) zu dem Attentat bekennt. Das geht aus Berichten des ukrainischen Onlinemediums Kyiv Independent und des britischen The Guardian hervor. Demnach hätte die Organisation Ponomarjow gebeten, die Bekennung zu veröffentlichen.
Attentat auf Darja Dugina: Weitere Attacken auf kremlnahe Ziele sollen folgen
Demzufolge sagte Ponomarjow in dem am Sonntag (21. August) ausgestrahlten Beitrag: „Ein folgenreiches Ereignis fand letzte Nacht in der Nähe von Moskau statt. Dieser Angriff schlägt eine neue Seite im russischen Widerstand gegen den Putinismus auf. Neu – aber nicht die letzte.“
Er führte weiter aus, dass die Partisanen bereit wären, innerhalb Russlands ähnliche Attacken auf hochrangige, kremlnahe Ziele durchzuführen, seien es Beamte, Oligarchen oder Geheimdienstmitarbeiter.
Ponomarjow las auch aus einem angeblichen NRA-Manifest vor. „Wir erklären Präsident Putin zu einem Usurpatoren und Kriegsverbrecher, der die Verfassung geändert, einen Bruderkrieg zwischen slawischen Völkern entfesselt und russische Soldaten in einen sicheren und sinnlosen Tod geschickt hat.“
Die Echtheit des Manifests und der Aussagen von Ponomarjow konnte jedoch bislang nicht unabhängig verifiziert werden. Die Lage ist also weiterhin unübersichtlich.
Mordanschlag auf Darja Dugina: Russland-Propagandistin stirbt durch Autobombe
Erstmeldung vom 21. August: Moskau – Die Tochter von Putin-Fanatiker Alexander Dugin ist tot. Wie russische Behörden bekannt gaben, gab es einen Mordanschlag in der Nähe von Moskau. „Die Identität der Toten ist geklärt – es ist die Journalistin und Politologin Darja Dugina“, hieß es am Sonntag vom nationalen Ermittlungskomitee.
Die 29-Jährige galt als glühende Verfechterin des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Sie stand wegen der Verbreitung von Propaganda und Fake News auf der Sanktionsliste Großbritanniens. Ihr Vater ist ein rechtsnationalistischer Ideologe und gilt als „Putins Gehirn“.
Putin-Fanatiker Alexander Dugin: Sollte er getötet werden?
Duginas Auto explodierte laut Polizeiangaben am Samstagabend gegen 21 Uhr während der Fahrt in einer Moskauer Vorstadtsiedlung. Nach ersten Erkenntnissen war an dem Fahrzeug – ein Toyota Land Cruiser – ein Sprengsatz montiert, der detonierte. Dugina starb noch vor Ort. Es werde in verschiedene Richtungen ermittelt, hieß es von russischen Behörden. Damit bleibt offen, ob der Mordanschlag dem Vater Duginas gegolten haben könnte.
Laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax hatten Vater und Tochter am Samstag gemeinsam das patriotische Festival „Tradition“ besucht, das von einer Stiftung Wladimir Putins unterstützt wird. „Es war geplant, dass Vater und Tochter das Festival gemeinsam verlassen, Darja fuhr aber allein in dem Fahrzeug“, hieß es bei Interfax. Die Nachrichtenagentur Tass berichtete, dass sie mit dem Auto ihres Vaters fuhr.
Alexander Dugin is Putin's propaganda consultant. His daughter was recently included in the sanctions list of Britain, as she helped her father in spreading the ideology of the "Russian world". pic.twitter.com/K2iQMG271h
— NEXTA (@nexta_tv) August 20, 2022
Putin-Fanatiker und Kriegstreiber: Wer ist Alexander Dugin?
Alexander Dugin wird von Medien und Autoren immer wieder als Einflüsterer oder als „Gehirn“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin bezeichnet. Diese Bezeichnung ist umstritten. Er gilt aber als prominente Stimme der russischen Rechten, in Deutschland gibt es Verbindungen zur AfD. Manche Kritiker bezeichnen ihn gar als Ideengeber für den Angriff auf die Ukraine. Wie Putin fantasierte Dugin mehrmals von der Rückkehr der Sowjetunion. Nach der Krim-Annexion und dem Beginn des Ukraine-Konflikts forderte er die Russen dazu auf, „Ukrainer [zu] töten“.
Mordanschlag auf Darja Dugina: Russische Nationalisten attackieren Ukraine
Unter russischen Nationalisten und prorussischen Kräften in der Ukraine löste der Anschlag Entsetzen aus. „Die Terroristen des ukrainischen Regimes haben versucht, Alexander Dugin zu liquidieren und haben seine Tochter in die Luft gesprengt... im Auto“, schrieb der Anführer der Separatistenhochburg Donezk, Denis Puschilin, auf Telegram. Darja bleibe in Erinnerung - als „echtes russisches Mädchen“.
Wer hinter dem Anschlag steckt, ist unklar. Die Ukraine dementiert eine etwaige Beteiligung. „Die Ukraine hat natürlich mit der gestrigen Explosion nichts zu tun, weil wir kein krimineller Staat sind – wie die Russische Föderation – und schon gar kein Terrorstaat“, sagte der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak laut Ukrajinska Prawda. Womöglich könnten der oder die Täter auch aus einer russischen Widerstandsgruppe stammen. Dugina starb am zweiten Jahrestag des Giftanschlags auf Kremlkritiker Alexeij Nawalny. (as/dpa)
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