„Die haben sonst keinen“: Wer in einer Schwarz-roten Koalition als SPD-Vizekanzler infrage kommt
VonJana Stäbener
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Nach der Bundestagswahl erscheint eine Schwarz-rote Koalition als wahrscheinlich. Zwei Tipps, welcher SPD-Politiker Vizekanzler werden könnte.
Update vom 24. Februar, 8 Uhr: Die SPD erleidet bei der Bundestagswahl 2025 eine historische Niederlage mit 16,41 Prozent (vorläufiges Endergebnis) der Stimmen. Doch es gibt auch eine gute Nachricht für Noch-Bundeskanzler Olaf Scholz: Er gewann seinen Wahlkreis. Ob er jedoch ein Mandat bekommt, muss sich aufgrund des neuen Wahlrechts erst noch zeigen.
Das SPD-Präsidium schlug Parteichef Lars Klingbeil als Vorsitzenden der Bundestagsfraktion vor. CDU-Chef und Wahlgewinner Friedrich Merz steht nun vor der Aufgabe, eine neue Regierung zu bilden. Möglich ist nach dem vorläufigen Endergebnis eine Koalition aus SPD und Union. Scholz stehe im Fall von Koalitionsgesprächen von Union und SPD nicht als Verhandlungsführer seiner Partei zur Verfügung, kündigte Scholz in der „Berliner Runde“ von ARD und ZDF an.
Originalmeldung vom 21. Februar, 19:55 Uhr: Am Sonntag ist Bundestagswahl, der Wahlkampf befindet sich in der Endphase. In der neuen Sonntagsfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov führt mit 29 Prozent weiterhin die Union (CDU/CSU) mit Kanzlerkandidat Friedrich Merz. Dieser wird damit wahrscheinlich der nächste Bundeskanzler. Voraussichtlich in einer Koalition mit SPD oder Grünen, die in der neuen Umfrage weit hinter der Union zurückliegen und auf 16 und 13 Prozent kommen.
Noch unklar ist, ob es für ein Zweierbündnis reicht oder es wieder eine Dreier-Koalition geben wird. Das hängt auch davon ab, wer von den kleineren Parteien (Linke, FDP, BSW) in den Bundestag einziehen darf. Schon jetzt klar ist hingegen: SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz wird unter einem neuen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) keinen Posten als Minister oder gar Vizekanzler übernehmen. Das machten beide Kandidaten in der „ARD“-Wahlarena am 18. Februar deutlich.
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„Scholz politische Karriere ist vorbei“, sagt der Politikwissenschaftler Klaus Schroeder von der Freien Universität Berlin BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. „Er geht als schwächster Kanzler nach Kurt Georg Kiesinger in die deutsche Kanzlergeschichte ein, so wenig Zustimmung hatte kaum einer.“ Daten der Forschungsgruppe Wahlen zeigen, dass Olaf Scholz am Ende seiner Amtszeit, was Leistung und Sympathie anbelangt, deutlich hinter früheren Kanzlern wie Gerhard Schröder und Kanzlerin Angela Merkel liegt.
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Wenn nach der Bundestagswahl die Wählerstimmen und Zahl der Abgeordneten für eine große Koalition (schwarz-rot) reichen, dann „Ohne Olaf Scholz“, sagt Klaus Schroeder BuzzFeed News Deutschland. Wer käme stattdessen als Vizekanzler infrage? Klaus Schroeder glaubt, der Noch-Bundesarbeitsminister Hubertus Heil. „Die haben sonst keinen“, sagt er. Heil decke den Sozialpolitikbereich, der der SPD sehr wichtig sei, am besten ab. „Und er kann die verschiedenen Lager in der SPD am besten repräsentieren“, sagt der Politikwissenschaftler.
Die SPD-Parteivorsitzende Saskia Esken werde kein hohes Amt in einer neuen Regierungskoalition aus Union und SPD innehaben, spekuliert Klaus Schroeder. „Diese Selbstzerfleischung macht die SPD nicht mit.“ Dafür sei Esken bei den Partei-Funktionären und der Bevölkerung zu unbeliebt. Was ist mit Lars Klingbeil? Auch der sei nicht „profiliert“ genug für die Rolle als Vizekanzler und werde zu sehr mit Esken assoziiert, sagt er.
Sein Politikwissenschaftskollege Wolfgang Schroeder von der Universität Kassel sieht das anders: „Die Verbindung mit Esken ist Quatsch“, sagt er BuzzFeed News Deutschland. Er hat von 2009 bis 2014 als Staatssekretär unter einem SPD-Minister in Brandenburg gearbeitet. „Klingbeil ist Parteivorsitzender und als solcher wird er auch die Position des Vizekanzlers anstreben“, sagt Wolfgang Schroeder.
Politikexperte: „Merz, Scholz und Habeck sind doch keine kleinen Adenauers!“
Wer noch infrage käme, sei der beliebte Verteidigungsminister Boris Pistorius. Aber: „Der will sich nicht verbrennen lassen, nehme ich an und hält sich lieber für eine neue Regierung 2029 bereit“, sagt Klaus Schroeder. Und er müsse sich erst abseits von Verteidigungspolitik beweisen, bevor er ein hohes Amt in der SPD wahrnehmen könne. Sozialpolitik sei nun mal das, was der SPD – besonders in einer Koalition mit der CDU/CSU – wichtig sei. „Da passt Heil einfach besser“, sagt der Politikexperte aus Berlin BuzzFeed News Deutschland.
„Wäre Kevin Kühnert fit, wäre er die Nummer eins“, glaubt Klaus Schroeder. Der ehemalige SPD-Generalsekretär und Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert hatte im Oktober 2024 aufgrund von Krankheit seinen Rückzug als Politiker angekündigt. Seitdem fehlt von einem anderen jungen Gesicht in der SPD jegliche Spur. „In allen Parteien gibt es keinen richtigen Nachwuchs“, kritisiert Klaus Schroeder. „Merz, Scholz und Habeck glauben wohl, sie können mit 80 noch herumwuseln. Aber sie sind doch keine kleinen Adenauers!“