VonAndreas Schwarzkopfschließen
Bei der Renaissance der Mondfahrt geht es weniger um den Menschheitstraum als vielmehr um Prestige und nationales Geltungsbedürfnis. Der Kommentar.
Indien hat als viertes Land nach der Sowjetunion, den USA und China eine Raumsonde auf den Mond gebracht. Die sanfte Landung von „Chandrayaan-3“ begeistert die Menschen in Indien – sicher auch, weil die russische Mission vor ein paar Tagen scheiterte. Sie werden es gleichsetzen mit einer technischen Überlegenheit. Dabei mussten auch andere Nationen derartige Rückschläge hinnehmen. Und wenig überraschend versucht Premierminister Narendra Modi den Triumph nationalistisch zu nutzen, wenn er von einem „Siegesschrei für das neue Indien“ spricht.
Dies verdeutlicht, dass es bei der Renaissance der Mondfahrt weniger um den Menschheitstraum geht, den Erdtrabanten zu besuchen, als vielmehr um Prestige und nationales Geltungsbedürfnis. Das erinnert an den Wettlauf während des Kalten Krieges zwischen den USA und der Sowjetunion. Ein wenig zeigt dieser Fortschritt auch die rückschrittliche Entwicklung der internationalen Gemeinschaft. In der Raumfahrt haben Nationen zusammengearbeitet. Bei den aktuellen Missionen verfolgt jedes Land eigene Interessen.
