US-Vorwahlkampf

Das Trump-Dilemma der Republikaner

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Ein Hut für jeden Strafprozess: Der frühere US-Präsident Donald Trump.
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Der Ex-Präsident hält sich alle Optionen offen und dominiert die Schlagzeilen. Die anderen Kandidierenden wollen Trumps Fans nicht verprellen, können sie aber auch nicht für sich gewinnen.

Der Spitzenreiter in den Umfragen tut so, als sei das Rennen um die Nominierung des Präsidentschaftskandidaten der Republikaner schon gelaufen. Auf seinem hauseigenen Netzwerk „Truth Social“ hat Donald Trump klar signalisiert, dass er keinen Anlass sieht, den Appellen der Parteiführung und seines ehemaligen Haussenders Fox zu folgen, an der ersten TV-Debatte der Republikaner teilzunehmen.

Stattdessen plant Donald Trump, parallel dazu ein Interview mit dem von Fox gefeuerten Starmoderator Tucker Carlson auszustrahlen. Eine Retourkutsche an den TV-Kanal, der seinem bisher gefährlichsten Herausforderer, Ron DeSantis, viel Sendezeit gegeben hatte. Formal hält sich Trump aber noch eine Hintertür offen, die ihm erlaubt, in letzter Minute seine Meinung zu ändern. Ein Sprecher sagt: „Wir können nichts bestätigen oder absagen.“ Das mag auch daran liegen, dass Trump sich bis Freitag dieser Woche in Georgia im Gefängnis von Fulton County zur Aufnahme seiner Personalien, Fingerabdrücken und Mugshots einfinden muss.

Dort wartet ein vierter Strafprozess auf ihn, diesmal wegen des Versuchs der Manipulation der Wahlergebnisse von 2020. Trumps juristische Probleme werden wohl auch bei der Debatte zur Sprache kommen. Bisher haben sich nur die ehemaligen Gouverneure aus New Jersey und Arkansas, Chris Christie und Asa Hutchinson, klar gegen den Ex-Präsidenten positioniert. Ex-Vizepräsident Mike Pence verteidigte seine Weigerung, Trumps Plot am 6. Januar 2021 zu unterstützen, hielt sich mit direkter Kritik aber zurück – obwohl er persönlich von der aufgebrachten Menge bedroht wurde.

Mehr als zurückhaltend ist auch der Gouverneur aus Florida, DeSantis. Der Zweitplatzierte in den Umfragen fiel zuletzt auf fast 40 Punkte Abstand zu Trump zurück. Im Nacken sitzt ihm der Biotech-Unternehmer Vivek Ramaswamy, der sich bisher nicht gewagt hat, den Ex-Präsidenten herauszufordern, genauso wie Senator Tim Scott aus South Carolina und die ehemalige UN-Botschafterin Nikki Haley. Der republikanische Stratege und Trump-Gegner Mike Murphey meint, eine Chance habe nur, wer eine klare Alternative biete. Wer sollte eine Kopie wählen, wenn das Original zur Verfügung steht? Auch die TV-Debatte kann höchstens kurzzeitig die Aufmerksamkeit von Trump ablenken. Im republikanischen Kosmos gereichen dem die Anklagen bisher zum Vorteil. Der Rest des Landes sieht das wohl anders: Laut einer aktuellen Umfrage schließen 53 Prozent absolut aus, Trump ihre Stimme zu geben.

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