Schlimmer als Deutschland 1945

Union schlingert in ihrer Syrien-Debatte – jetzt geben Grüne einen Ratschlag

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Der Außenminister verliert Rückhalt in der eigenen Fraktion: Seine Aussagen über mögliche Abschiebungen nach Syrien irritieren hier weiterhin.

Update, 12:15 Uhr: In der Debatte innerhalb der Union um Außenminister Johann Wadephuls (CDU) Aussagen schalten sich nun auch die Grünen ein. Es müsse auf Basis von Fakten und einer angemessenen Lageeinschätzung entschieden werden – und nicht auf der Basis von Gefühlen oder Interpretationen, sagte die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, in Berlin.

Die Grünen-Politikerin mahnte, dass der letzte Lagebericht des Auswärtigen Amts zu Syrien von März sei. „Vielleicht sollte man den mal aktualisieren“, sagte Mihalic weiter. Wenn Außenminister Wadephul vor Ort sei und sich ein Bild von der Lage mache, dann müssten Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) ernst nehmen, was Wadephul sage.

Innerhalb der Union brodelt es, nachdem Wadephuls Syrien-Ansprache bei einer Fraktionssitzung eigentlich die Wogen glätten sollte. Nach Spiegel-Informationen war jedoch das Gegenteil der Fall. Zuvor bezeichnete CDU-Generalsekretär Carsten Linemann die Diskussion in der ARD noch als „Scheindebatte“. Auf Anfrage unserer Redaktion wollte sich Linemann nicht näher über die Situation äußern.

Eskalation in der Union: Brisante Details zu Wadephuls Syrien-Ansprache sickern durch – „desaströs“

Update vom 05. November, 09:27 Uhr: Immer mehr Details zu Wadephuls brisanter Syrien-Ansprache in der CDU-Fraktion sickern durch. Der Spiegel schreibt etwa, es habe kaum Applaus für die Ausführungen des Außenministers aus dem Zuhörerkreis gegeben. Manche Unions-Politiker nähmen das als Hinweis, dass Wadephuls Rückendeckung in der Partei schwinde. Hinter vorgehaltener Hand, so der Spiegel weiter, soll es bereits erste Befürworter eines Rücktritts gegeben haben.

Für seine Syrien-Sätze ist Außenminister Wadephul in der Kritik.

Auch die dpa berichtet, dass mehrere Teilnehmer der Sitzung sich irritiert über die Aussage Wadephuls zeigten. Ein Abgeordneter bezeichnete den Auftritt in der Fraktion als „schlimm“ und „desaströs“.

Zerstörung in Syrien schlimmer als in Deutschland 1945 –Wadephul mischt Union auf

Erstmeldung: Berlin – Mit einer kurzfristigen Rückkehr von Flüchtlingen nach Syrien rechne Außenminister Johann Wadephul vorerst nicht. Das erklärte der Minister während seiner Reise in das kriegsgebeutelte Land. In der CDU brodelte es nach seinem Statement. Am Dienstag wollte Wadephul seine Aussagen revidieren. Doch seine vermeintliche Klarstellung während der Fraktionssitzung hatte innerhalb der Unionsfraktion zu noch mehr Unverständnis geführt, wie die dpa berichtet.

Bundeskanzler Friedrich Merz stellt klar: Syrische Straftäter sollen nach Syrien abgeschoben werden. Außenminister Johann Wadephul hatte zuvor infrage gestellt, ob man Flüchtlinge in das Land abschieben könne.

Syrien-Debatte in der Union: Kritik an „uneinsichtigem“ Wadephul 

Nach Angaben mehrerer Teilnehmer soll der CDU-Politiker dabei gesagt haben, Syrien sehe schlimmer aus als Deutschland 1945. Diese Äußerung fiel ganz am Ende seiner Ausführungen und sorgte für weitere Irritationen in den eigenen Reihen. Gegenüber dem Magazin Spiegel erklärte ein Teilnehmender demnach: „Das war schlimm.“ Wadephul habe sich uneinsichtig gegenüber der Kritik gezeigt. Er habe seine vorherigen Aussagen nicht zurückgenommen, erklärten dem Spiegel einige Anwesende nach der Sitzung. Eine Anfrage der dpa ließ das Auswärtige Amt zunächst unbeantwortet.

Bundeskanzler Friedrich Merz und Wadephul hatten sich in der Sitzung bemüht, die Wogen zu glätten, die nach der Nahostreise des Außenministers entstanden waren. Wadephul hatte am Donnerstag (30. Oktober) bei einem Besuch in Harasta, einer schwer verwüsteten Vorstadt von Damaskus, angezweifelt, dass kurzfristig eine große Zahl syrischer Flüchtlinge freiwillig zurückkehren werde. „Hier können wirklich kaum Menschen richtig würdig leben“, sagte er vor Ort.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Wadephul distanziert sich von Merz-Kurs bezüglich Abschiebungen nach Syrien

Die Aussage wurde in der Union als mögliche Distanzierung vom Kurs der Partei interpretiert, syrische Straftäter schnell abzuschieben und freiwillige Rückkehr zu fördern. Kanzler Merz hatte bereits am Montag klargestellt: „Der Bürgerkrieg in Syrien ist beendet. Es gibt jetzt keinerlei Gründe mehr für Asyl in Deutschland, und deswegen können wir auch mit Rückführungen beginnen.“

Fraktionschef Jens Spahn (CDU) übte am Dienstag deutliche Kritik an Wadephuls Kommunikation. „Gelegentlich hilft es im Zweifel, dann schnell die Dinge auch noch mal klarzustellen und einzuordnen“, sagte er mit Blick auf den Außenminister. Nach Angaben von Teilnehmenden beklagte Spahn bei der Fraktionssitzung, dass bereits eine Äußerung reiche, um die erfolgreiche Arbeit im Bereich irregulärer Migration mit Streit zu überdecken.

Wadephuls Versuche innerhalb der CDU/CSU zu deeskalieren scheitern

Wadephul versuchte in der Fraktionssitzung zu deeskalieren und betonte, das Auswärtige Amt unterstütze das Ziel „aktiv und konstruktiv“, Straftäter und Gefährder nach Syrien und Afghanistan zurückzuführen. „Da gibt es überhaupt keine Differenz“, sagte er. Zudem arbeite man mit Hochdruck daran, dass eine größere Zahl von Syrern freiwillig zurückkehre. Für seine Ausführungen erhielt der Außenminister wohl jedoch nur wenig Applaus von den Fraktionsmitgliedern.

Die anhaltende Kritik zeigt die Belastung für den Außenminister innerhalb der eigenen Fraktion. Mehrere Teilnehmer äußerten sich irritiert über seine jüngsten Aussagen. Ein Abgeordneter bezeichnete Wadephuls Auftritt laut Süddeutscher Zeitung als „schlimm“ und „desaströs“. Die Unterstützung für den Außenminister in der Fraktion schwinde, hieß es aus Teilnehmerkreisen. (Quellen: Spiegel, Süddeutsche Zeitung, dpa) (sischr)

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