100-Milliarden-Projekt

Deutschland bereitet Plan B vor: Europäisches Kampfjet-Prestigeprojekt könnte platzen

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Das Kampfjet-Vorhaben FCAS droht zu platzen. Deutschland prüft Alternativen wegen französischer Ansprüche. Merz drängt auf Entscheidung bis Jahresende.

Berlin – Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich beim 100-Milliarden-Euro-Kampfjet-Projekt FCAS (Future Combat Air System) offengelegt. Das ambitionierte Vorhaben, das als Flaggschiff der europäischen Verteidigungszusammenarbeit gilt, steht nun vor einer entscheidenden Weichenstellung. Deutschland scheint sich bereits nach alternativen Partnern für die Entwicklung des Kampfjets der Zukunft umzusehen.

Vom Schützen bis zum General: Das sind die Dienstgrade der Bundeswehr

Reservisten-Kompanie der Bundeswerh in Sachsen
Wie beim Militär üblich, gibt es auch bei der Bundeswehr eine klare Hierarchie in der Truppe. Jeder Soldat und jede Soldatin erhält einen Dienstgrad, über den neben der Position in der Befehlskette und dem Verantwortungsbereich auch die Besoldung geregelt wird. Welche Dienstgrade es in der Bundeswehr gibt und wer in der Hierarchie ganz oben steht, erfahren Sie in dieser Fotostrecke. © Matthias Hiekel/dpa
Freiwilliger Wehrdienst der Bundeswehr im Heimatschutz in Burg
Grundsätzlich lassen sich die Dienstgrade bei der Bundeswehr in drei Oberkategorien einteilen. Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere. Auf der niedrigsten Hierarchieebene in der Bundeswehr stehen zunächst die Mannschaften. © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Öffentliches Gelöbnis von Rekruten der Bundeswehr vor dem Abgeordnetenhaus.
Der niedrigste Dienstgrad von Rekruten in der Bundeswehr richtet sich in der Regel nach der Truppengattung. Mögliche Bezeichnungen für die Rekruten lauten Schütze, Flieger oder Matrose. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Ein Gefreiter und ein Obergefreiter der Bundeswehr.
Die verschiedenen Dienstgrade der Bundeswehr lassen sich zur schnellen Erkennung an den Schulterklappen der Soldaten ablesen. Auf der untersten Ebene in den Mannschaften nach dem einfachen Soldaten steht der Gefreite (r) gefolgt vom Obergefreiten (l). Die Schulterklappen zeigen einen bzw. zwei schräge Streifen. Soldaten können frühestens nach drei bzw. sechs Monaten zum Gefreiten oder Obergefreiten ernannt werden.  © Mathias Ernert/dpa
Ein Hauptgefreiter der deutschen Bundeswehr bei einer Übung auf dem Truppenübungsgelände Bergen in der Lüneburger Heide.
Als Nächstes in der Rangordnung folgt der Hauptgefreite, der Schulterklappen mit drei schrägen Streifen trägt. Im Soldatenjargon werden die Querstreifen auch „Pommes“ oder „Fritte“ bezeichnet. Die Mindestdienstzeit für die Ernennung zum Hauptgefreiten liegt bei 12 Monaten. © Chris Emil Janssen/imago-images
Ein Stabsgefreiter der Bundeswehr berät einen Interessenten
Nach drei Jahren im Dienst können Soldaten in den Rang einen Stabsgefreiten aufsteigen. Stabsgefreite steigen auch eine Besoldungsgruppe auf und tragen Schulterklappen mit vier Streifen. © Michael Gottschalk/dpa
Ein Oberstabsgefreiter der Bundeswehr bei einr Militaeruebung.
Nach einem weiteren Jahr im Dienst – also nach vier Jahren – ist die Beförderung zum Oberstabsgefreiten möglich. Bis 2021 bildete der Dienstgrad – zu erkennen an den fünf Querstreifen an den Schulterklappen – den höchsten Dienstgrad in der Laufbahn der Mannschaftssoldaten. © Juliane Sonntag/imago-images
Ein Korporal der Bundeswehr.
2021 schuf die Bundeswehr im Rahmen der „Modernisierung der Laufbahnen“ zwei neue Dienstgrade für Mannschaftssoldaten. Soldaten erhielten nach sieben Jahren im Dienst die Möglichkeit, zum Korporal aufzusteigen. Der mit der Beförderung verbundene Aufstieg in eine höhere Soldgruppe sollte auch die Laufbahn der Mannschaften attraktiver machen. Das Dienstgradabzeichen zeigt einen breiten Querstreifen. © Sebastian Wilke/Bundeswehr/dpa
Ein Oberstabsgefreiter der Bundeswehr wird zum Korporal befördert.
Der zweite neu eingeführte Dienstgrad war der des Stabskorporal, der künftig als neuer Spitzendienstgrad in den Mannschaften agiert. Soldaten können diesen frühestens nach zehn Jahren im Dienst, davon ein Jahr als Korporal, erhalten.  © Sebastian Wilke/Bundeswehr/dpa
Feierliche Vereidigung von Feldwebel und Unteroffiziersanwärtern der Bundeswehr Aufklärungsbataillon.
Die zweite Hauptgruppe der Bundeswehr sind die Unteroffiziere. „Unteroffiziere sind Spezialisten, aber auch Führer, Ausbilder und Erzieher der ihnen unterstellten Soldatinnen und Soldaten. Sie leiten und schulen das ihnen unterstellte Personal, beraten aber auch ihre eigenen Vorgesetzten“, schreibt die Bundeswehr auf ihrer eigenen Website. © imago-images
Unteroffiziere der Bundeswehr bei einer Übung.
Die Unteroffiziere gliedern sich wiederum in zwei Untergruppen. Unteroffiziere mit und ohne Portepee. Letztere vereint die ersten Dienstgrade der Laufbahn unter sich. Den Anfang macht der Unteroffizier. Dieser wird in die gleiche Besoldungsgruppe eingeteilt wie ein Stabsgefreiter. Die Schulterklappen zeigen eine nach unten offenen goldenen Bandstreifen genannt „Tresse“. Wer die Laufbahn eines Unteroffiziers ohne Portepee durchlaufen will, braucht mindestens einen Hauptschulabschluss. Das Pendant der Marine ist der Maat. © Swen Pförtner/dpa
Eine Stabsunteroffizierin der Bundeswehr mit einem Diensthund.
Stabsunteroffiziere bilden den höchsten Dienstgrad in der Gruppe der Unteroffiziere ohne Portepee. Das Dienstgradabzeichen zeigt eine geschlossene Tresse. Beim Sold liegen die Stabsunteroffiziere in der Gruppe A6 oder A7. Erstere ist auf dem Niveau der Korporale und Stabskorporale. Das Pendant der Marine ist der Obermaat. © Lars Heidrich/dpa
Eine Feldwebel der Bundeswehr hilft bei einer Teststation im Kampf gegen das Coronavirus.
Unteroffiziere mit Portepee bilden die nächsthöhere Untergruppe. Um diese Laufbahn anzustreben, brauchen Anwärter neben einem Hauptschulabschluss auch eine abgeschlossene Berufsausbildung. Nach Angaben der Bundeswehr muss sich ein Feldwebel in der Regel für acht bis 13 Jahre verpflichten. Das Dienstgradabzeichen des Feldwebels ist ein Winkel mit der Spitze nach oben in einer geschlossenen Tresse. Bei der Marine trägt der vergleichbare Dienstgrad die Bezeichnung Bootsmann. © Nicolas Armer/dpa
Ein Oberfeldwebel der Bundeswehr bei einer Gefechtsübung.
Das Dienstgradabzeichen mit zwei nach oben zeigenden Winkeln weist den Oberfeldwebel aus. Oberfeldwebel werden unter anderem als stellvertretende Zugführer oder Gruppenführer eingesetzt. In der Marine wird die Bezeichnung Oberbootsmann verwendet. © Jochen Lübke/dpa
Eine Oberfeldwebel der Bundeswehr beim Girls' Day im Bundesverteidigungsministerium.
Eine Besoldungsgruppe über dem Oberfeldwebel ist in der Bundeswehr der Hauptfeldwebel angesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt einen Kopfwinkel mit der Spitze nach oben. Das Pendant der Marine ist der Hauptbootsmann. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Ein Stabsfeldwebel der Bundeswehr
Der Stabsfeldwebel zählt zu den Spitzenverdienern unter den Unteroffizieren mit Portepee (Besoldungsgruppe A9). Stabsfeldwebel werden neben ihren Aufgaben als Zugführer auch als Kompaniefeldwebel – auch „Spieß“ genannt – eingesetzt. Als solcher agiert er als Führer des Unteroffizierkorps einer Einheit und leitet den Innendienst. In der Marine lautet die Bezeichnung für den Dienstgrad Stabsbootsmann. © Juliane Sonntag/imago-images
Ein Oberstabdsfeldwebel der Bundeswehr in einem Büro.
Den höchsten Dienstgrad der Unteroffiziere mit Portepee bildet der Oberstabsfeldwebel. Er kommt vor allem in höheren Stäben und Ämtern zum Einsatz, dient aber ebenso wie der Stabsfeldwebel auch als „Spieß“ oder Zugführer. Das Dienstgradabzeichen für Oberstabsfeldwebel zeigt einen Kopfwinkel, darunter zwei Winkel. Das Pendant in der Marine heißt Oberstabsbootsmann. © Rolf Vennenbernd/dpa
Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer.
Die dritte und letzte Obergruppe bei der Bundeswehr sind die Offiziere. Die Bundeswehr bezeichnet sie auf ihrer Website als „Manager in Uniform“. Sie führen Kompanien und Bataillone, arbeiten in Stäben und dem Verteidigungsministerium. Neben einer praktischen militärischen Ausbildung absolvieren Offiziersanwärter auch ein akademisches Studium bei der Bundeswehr. Für fast alle Laufbahnen wird deswegen mindestens eine Fachhochschulreife vorausgesetzt. © Jacob Schröter/imago-images
Ein Leutnant der Bundeswehr steht vor einem Militärflugzeug.
Den Anfang in der Offizierslaufbahn macht der Leutnant. Durch seine Stellung kann er sowohl Soldaten aus der Gruppe der Mannschaften, als auch der Unteroffiziere Befehle erteilen. Der Leutnant ist in der Besoldungsgruppe A9 – auf dem Level eines Stabsfeldwebels – eingeordnet. Das Dienstgradabzeichen des Leutnants zeigt einen Stern.  © Lars Klemmer/dpa
Ein Oberleutnant der Bundeswehr bei der Nato-Großübung in Norwegen.
Eine Besoldungsgruppe weiter oben (A10) ist der Oberleutnant angesetzt. In der Regel erfolgt die Beförderung frühestens zwei Jahren nach der Ernennung zum Offizier. Das Dienstgradabzeichen zeigt zwei Sterne. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Ein Hauptmann der Bundeswehr auf einem Flugplatz.
Eine Stufe über dem Oberleutnant steht in der Rangordnung der Bundeswehr die Gruppe der Hauptleute. Diese beinhaltet die Dienstgrade Hauptmann und Stabshauptmann. Hauptleute werden häufig als militärische Führer in den Verbänden ihre Truppengattungen eingesetzt. Der Dienstgrad des Stabshauptmanns ist Offizieren des militärfachlichen Diensts vorbehalten. Die Schulterklappen zeigen drei (Hauptmann) oder vier (Stabshauptmann) Sterne. In der Marine lautet die Bezeichnung des Dienstgrads Kapitänleutnant bzw. Stabskapitänleutnant. © Achille Abboud/imago-images
Ein Major der Bundeswehr im Gespräch mit Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius.
Auf die Hauptleute folgt die Dienstgradgruppe der Stabsoffiziere, die in der Regel auf Stabsposten und als militärische Führer eingesetzt werden. Der erste Dienstgrad in der Gruppe ist der Major. Majore werden auch als Hörsaalleiter in Lehreinrichtungen der Bundeswehr oder in Referaten und Ministerien eingesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub und einen Stern. Das Pendant der Marine ist der Korvettenkapitän. © Bernhard Herrmann/imago-images
Ein Oberstleutnant der Bundeswehr im Gespräch mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.
Der mittlere Dienstgrad der Stabsoffiziere bildet der Oberstleutnant. Diese werden neben den anderen Anwendungsfeldern der Stabsoffiziere auch als Dezernenten oder Referenten in Ämtern oder im Verteidigungsministerium eingesetzt. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub und zwei Sterne. Das Pendant der Marine ist der Fregattenkapitän. © Revierfoto/imago-images
Ein Oberst der Bundeswehr im Gespräch mit Verteidigungsminister Boris Pistorius.
Der Oberst stellt den höchsten Dienstgrad in der Gruppe der Stabsoffiziere dar. In der Regel wird er in leitenden Positionen in Kommandobehörden, Ämtern oder im Verteidigungsministerium eingesetzt. Sein Dienstgradabzeichen zeigt ein Eichenlaub mit drei Sternen. Das Pendant der Marine ist der Kapitän zur See. © IMAGO/JOERAN STEINSIEK
Ein Brigadegeneral der Bundeswehr.
Die Speerspitze in der Hierarchie der Bundeswehr bilden die Generäle. Sie stehen in der Hierarchie ganz oben und dienen vor allem auf Stabsposten und in der Regel nicht in der kämpfenden Truppe. Der rangniedrigste General ist der Brigadegeneral. Eine Beförderung vom Oberst zum Brigadegeneral erfolgt in der Regel aufgrund der Eignung und Leistung des Offiziers und ist nicht an andere Voraussetzungen gebunden. Sein Dienstgradabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub mit einem goldenen Stern. In der Marine heißt der vergleichbare Dienstgrad Flottillen­admiral. © IMAGO/Björn Trotzki
Christian Freuding, Generalmajor des Heeres der Bundeswehr, Leiter des Lagezentrums Ukraine und des Planungsstabs des Bundesministers der Verteidigung.
Auf den Brigadegeneral folgt in der Rangordnung der Bundeswehr der Generalmajor. In der Praxis erfolgt die Beförderung erst nach mehreren Jahren als Brigadegeneral. Generalmajore übernehmen leitende Funktionen in Kommandobehörden, dem Verteidigungsministerium oder Einrichtungen der Nato. So dient Generalmajor Christian Freuding (Bild) als Leiter des Lagezentrums Ukraine und des Planungsstabs des Bundesministers der Verteidigung. Das Dienstgradabzeichen des Generalmajors zeigt ein goldenes Eichenlaub und zwei goldene Sterne. Das Pendant der Marine ist der Konteradmiral. © IMAGO/M. Popow
Der Inspekteur der Luftwaffe: Generalleutnant Holger Neumann.
Der zweithöchste Dienstgrad der Bundeswehr ist der Generalleutnant. Bei Luftwaffe und Heer gibt es weniger als zwei Dutzend Offiziere mit diesem Rang, die in wichtigen leitenden Positionen eingesetzt werden. So ist der stellvertretende Generalinspekteur der Bundeswehr immer ein Generalleutnant. Auch der Inspekteur der Luftwaffe, Holger Neumann (Stand Mai 2025, Bild), ist im Rang eines Generalleutnants. Sein Dienstabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub mit drei goldenen Sternen. Das Pendant der Marine ist der Vizeadmiral. © Björn Trotzki/imago-images
Der Generalinspekteur der Bundeswehr: General Carsten Breuer.
Ganz oben in der Hierarchie der Bundeswehr steht der General. Der Dienstgrad ist nur wenigen Soldaten in absoluten Führungspositionen vorbehalten. Der Generalinspekteur der Bundeswehr – höchster militärischer Repräsentant der Bundeswehr – ist General Carsten Breuer (Stand Mai 2025, Bild). Deutsche Generäle dienen auch in Führungspositionen der Nato. Das Dienstgradabzeichen zeigt ein goldenes Eichenlaub und vier goldene Sterne. Zur besseren Unterscheidung von der Dienstgruppe der Generäle wird er deswegen umgangssprachlich als Vier-Sterne-General bezeichnet. Das Pendant der Marine ist der Admiral. © IMAGO/Klaus W. Schmidt

„Wir kommen mit diesem Projekt nicht voran“, erklärte Merz nach einem Treffen mit dem spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sanchez am Donnerstag in Madrid. Der Grund für den Stillstand sind neue Forderungen des französischen Rüstungskonzerns Dassault Aviation, der einen Arbeitsanteil von 80 Prozent an der Entwicklung des Kampfjets-Projekts FCAS für sich beansprucht. Dies steht im Widerspruch zu den ursprünglichen Vereinbarungen, nach denen Frankreich, Deutschland und Spanien jeweils zu einem Drittel an der Entwicklung beteiligt sein sollten.

Europäisches Kampfjet-Projekt vor dem Aus? Deutschland sucht nach Alternativen bei FCAS

Angesichts der Unstimmigkeiten erwägt die deutsche Regierung einem Bericht des Portals Politico zufolge nun alternative Szenarien. Das Verteidigungsministerium in Berlin hat in Gesprächen mit Airbus, dem für den deutschen Teil des Projekts verantwortlichen Unternehmen, mögliche Kooperationen mit Schweden oder Großbritannien ins Spiel gebracht. Auch eine Fortführung des Projekts nur mit Spanien wird als Option gehandelt.

Bundeskanzler Merz betonte die Dringlichkeit einer Lösung: „Es kann nicht so weitergehen wie gegenwärtig. Wir wollen versuchen, bis zum Ende des Jahres eine Lösung herbeizuführen, damit dieses Projekt dann auch wirklich realisiert werden kann.“ Die Krise um FCAS hat nicht nur technische und wirtschaftliche, sondern auch erhebliche politische Dimensionen. Sie stellt die deutsch-französische Zusammenarbeit in der Verteidigungspolitik auf eine harte Probe.

Das Future Combat Air System soll perspektivisch den Eurofighter (Bild) in den Reihen der deutschen Luftwaffe ablösen.

„Europa der Verteidigung“: Deutschland strebt nach Nachfolger für Eurofighter-Kampfjet

Das FCAS-Projekt, 2017 ins Leben gerufen, soll bis 2040 die derzeit von den NATO-Mitgliedern Frankreich, Spanien und Deutschland eingesetzten Kampfflugzeuge Rafale und Eurofighter Typhoon ersetzen. Es gilt als Schlüsselprojekt für die Zukunftsfähigkeit der europäischen Luftverteidigung, insbesondere angesichts der gestiegenen Bedrohung durch Russland im Ukraine-Krieg.

Der spanische Ministerpräsident Sanchez unterstrich die Bedeutung des Projekts für die europäische Verteidigungspolitik: „Wenn wir von dem ‚Europa der Verteidigung‘ sprechen, dann haben wir hier ein typisches Beispiel dessen, was darunter zu verstehen ist.“ Spanien, als dritter Partner im FCAS-Projekt, teilt die deutsche Unzufriedenheit mit dem aktuellen Fortschritt.

Future Combat Air System (FCAS)

Das Future Combat Air System (FCAS) ist ein deutsch-französisch-spanisches Entwicklungsprogramm für ein Luftkampfsystem der nächsten Generation, das ab etwa 2040 in Dienst gestellt werden soll. Das System besteht aus einem optional unbemannt einsetzbaren Mehrzweckkampfflugzeug der sechsten Generation, unbemannten Begleitflugzeugen und neuen Waffen- sowie Kommunikationssystemen. Bei der deutschen Luftwaffe soll es den Eurofighter Typhoon ersetzen, bei den französischen Luftstreitkräften die Rafale. Die Entwicklung wird von den Unternehmen Dassault Aviation, Airbus Defence and Space und Indra Sistemas vorangetrieben.


Das Projekt geht auf eine Ankündigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Emmanuel Macron im Juli 2017 zurück. Im Februar 2019 wurde ein 65 Millionen Euro schwerer Auftrag für eine zweijährige Konzeptstudie vergeben, im Juni 2019 unterzeichneten die drei Partnerländer ein Rahmenabkommen. Ein Prototyp des New Generation Fighter soll 2028 fertiggestellt werden. Das Programm sieht vor, die benötigte Technologie mehrheitlich in Europa zu entwickeln und eine hohe Autarkie von den USA anzustreben.

Verwendete Quellen: Bundeswehr

Die Unstimmigkeiten zwischen den beteiligten Unternehmen – Dassault für Frankreich, Airbus für Deutschland und Indra für Spanien – betreffen nicht nur die Arbeitsaufteilung, sondern auch Fragen der Technologieführerschaft und des Knowhow-Transfers. Diese Aspekte sind entscheidend für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der jeweiligen nationalen Luftfahrtindustrien. Dassault soll Berichten zufolge die Entwicklung des Flugzeugs alleine für sich beansprucht haben. Für Airbus wäre die Entwicklung der Begleitdrohne und des Datenspeichers übrig geblieben.

Kritik an Frankreich bei Kampfjet-Projekt: Entscheidung soll bis Ende des Jahres fallen

Andreas Mattfeldt (CDU), Chefhaushälter für den Verteidigungsetat, sagte vor wenigen Wochen gegenüber der Bild-Zeitung: „Frankreichs Industrie fordert hier erheblich mehr Arbeitsanteile zulasten von Deutschland und erhält dadurch mehr Arbeitsplätze. Deshalb habe ich den Bundeskanzler gebeten, das Projekt mit Präsident Macron endlich auf Augenhöhe zu einer Entscheidung zu bringen.“ Auch aus der SPD wurden kritische Stimmen laut, die einen Abbruch des Projekts ins Spiel brachten, sollte keine Einigung mit Frankreich möglich sein.

Ein trilaterales Treffen der Verteidigungsminister von Deutschland, Frankreich und Spanien ist für Oktober geplant. Bis dahin laufen technische Gespräche zwischen Industrie, Regierungsvertretern und Beschaffungsbehörden, um Lösungsoptionen zu erarbeiten. Die Entscheidung, ob FCAS in die nächste Entwicklungsphase eintritt, soll bis Ende des Jahres fallen. Der SPD-Abgeordnete Andreas Schwarz warnte im Gespräch mit Politico: „Irgendwann wird der [deutsche] Bundestag sagen müssen: ‚Entweder brauchen wir dieses Flugzeug oder wir brauchen es nicht.‘“ (Quellen: Politico, Bild, AFP, Bundeswehr) (fdu)

Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/dpa

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