Migration

Gefährdete Afghanen in Pakistan: Razzien statt Visa für Deutschland

+
Afghanische Geflüchtete müssen aus Pakistan zurück in ihr Land.
  • schließen

Pakistan nimmt Hunderte Gefährdete aus Afghanistan fest und schiebt ab.

Für Hunderte gefährdete Afghan:innen, die trotz deutscher Aufnahmezusage in Pakistan festsitzen, scheint sich ihre Angst vor Abschiebungen zu den Taliban zu bewahrheiten. Die Hilfsorganisation „Kabul Luftbrücke“, die die Gruppe seit langem unterstützt, weiß nach Angaben eines Sprechers von mindestens 300-350 Betroffenen, die bisher festgenommen worden seien. Mehrere Dutzend von ihnen seien bereits abgeschoben wurden, sagte er der Frankfurter Rundschau. Die Deutsche Presse-Agentur berichtet von bisher mindestens 16 betroffenen Familien.

Laut „Kabul Luftbrücke“ durchsuchten pakistanische Kräfte Unterkünfte der deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Islamabad. Dort sind Schutzsuchende mit Aufnahmezusage untergebracht, bis sie ein Visum für Deutschland erhalten. Die Bundesregierung aus Union und SPD hat alle Aufnahmeprogramme gestoppt – deshalb bangten rund 2300 Betroffene in Islamabad, ob sie noch ein Visum bekommen würden. Es sind frühere afghanische Ortskräfte deutscher Institutionen und Menschen, die etwa wegen ihres Engagements für Menschenrechte gefährdet sind. Das war in einem aufwändigen Verfahren geprüft worden.

Laut „Kabul Luftbrücke“ gehen die pakistanischen Sicherheitskräfte bei den Razzien teils brutal vor. Berichten zufolge würden Familien auseinandergerissen. Unter den zum Grenzübergang Torkham Gebrachten ist demnach eine Familie, für die ein positiver Eilrechtsbeschluss vom Verwaltungsgericht Berlin vorliegt, wonach sie Visa bekommen müsste. Laut „Reporter ohne Grenzen“ wurde mindestens ein Journalist festgenommen.

Vertreter der GIZ und der deutschen Botschaft versuchen, auf Pakistans Behörden einzuwirken, um Abschiebungen zu verhindern. Das dürfte aber angesichts der hohen Zahl schwierig sein. Die Razzien waren erwartet worden, Fachleute hatten seit Monaten davor gewarnt. Eine Vertreterin des Patenschaftsnetzwerks „Ortskräfte“ berichtete kürzlich, sie höre aus Pakistan „pure Verzweiflung. Alle, mit denen wir in Kontakt sind, fürchten um ihr Leben“.

Kommentare