Provokationen verpuffen offenbar

„Das geht besser“ – Wahlkampf von Trump enttäuscht seine Verbündeten

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Nachdenklicher Blick: Der Wahlkampf geht Donald Trump nicht mehr so leicht von der Hand wie gewohnt.
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Seit Jahren hat Donald Trump Erfolg damit, seine Gegner zu beschimpfen. In diesem Wahlkampf scheint diese Strategie jedoch nicht zu funktionieren.

Washington – Eine seriöse Vorhersage, wer bei der US-Wahl in gut einem Monat das bessere Ende für sich haben wird, erscheint vor dem Endspurt kaum möglich. Zu eng ist das Rennen zwischen Kamala Harris und Donald Trump. Ebenso spannend wird zu beobachten sein, was der Republikaner in den kommenden Wochen noch alles unternehmen wird, um sich auf die Siegerstraße zu manövrieren.

Zuzutrauen ist dem Ex-Staatsoberhaupt in dieser Hinsicht sicher nicht alles, aber doch weit mehr als anderen Politikern. Selbst einige seiner Unterstützer sollen mittlerweile zunehmend besorgt sein, dass Trump in seinem Bestreben, wieder ins Weiße Haus einzuziehen, vor der US-Wahl vom rechten Weg abgekommen ist.

Trump im Wahlkampf: Verbündete sehen Fehler beim Republikaner - „Das geht besser“

Das US-Portal Politico schreibt, dass mehr als ein Dutzend von Trumps Verbündeten in Gesprächen betont hätten, er stehe am Scheideweg. Entweder leiste er sich weiter Fehltritt um Fehltritt oder aber er kehre zurück zu dem kalkulierten Ansatz, sich mit Auftritten und Aussagen auf eine kleine Gruppe der noch unentschlossenen Wähler zu fokussieren. Diese könnten wahrscheinlich großen Einfluss auf den Ausgang der US-Wahl haben.

Einer der Verbündeten, der anonym bleiben will, sagte demnach: „Es ist nicht so, dass er Rückschritte macht. Aber das geht besser.“ Zuletzt soll ihm mit dem Casino-Mogul und Großspender Steve Wynn einer seiner ältesten Freunde ins Gewissen geredet haben. Mit dem Hinweis: Trump würde aktuell das Thema verfehlen.

Auch unter den Führungsfiguren der Republikaner sollen die Sorgen darüber wachsen, dass sich Trump das Leben im Wahlkampf selbst schwer macht. Gegenüber Amtsinhaber Joe Biden war der 78-Jährige obenauf und schien auch viele richtige Entscheidungen zu treffen. Doch der Wind hat sich gedreht: Zum einen aufgrund der beiden Attentatsversuche auf Trump, aber auch infolge von Bidens Rückzieher, der den Republikanern mit Harris eine neue Kontrahentin bescherte, die als tougher angesehen wird.

Trump setzt auf Verschwörungstheorien: Gefährliche Nähe zu Loomer und Ex-Wahlkampfmanager

Trump selbst soll unter vier Augen bereits mehrmals zum Ausdruck gebracht haben, wie verärgert er über den Personalwechsel der Demokraten ist. Seither habe sich der impulsive Ex-Präsident gewandelt, und mit ihm auch seine Kampagne. Er sei zu Verschwörungstheorien und Hasstiraden zurückgekehrt und offen für Stimmen, die „einen freizügigeren Ansatz“ vertreten, wie es in dem Artikel heißt.

Gemeint sind etwa die für ihre rechtsextremen und islamfeindlichen Ansichten bekannte Aktivistin Laura Loomer und sein ehemaliger Wahlkampfmanager Corey Lewandowski. Der Lobbyist war 2021 aus dem Dunstkreis von Trump ausgeschieden – damals hatte die Frau eines wichtigen Spenders ihm unerwünschte sexuelle Annäherungsversuche vorgeworfen.

Trump und Swift: Hass-Post gegen Popsängerin bereitet Verbündeten laut Bericht Sorgen

Trump selbst – so die Befürchtung seiner Unterstützer – soll sich mit seinen Aussagen über vermeintlich Haustiere verspeisende Migranten in der US-Kleinstadt Springfield in Ohio ebenso keinen Gefallen getan haben, wie mit dem Vorwurf, sollte er die Wahl verlieren, läge die Schuld auch bei jüdischen Wählern. Auch für seinen in Großbuchstaben abgesetzten Post „Ich hasse Taylor Swift“ in seinem Netzwerk Truth Social gab es offenbar keinen Applaus unter seinen Kampagnen-Mitarbeitern.

Der niedergeschriebene Gefühlsausbruch in vier Worten ist einem Verbündeten zufolge mutmaßlich eine Reaktion auf eine Umfrage über den großen Einfluss der Popsängerin auf den Wahlkampf. Swift hatte nach der TV-Debatte zwischen Harris und Trump vor wenigen Wochen offen ihre Unterstützung für die Demokratin bekundet.

Kein optimaler Umgang für einen Präsidentschaftskandidaten: Sein Ex-Wahlkampfmanager Corey Lewandowski und die für ihre Verschwörungstheorien bekannte Influencerin Laura Loomer sollen die Nähe von Donald Trump suchen.

Trump und die Wahl-Kampagne: „Sein Team hat nicht das Gefühl, dass es ihn kontrollieren kann“

Laut der Washington Post (Artikel hinter Bezahlschranke) befürchten Trumps Berater nach dem Anti-Swift-Post vor allem negative Auswirkungen auf weibliche Wähler. Allerdings zitiert die Hauptstadt-Zeitung einen nicht näher bezeichneten Trump-Vertrauten mit der Aussage: „Der Grundsatz lautet, dass sein Wahlkampf zu 96 Prozent ihm gehört.“ Und weiter: „Es heißt nicht einmal: ‚Lasst Trump Trump sein.‘ Es heißt: ‚Lasst Trump jederzeit unbeaufsichtigt sein.‘ Sie haben einfach das Gefühl: Wir können ihn nicht kontrollieren, also hoffen wir, dass er trotzdem gewinnt.“

Die Post sprach demnach mit neun Helfern, Beratern und anderen Personen, die mit der Situation vertraut sind. Insgesamt ist sein Team weiter optimistisch, dass Trump das enge Rennen vor der US-Wahl am Ende für sich entscheiden wird. Unter anderem auch deshalb, weil sie erwarten, dass Themengebiete wie die Wirtschaft und die Migration eine wichtige Rolle spielen werden und ihr Kandidat dort Pluspunkte sammelt.

Donald Trump entgeht Attentat auf Golfplatz in Florida – Bilder und Eindrücke

US_Beamte untersuchen Trumps Golfplatz nach einem vermeintlichen Attentatsversuch.
Mehrere US-Beamte, darunter auch Agenten der zentralen Sicherheitsbehörde der USA, dem FBI, untersuchen das Gelände um Trumps Golfplatz in West Palm Beach (Florida). Dort entdeckten Beamte des Geheimdienstes Secret Service einen bewaffneten Mann in einem Gebüsch. Trump spielte zu diesem Zeitpunkt auf eben diesem Golfplatz eine Partie. © JOE RAEDLE/AFP
Polizisten sperren den Zugang zu Trumps Golfplatz ab.
Um den Golfplatz des Ex-Präsidenten sperren Polizeibeamte die Zufahrtsstraßen ab. Währenddessen untersuchen FBI-Beamte den Tatort. © IMAGO/Damon Higgins
Der mutmaßliche Attentäter Ryan Wesley Routh hatte sich auf Trumps Golfplatz versteckt.
Ryan Wesley Routh versteckte sich den US-Behörden zufolge in einem Gebüsch auf Trumps eigenen Golfplatz. Mit dabei: Ein AK-47-Sturmgewehr, ein Zielfernrohr und eine GoPro-Kamera. Ob er das mutmaßliche Attentat auf Trump filmen wollte, ist aktuell nicht bekannt.  © AFPTV / AFP
Beweismittel beim mutmaßlichen Attentatsversuch auf Donald Trump
Die US-Behörden veröffentlichten Bilder der bei dem Verdächtigen gefundenen Gegenstände. Auf dem Bild ist ein AK-47-Sturmgewehr zu sehen. Das Gewehr ist als sogenannte Kriegswaffe auch in einige US-Bundesstaaten verboten. Ausgestattet war es mit einem Zielfernrohr, mit dem er einige hundert Meter von Trump entfernt in einem Gebüsch gesichtet wurde. © CHANDAN KHANNA/AFP
Donald Trump spricht im TV-Duell gegen Harris auch über den Ukraine-Krieg
Ein mögliches Motiv für das geplante Attentat? Trump hatte im TV-Duell mit Kamala Harris keine klare Antwort gegeben, ob er wolle, dass die Ukraine den Kampf gegen Russland gewinnt. Stattdessen habe er nur gemeint, dass er den Ukraine-Krieg schnellstmöglich beenden werde. Routh, der als Freiwilliger im Ukraine-Krieg war, deutete in einem Gespräch mit der New York Times, dass er alle tun werde, um das Land zu unterstützen. Dazu wollte er sogar ehemalige afghanische Soldaten in das Land schleusen. © John Locher/dpa
Versuchtes Trump-Attentat auf seinem Golfplatz in Florida.
Donald Trump bei einer Partie Golf auf seinem eigenen Golfplatz in West Palm Beach. Nur wenige hundert Meter entfernt positionierte sich wohl Ryan Routh mit einem vollautomatischen Gewehr, einem Zielfernrohr und einer GoPro-Kamera. © Allen Eyestone/dpa
Trumps Golfplatz in Florida. Hier versteckte sich ein mutmaßlicher Attentäter in einem Gebüsch.
Unübersichtliches Gelände. Das ist Trumps International Golf Club in West Palm Beach. © Bill Ingram/IMAGO
Ein Mitarbeiter des Secret Service vor dem Anwesen von Trump in Florida.
Donald Trump wird schwer bewacht. Als ehemaliger US-Präsident kümmert sich der Geheimdienst der USA um die Sicherheit des Republikaners. Sein Anwesen Mar-a-Lago in Florida steht unter permanentem Schutz durch den Secret Service. Einige werfen nun die Frage auf, wie es Bewaffneten gelang, bereits zweimal in die Nähe von Trump zu kommen. © GIORGIO VIERA/AFP
Donald Trump Attentat vom 13. Juli in Pennsylvania
Der Vorfall auf Trumps Golfplatz weckt Erinnerungen an das Attentat auf den Ex-Präsidenten am 13. Juli in Pennsylvania. Bei einer Wahlkampfrede schießt ein Mann mit einem Gewehr auf Trump und verletzt ihn am Ohr. Mitarbeiter des Secret Service töteten den Schützen. Bei dem Attentat wurde ein Mann im Publikum tödlich getroffen. Nach den Schüssen entbrannte eine Kontroverse über die Sicherheitsbedingungen von Donald Trump. © Xin Hua/IMAGO
Biden und Harris verurteilen den erneuten Attentatsversuch auf Donald Trump klar.
Die Reaktionen nach dem mutmaßlichen Attentatsversuch auf Donald Trump ließen nicht lange auf sich warten. US-Präsident Joe Biden und seine Vize und aktuelle Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Kamala Harris, betonten beide, dass sie Gewalt in den USA aufs Schärfste verurteilen. Biden fügte in einem Post auf X hinzu: „Ich habe mein Team angewiesen, weiterhin dafür zu sorgen, dass der Secret Service über alle notwendigen Ressourcen, Fähigkeiten und Schutzmaßnahmen verfügt, um die Verteidigung des ehemaligen Präsidenten zu gewährleisten.“ © MICHAEL M. SANTIAGO/AFP
Trump nach Attentatsversuch unbeeindruckt
Trump selbst gibt sich von dem erneuten Attentatsplan gegen ihn recht unbeeindruckt. In einem Post auf Truth Social, der persönlichen Social-Media-Plattform des Republikaners, schrieb er: „Ich möchte mich bei allen für ihre Anteilnahme und ihre guten Wünsche bedanken - es war wirklich ein interessanter Tag!“ © SPENCER PLATT/AFP

Trump und die Kontroversen: „Menschen werden damit überfordert, die Politik zu verfolgen“

Laut New York Times (Artikel hinter Bezahlschranke) scheinen viele Bürger auch müde von den beinahe pausenlosen Kontroversen zu sein, die ein Wahlkampf mit Trump mit sich bringt. Einige Strategen nehmen demnach wahr, dass die Nation „dem Ansturm des Chaos“ eher schulterzuckend begegnet und sogar den Wunsch hegt, den Wahlkampf ganz auszuschalten. Offenbar tritt vielerorts eine Übersättigung ein.

„Wir werden in jedem Nachrichtenzyklus mit wilden Geschichten überhäuft“, erklärt der langjährige republikanische Stratege David Kochel: „Es überfordert die Fähigkeit der Menschen, die Politik zu verfolgen. Man kann nicht mit allem Schritt halten, also schalten viele Leute einfach ab.“

Genau das befürchtet auch Don Bacon. Der Republikaner repräsentiert einen Wahlbezirk in Nebraska, in dem Biden 2020 Trump ausstach. Auch aktuell scheinen die Demokraten hier bessere Karten zu besitzen. Deswegen soll Bacon das Wahlkampfteam von Trump angefleht haben, sich auf Themen wie die Inflation, die Gefahr vor Kriegen im Nahen Osten oder die liberale Politik von Harris zu konzentrieren.

Trump vor Rückkehr ins Weiße Haus? Provokationen gegen Biden und Harris lassen viele Menschen kalt

Ob er bei Trump Gehör findet? In gewisser Weise sollte sich der womöglich umstrittenste Politiker der US-Geschichte wohl neu erfinden. Sein einstiger Zauber scheint verflogen.

Allein als Unterhaltungskünstler, der Schlagzeilen en masse produziert, wird er sein Ziel kaum erreichen. Dass seine jüngsten Provokationen gegen Biden und Harris, denen er etwa „kommunistische, linke Rhetorik“ vorwarf, kaum Widerhall fanden, zeigt laut der Times auch, dass die Bürger nach drei Wahlzyklen, in denen Trump mit seiner Effekthascherei die Nachrichten dominierte, längst an seine Art gewöhnt sind. Folglich kann er auf diese Weise kaum neue Wähler gewinnen. Fragt sich nur, ob auch Trump das aus Sicht der Republikaner noch rechtzeitig erkennt. Und irgendwie die Kurve kriegt. (mg)

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