Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert in der Auftaktrede zur Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) «maximal wirksame Sanktionen» gegen Russland.
Davos - Nötig sei etwa ein Embargo für russische Energieträger, sagte Selenskyj am Montag in seiner Rede, die als Videoansprache im schweizerischen Davos gezeigt wurde. Drei Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs bedankte sich der 44-Jährige auch für die internationale Unterstützung. «Die Welt glaubt an die Ukraine», sagte er. Nach der Rede erhoben sich viele Zuhörer und applaudierten. Selenskyj lud zudem ausländische Unternehmen ein, sich nach dem Ende des Krieges am Wiederaufbau der zerstörten ukrainischen Städte zu beteiligen. Zur Finanzierung solle auch eingefrorener russischer Besitz verwendet werden, schlug er vor.
Mit Blick auf drohende Hungerkrisen in der Welt forderte Selenskyj zudem Verhandlungen über den Zugang zu blockierten ukrainischen Seehäfen, um von dort dringend benötigte Lebensmittel mit Schiffen ausfahren zu können. Bei dem Treffen in den Schweizer Alpen diskutieren in diesem Jahr fast 2500 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vier Tage lang über Lösungen für internationale Probleme. Im Fokus stehen neben Russlands Krieg gegen die Ukraine auch die Corona-Pandemie und der Klimawandel.
Karlspreis steht im Zeichen des Ukraine-Kriegs
Die Verleihung des Internationalen Karlspreises in Archen an drei Bürgerrechtlerinnen aus Belarus steht in diesem Jahr im Zeichen des Kriegs in der Ukraine. Ausgezeichnet werden am Donnerstag in Aachen die Aktivistinnen Swetlana Tichanowskaja und Veronika Zepkalo. Die Dritte im Bunde, Maria Kolesnikowa, ist in Belarus inhaftiert. Die drei Frauen stehen für eine demokratische Entwicklung in dem autoritär regierten Belarus. Als die Preisträgerinnen Ende 2021 bestimmt wurden, sei die aktuelle Entwicklung nicht absehbar gewesen, sagte Jürgen Linden, der Vorsitzende des Karlspreisdirektoriums, am Montag.
Die Laudatio hält Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne). Im Anschluss an die Zeremonie ist in Aachen eine öffentliche Kundgebung für den Frieden geplant. Dabei werden die Preisträgerinnen sprechen, ebenso Bundestagspräsidentin Bärbel Bas und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). Der Karlspreis wird seit 1950 für Verdienste um Europa und die europäische Einigung verleihen. Namensgeber ist Karl der Große, der als erster Einiger Europas gilt und der sich häufig in Aachen aufhielt. Zu den Preisträgern gehören Angela Merkel, Papst Franziskus, Emmanuel Macron, Bill Clinton und Tony Blair. (dpa)