Russischer Präsident

Das passiert, wenn Putin stirbt

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Wladimir Putin regiert Russland seit mehr als 20 Jahren. Um einen möglichen Nachfolger gibt es Gerüchte. Ein Experte äußert sich dazu.

Im Jahr 2020 wurde in Russland die weitreichendste Verfassungsänderung des Landes beschlossen. Bei einem Referendum sprachen sich laut Angaben des Kreml 78 Prozent für ein neues Grundgesetz aus, das dem russischen Präsidenten Wladimir Putin erlaubt, bis zu 16 Jahre, mit mehr Befugnissen als zuvor, im Amt zu bleiben.

Russlands Präsident Wladimir Putin feierte Anfang Oktober seinen 73. Geburtstag. (Archivfoto)

Nach der Präsidentschaftswahl 2024 geht Putin in seine insgesamt fünfte Amtszeit. Am 7. Mai trat er diese an. 2030 könnte er schließlich zum sechsten Mal kandidieren. Falls er zu diesem Zeitpunkt erneut zum russischen Präsidenten gewählt werden sollte, könnte Putin bis zum Jahr 2036 das Land regieren.

Wladimir Putin ist der mächtigste Mann in Russland – seit mehr als 20 Jahren

Allerdings gibt es daran auch Zweifel: Immer wieder kursieren Gerüchte, wonach Putin krank sein soll. Zahlreiche Krankheiten wurden bereits aus der Ferne diagnostiziert: Krebs oder Parkinson beispielsweise. Dafür gibt es jedoch keinerlei Beweise.

Spekulationen um Gesundheit: So hat sich Putin in drei Jahrzehnten verändert

So sah Wladimir Putin im Alter von 40 Jahren aus, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm.
Diese Schwarz-Weiß-Aufnahme zeigt Wladimir Putin im Alter von 40 Jahren, als er an der Eröffnung der Honda Motor Show 1992 in St. Petersburg teilnahm. Zwei Jahre später wurde er vom Vizebürgermeister zum ersten Vizebürgermeister der Stadt. © Russian Look/IMAGO
Dieses Foto zeigt den russischen Präsidenten Wladimir Putin im Jahr 1994 in seinem Büro. Damals war er 42 Jahre alt und Vizebürgermeister von St. Petersburg.
In seinem ersten Jahr als erster Vizebürgermeister 1994 wurde Wladimir Putin hier in seinem Büro fotografiert. Damals war er 42 Jahre alt. Von körperlichen Beschwerden aus dieser Zeit ist nichts bekannt. Putin war zudem bereits seit seiner Jugend sportlich und ging unter anderem dem Kampfsport Judo nach. © Russian Look/IMAGO
Drei Jahre später enstand dieses Foto von Wladimir Putin zusammen mit Anatoly Sobchak, ehemaliger Bürgermeister von St. Petersburg.
Dieses Foto entstand drei Jahre später, 1997, und zeigt Wladimir Putin – damals 45 Jahre alt – zusammen mit Anatoly Sobchak, dem ehemaligen Bürgermeister von St. Petersburg. © Russian Look/IMAGO
Im Jahr 2000 wurde Putin zum ersten Mal Präsident der Russichen Föderation. Das Foto zeigt den damals 48-Jährigen zusammen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin.
Im Jahr 2000 wurde Putin zum ersten Mal Präsident der Russischen Föderation. Das Foto zeigt den damals 48-Jährigen zusammen mit Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) in Berlin. © Thomas Imo/IMAGO
Wladimir Putin im Jahr 2007 im Alter von 55 Jahren bei einem Treffen mit dem Chef des Federal Security Service in der Residenz Nowo-Ogarjowo in Moskau.
Wladimir Putin im Jahr 2007 im Alter von 55 Jahren in der Residenz Nowo-Ogarjowo in Moskau. Seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine wird vermehrt darüber spekuliert, ob der russische Präsident unter Parkinson leidet. Die im Volksmund genannte „Schüttelkrankheit“ kündigt sich meist Jahre zuvor mit Symptomen an. © ITAR-TASS/IMAGO
Wladimir Putin im Jahr 2008 während der Ostermesse in Moskau.
Im Jahr 2008 zeigt sich Wladimir Putin während der Ostermesse in Moskau. Zwei Jahre später soll er sich angeblich einer kosmetischen Gesichtsoperation unterzogen haben. Weitere Schönheitsoperationen wurden vermutet, jedoch nie offiziell bestätigt. © UPI Photo/IMAGO
Im Jahr 2009 ließ sich Putin mit freiem Oberkörper auf einem Pferd sitzend zur Demonstration von Macht fotografieren, als er durch die südsibirische Republik Tuwa ritt.
Im Jahr 2009 ließ sich Putin mit freiem Oberkörper auf einem Pferd sitzend fotografieren, als er durch die südsibirische Republik Tuwa ritt. Mit solchen Fotos wollte er laut Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ Wirkung in der russischen Bevölkerung erzielen und auch international demonstrieren, dass er ein starker Gegner ist. © epa Alexey Druzhinyn
Wladimir Putin im Jahr 2013 bei einem Treffen mit dem damaligen Verkehrsminister Maxim Sokolow in der Novo Ogaryovo Residenz.
Im Jahr 2012 kamen laut dem „Spiegel“ bereits Spekulationen um Putins Gesundheitszustand auf. Zwei Monate lang hatte der Staatschef damals keine Auslandsreisen unternommen. Das Foto zeigt Wladimir Putin im Jahr 2013 im Alter von 60 Jahren bei einem Treffen mit dem damaligen Verkehrsminister Maxim Sokolow in der Novo Ogaryovo Residenz. © ITAR-TASS/IMAGO
Wladimir Putin während der Ostermesse 2014 in Moskau mit Sergei Sobyanin in der Christ-Erlöser-Kathedrale.
Auf diesem Foto sieht man Wladimir Putin während der Ostermesse 2014 in Moskau mit dem heutigen Bürgermeister von Moskau, Sergei Sobyanin. Beobachter vermuten derzeit, dass der Kreml-Chef unter Schilddrüsenkrebs leiden könne. Hierzu recherchierte ein Investigativteam und stieß auf Hinweise zu gehäuften Arztbesuchen Putins im Jahr 2017. © ITAR-TASS/IMAGO
Wladimir Putin im Jahr 2017 mit 65 Jahren bei einem Telefonat mit Donetsk People s Republic head Alexander Zakharchenko and Lugansk People s Republic head Igor Plotnitsky.
Laut Informationen des Investigativteams „Proekt“ soll Wladimir Putin im Jahr 2017, als er längere Zeit von der Bildschirmfläche verschwand, häufigen Besuch des onkologischen Chirurgen Ewgeny Seliwanow erhalten haben. Der Mediziner soll angeblich 35 Mal zu Putin geflogen sein und 166 Tage in seinem Umfeld verbracht haben. Das Foto zeigt Putin 2017 mit 65 Jahren bei einem Telefonat. © Alexei Druzhinin/IMAGO
Wladimir Putin während der Ostermesse 2022 in Moskau
In den vergangenen Jahren hat sich der russische Präsident äußerlich stark verändert. Das Foto zeigt Wladimir Putin während der Ostermesse 2022 in Moskau. Aufgrund seines aufgedunsenen Gesichts vermuten Experten die Einnahme von Kortison. Bei seinem Auftritt soll er kaum gesprochen, auf seiner Lippe gekaut und „unsicher“ gewirkt haben, was Beobachter als Anzeichen einer möglichen Parkinson-Erkrankung werteten. © Sergey Guneev/IMAGO
April 21, 2022. - Russia, Moscow. - Russian President Vladimir Putin during a meeting with Russian Defence Minister Serg
Bei einem Gespräch mit dem russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu im April 2022 hielt sich Wladimir Putin außerdem mit einer Hand am Tisch fest. Die linke Hand des 69-Jährigen lag die ganze Zeit über unter dem Tisch auf seinem Schoß. So wurde spekuliert, ob Putin mit dieser Geste möglicherweise ein Zittern der Hand – ein typisches Symptom von Parkinson – verstecken wolle. © IMAGO/Kremlin Pool
Wladimir Putin bei einem Gespräch mit Presidential Commissioner for the Protection of Entrepreneurs Rights Boris Titov im Kreml.
Die Jahre und das Alter hinterließen Spuren bei Putin. Doch ist auch eine Krankheit an der Veränderung schuld? Auf aktuellen Fotos des Kreml-Chefs, wie hier bei einem Gespräch im Jahr 2022 mit dem russischen Unternehmer Boris Titov im Kreml, sieht man den äußerlichen Wandel von Putin. © Mikhail Metzel/IMAGO
Wladimir Putin bei einem Interview für den TV-Sender Russia-1 im Jahr 2022.
Die Gerüchte und Spekulationen rund um eine angebliche schwere Erkrankung Putins, der hier bei einem Interview für den TV-Sender Russia-1 im Jahr 2022 zu sehen ist, wurden von offizieller Seite nie bestätigt. Wie es um seine Gesundheit bestellt ist, das weiß vermutlich nur Wladimir Putin selbst und sein engster Kreis. © Mikhail Klimentyev/IMAGO

Dennoch wird der russische Präsident nicht jünger: Am 7. Oktober 2025 feierte er bereits seinen 73. Geburtstag. Ungeachtet möglicher Krankheiten könnte Putin auch eine Altersschwäche ereilen. Doch was würde passieren, falls der russische Präsident im Amt verstirbt?

Laut Fabian Burkhardt, Wissenschaftler am Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung im bayerischen Regensburg, sind die Formalia für ein solches Szenario eindeutig geregelt. In einem Podcast des Nachrichtenportals ntv erklärte Burkhardt, dass auch dies in der russischen Verfassung niedergeschrieben sei.

NameWladimir Putin
geboren am 7. Oktober 1952
geboren in Leningrad, Russland

Würde Putin als russischer Präsident sterben, ginge die Macht unmittelbar auf den Premierminister des Landes über: Das ist derzeit interimsweise Michail Mischustin, ein Parteiloser, der zuvor die russische Steuerbehörde leitete. Der Verfassung nach müsste Mischustin innerhalb von drei Monaten Neuwahlen in Russland veranlassen. „Der Präsident ist die oberste Person im Staat, Premierminister Mischustin kommt an zweiter Stelle, an dritter Stelle Walentina Matwijenko als Vorsitzende des Föderationsrats. Die vierte Person in der Hierarchie ist der Duma-Vorsitzende Wjatscheslaw Wolodin“, erklärte Burkhardt im Jahr 2022.

Dem Forscher des Leibnitz-Institutes zufolge könnten allerdings auch weitere Verantwortliche im Kreml nach dem Amt des Interimspräsidenten streben, falls Putin sterben würde: Als Beispiel nannte er Dmitri Medwedew, zwischen den Jahren 2008 und 2012 selbst russischer Präsident.

Nachfolger von Wladimir Putin: Es gab und gibt offenbar Kandidaten

Bereits Ende 2022 wurden Medienberichte des US-Nachrichtenportals Politico und des russischen Exil-Mediums Meduza bekannt, wonach im Kreml längst ein Machtkampf toben soll. Demnach positionieren sich auch Ramsan Kadyrow, Anführer in Tschetschenien, und Jewgeni Prigoschin, „Putins Koch“. Dafür, dass sie immer mehr Unterstützung in Moskau erhalten haben sollen, gab es allerdings keinerlei Beweise. Mittlerweile ist Prigoschin tot, er starb nach seinem „Marsch auf Moskau“ bei einem Flugzeugabsturz – mutmaßlich inszeniert durch Putin höchstpersönlich. Kadyrow gilt weiterhin als Unterstützer Putins.

„Sollte Putin sterben oder krank werden, gerät in Russland alles ins Wanken“

Die Politologin Agnieszka Legucka analysiert Russlands Sicherheitspolitik aus Polen. Im Interview mit IPPEN.MEDIA erklärt sie den „kollektiven Putin“ und welche Folgen das für sein Volk hat.

Dass Putin bislang keinen eindeutigen Nachfolger positioniert, ist laut Burkhardt Teil seiner Strategie. Doch nicht über Putins Gesundheit wird regelmäßig diskutiert: Auch bei US-Präsident Trump stellt sich die Frage, was passieren würde, falls er sterben würde. „Irgendwann wird Putin nicht mehr sein und das wird ein Wendepunkt, weil er so viel Macht [...]. Die politische Macht ist mit ihm legitimiert“, so Jens Siegert, Journalist und Russland-Experte. Dem SWR erklärte Siegert, dass es drei realistische Szenarien für die Zeit nach Wladimir Putin gebe:

  • Szenario 1: Eine Person aus Russlands politischer Elite, die derzeit wenig an Entscheidungsprozessen beteiligt wird, übernimmt Putins Macht und Amt.
  • Szenario 2: Eine Person, die von Putin selbst als Nachfolger installiert wurde, übernimmt die politischen Geschäfte.
  • Szenario 3: Es kommt zu einer militärischen Konfrontation gegenüber dem Westen.

Für Szenario 2, wofür Politikwissenschaftler Burkhardt keinen eindeutigen Nachfolger sah, steht dem russischen Oppositionellen Michail Sygar zufolge ein Vertrauter Wladimir Putins parat: der stellvertretende Verteidigungsminister Alexei Djumin. (tu) (Verwendete Quellen: ntv, SWR, Bundeszentrale für politische Bildung, eigene Recherche)

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