„Ohne Deutschlandticket verändert sich gar nichts“

Geywitz teilt wegen Deutschlandticket gegen Bayern und Söder aus

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Das 49-Euro-Ticket soll auf dem Land nicht gut ankommen. Die Bundesbauministerin wehrt sich bei BuzzFeed News Deutschland gegen die Kritik.

Bundesbauministerin Clara Geywitz hat bei BuzzFeed News Deutschland das Deutschlandticket verteidigt und als „großen Schritt auf dem Weg zur Modernisierung des Verkehrs“ gelobt. 

Etwa elf Millionen Menschen haben laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) mittlerweile ein Abo für das Deutschlandticket, dessen Start Anfang Mai so stabil lief wie das WLAN im Zug. Dieser Schwung müsse nun für einen hochwertigen Ausbau des ÖPNV genutzt werden, sagte VDV-Präsident Ingo Wortmann bei der Jahrestagung am 21. Juni 2023. Wer sich noch kein Deutschlandticket gekauft habe, habe das aufgrund des Preises oder fehlenden Bedarfs nicht getan: Für manche Menschen, gerade aus dem ländlichen Raum, scheine sich das Ticket nicht zu lohnen, kritisiert Wortmann.

Deutschlandticket wird „auf dem Land teilweise kaum genutzt“

„Auf dem Land wird das Ticket teilweise kaum genutzt“, sagt der VDV-Chef, der auch der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) vorsteht. Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet, höre er aus dem ländlichen Raum in Bayern immer wieder den Vorwurf, das Deutschlandticket sei ein Angebot für Münchner, Würzburger, Nürnberger. Um neue Kund:innen auf dem Land zu gewinnen, brauche es laut Verband neben einem Preisimpuls auch ein erweitertes Angebot - in ländlichen Gebieten wie in Städten.

Die Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, die das Dorfleben attraktiver machen und im Jahr 2023 790 Millionen Euro bereitstellen will, um kleine Städte und Gemeinden lebenswerter zu machen, verweist dagegen bei BuzzFeed News Deutschland auf andere Zahlen. Geywitz verteidigt das 49-Euro-Ticket vor Wortmanns Kritik. „Das Deutschlandticket ist ein großer Schritt auf dem Weg zur Modernisierung des Verkehrs. All jene, die sagen, das ist nur was für Großstädte, die vergessen die vielen Mittelstädte und die Kleinststädte, wo es Busse gibt, die wiederum die Menschen zu Regionalbahnen bringen können.“

Klara Geywitz (SPD), Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, will das Leben auf dem Land attraktiver machen. Das Deutschlandticket ist für sie ein erster Schritt, obwohl es laut VDV-Präsident im ländlichen Raum gar nicht so gut ankommt.

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Klara Geywitz: „Ohne das Deutschlandticket verändert sich gar nichts“

Eine Analyse des am Ministerium angegliederten Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung zeige, dass der „ÖPNV in Deutschland flächendeckend gut ausgebaut“ sei. „90 Prozent der Bevölkerung in Deutschland können mindestens eine Bus- oder Bahnhaltestelle mit wenigstens täglich 20 Abfahrten fußläufig gut erreichen“, sagt Geywitz BuzzFeed News Deutschland.

Die Analyse zeige allerdings auch, dass insbesondere in einigen Landkreisen in Bayern erhebliche Angebotsdefizite bestehen. Aber: „Ohne das Deutschlandticket verändert sich gar nichts. Jetzt werden mehr Menschen zumindest überlegen, ob die Bahn oder der Bus nicht auch eine Alternative sind“, sagt die Bundesbauministerin.

Was die Problematik in Bayern anbelangt, verweist sie auf die Verantwortlichkeit des Freistaats, vor der Markus Söder (CSU) auch bei anderen Themen wie Lehrkräftemangel nicht die Initiative scheut: „Das Angebot an ÖPNV kann bei entsprechender Prioritätensetzung auch auf dem Land ausgebaut werden. Das zeigen Bundesländer wie das Saarland oder Baden-Württemberg“, so Geywitz.

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(Mit Material der dpa)

Rubriklistenbild: © Christian Charisius/dpa, photothek/IMAGO

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