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„Nazis mit Substanz“ hatte Jan Böhmermann die CDU genannt. Jetzt bequemt sich das ZDF zu einer kleinen Distanzierung, kommentiert Georg Anastasiadis.
In der Welt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind manche Dinge kinderleicht. „Björn Höcke, Alice Weidel, Friedrich Merz und Markus Söder haben was gemeinsam: Sie sind rechts“, erfuhren die Heranwachsenden kürzlich aus dem ARD/ZDF-Jugendsender Funk. Der Schreck über die Entgleisung und die fällige Entschuldigung durch ARD-Chef Kai Gniffke (SPD) hat leider nicht lange angehalten.
An diesem Wochenende musste sich zur Abwechslung das ZDF distanzieren, und zwar von seinem Moderator Jan Böhmermann – dessen Tweet, in dem er die CDU, gemünzt auf eine Merz-Äußerung, als „Nazis mit Substanz“ beleidigt, stehe „in keinem Zusammenhang mit einer Produktion des ZDF“. „Keine Sorge, die Nazis mit Substanz wollen nach aktuellem Stand voraussichtlich nur auf kommunaler Ebene mit den Nazis zusammenarbeiten“, hatte Böhmermann getwittert. Manche fanden‘s wohl lustig. Zu einer echten Entschuldigung wollte man sich in Mainz jedenfalls dann doch nicht durchringen.
Die Öffentlich-Rechtlichen haben politische Schlagseite
Dass Deutschlands öffentlich-rechtliches Fernsehen parteipolitisch erhebliche Schlagseite hat, dürfte den wenigsten seiner „Kunden“ entgangen sein. In der mit Gebührenzahlergeld üppig versorgten Blase der Sendehäuser haben sich zu viele von der Lebenswirklichkeit weniger privilegierter Bürgerinnen und Bürger abgekoppelt.
Doch ein solches Maß an gebühren-finanzierter Polit-Agitation ist selbst geübten Zuschauern, die über manchen Zwischenton (und manche Gender-Pause) hinwegzuhören gelernt haben, nur schwer vermittelbar. Es ist ärgerlich, dass ein Star-Moderator des ZDF die Union auf schlimme Weise diffamiert, es ist empörend, dass er damit zugleich die echten Nazis verharmlost. Und es ist ziemlich dumm, dann noch zu erwarten, dass die verhöhnten Ministerpräsidenten beim nächsten Mal den von den Sendern reklamierten Finanzmehrbedarf einfach so abnicken.
Georg Anastasiadis
Rubriklistenbild: © Screenshot/ZDF Magazin Royale/Schlaf/fn

