VonPatrick Mayerschließen
Russische Truppen erbeuten im Ukrainer-Krieg angeblich Leopard-2-Panzer. Sie können damit Erkenntnisse zu Panzerung und Schwachstellen sammeln.
München/Saporischschja - Ob Deutschland mit Leopard-2-Lieferungen so lange gezögert hat, weil Berlin nicht wollte, dass westliche Bauteile in die Hände der russischen Armee fallen? Genau das ist nun angeblich passiert, so behauptete das russische Verteidigungsministerium, man habe mindestens einen „Leo“ auf den Schlachtfeldern des Ukraine-Kriegs erbeutet.
Ukraine-Gegenoffensive: Russische Armee erbeutet angeblich Leopard-2-Panzer
Passiert sein soll das beschriebene Szenario am heftig umkämpften südlichen Frontabschnitt zwischen Orichiw und Tokmak. Russische Soldaten hatten in den sozialen Netzwerken ein Video geteilt, wie sie einen abgestellten „Leo“ sowie Bradley-Schützenpanzer inspizieren (siehe Video unten).
Kiew und der Westen beschwichtigen, dass die ukrainische Armee noch viele gelieferte westliche Panzer habe. Unklar ist zudem, ob die russischen Streitkräfte die „Leos“ ausschließlich abgeschossen haben oder auch vom Schlachtfeld transportieren konnten, um diese genau zu untersuchen. So könnten sie freilich Schwachstellen in der Panzerung des „Leo“ erkunden.
Laut Stern sind russische Soldaten auf Videos beim Wrack eines Leopard 2A4 zu sehen. Es ist die weniger modifizierte Variante als der 2A6, der anderen Videos zufolge offenbar an der Front nördlich von Tokmak in der Oblast Saporischschja verloren ging. Wurde der 2A4 trotz eines geschätzten Gewichts von 60 Tonnen tatsächlich abtransportiert, könnten die Russen laut dem Nachrichtenmagazin nun auf „zwei Feldern Erkenntnisse sammeln. Zum einen werden sie die Westtechnik studieren und so versuchen, ihre eigenen Entwicklungen zu verbessern. Das wird bei der Hauptwaffe beginnen, die gesamte Elektronik und Zielerfassung wird spannend sein“, heißt es in dem Bericht.
Ukraine-Gegenoffensive: Studieren die Russen jetzt die Panzerung des Leopard 2?
Interessant sei daneben auch der Aufbau der Panzerung. „Sie werden versuchen, die Schwachstellen des Panzers zu finden. Etwa bei der Panzerung. Die sogenannte Komposit-Panzerung besteht aus Lagen verschiedener Materialien und bietet einen weit bessere Schutzwirkung als reiner Stahl. Diesen Materialmix werden die Russen nun im Labor ausgiebig untersuchen. Dazu werden sie exakt wissen, wie stark die jeweiligen Bereiche geschützt sind“, schreibt der Stern in seiner Analyse.
Bei einer Komposit-Panzerung sind verschiedene Materialien in mehreren Schichten aufeinander aufgebaut. Auch könne etwa studiert werden, wie sich die Sensoren ausschalten lassen,“ mit denen die Besatzung die Umgebung wahrnimmt“. Ohne Sicht sei ein Panzer schließlich wertlos, wird analysiert.
The Russian MoD published a video showing their “trophies” captured and damaged Bradley’s and one Leopard-2 A6. The video is probably taken from South of Mala Tokmachka. But I didn’t see any geolocation yet. pic.twitter.com/TSIQ9mGlcB
— Mattia Nelles (@mattia_n) June 13, 2023
Die ukrainische Seite hatte zu Beginn des Ukraine-Kriegs militärisch erfolgreich festgestellt, dass die russischen T-72-Panzer im unteren Teil des Turms verwundbar sind, wo sich das Munitionsmagazin befindet. Von Panzerabwehrgranaten getroffen, explodierte wohl bei reihenweise T-72-Panzern jene Munition und sprengte somit den ganzen Turm von der Karosserie der Panzer. Laut einem früheren Bericht des Stern sind die Schwachstellen des Leopard 2 indes die steilen Seiten des Turms. Warum, wird nicht präzisiert.
Ukraine-Krieg: Russische Armee hat angeblich Tausende Panzer verloren
Laut ukrainischem Medienprojekt The Kyiv Independent, das seine Informationen vom Generalstab in Kiew bezieht, hat die russische Invasionsarmee seit dem 24. Februar 2022 geschätzt 3977 Kampfpanzer (Stand 17. Juni) verloren. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig überprüfen. (pm)
Rubriklistenbild: © IMAGO/Russian Defence Ministry

