VonMoritz Maierschließen
Esken ist raus, Klingbeil starker Mann. Die SPD hat alle Posten verteilt – bis auf einen: den des Generalsekretärs. Der Blick geht zur Parteilinken.
Berlin – Viele bekannte SPD-Gesichter der vergangenen Jahre werden in der neuen Bundesregierung von Friedrich Merz (CDU) und Lars Klingbeil keine Rolle mehr spielen. Co-Parteichefin Saskia Esken und der langjährige Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil gehören zu den prominenten Ausgebooteten. Doch wo alte Gesichter gehen, entsteht Raum für neue. Matthias Miersch rückte am Mittwoch, 7. Mai, vom Generalsekretär zum Fraktionsvorsitzenden auf und gibt damit einen der wichtigsten Posten in einer Bundespartei frei.
Nächster SPD-Generalsekretär: Hat Klingbeil Klüssendorf im Visier?
Der Generalsekretär (oder die Generalsekretärin) einer Partei organisiert viele interne Prozesse und Abstimmungen, ist aber nach außen auch Gesicht der Partei. Außerdem hält ein guter Generalsekretär dem oder den Parteivorsitzenden den Rücken frei. Mit am wichtigsten: Ein Generalsekretär ist maßgeblich für Organisation und Strategie eines Wahlkampfs verantwortlich.
Ein mächtiges Amt also. Auch für die eigene Karriere. So schaffte es Miersch nach nur kurzer Zeit im Amt (sein Vorgänger Kevin Kühnert trat aus privaten Gründen zurück) nun in den Fraktionsvorsitz. Zuvor hießen die sozialdemokratischen Generalsekretäre Katharina Barley (heute Vizepräsidentin des Europaparlaments) und Lars Klingbeil (heute SPD-Chef).
Über ein neues Amt für Miersch wurde immer wieder spekuliert – und damit auch die Frage nach seiner Nachfolge gestellt. Besonders oft fiel in SPD-Kreisen schon länger der Name Tim Klüssendorf.
Klüssendorf ist Sprecher der Parlamentarischen Linken, neben dem konservativen Seeheimer Kreis der große Flügel der SPD-Fraktion. Der Lübecker Abgeordnete und studierte Volks- und Betriebswirtschaftler sitzt erst seit 2021 im Bundestag und ist mit 33 Jahren einer der jüngeren Parlamentarier. Er gilt trotzdem schon als gut vernetzt, kann mit Parteichef Klingbeil und hat als einziger Sozialdemokrat aus Schleswig-Holstein sein Direktmandat verteidigt. Ein gutes Zeichen für einen potenziellen Generalsekretär, der – wenn es nach Klingbeil geht – einen wichtigen Beitrag für den Wahlsieg 2029 legen soll.
Kampf um die Deutungshoheit in der SPD
Außerdem dürfte Klüssendorf die Parteilinken in der Fraktion befrieden. Klingbeils Ministerbesetzung gilt als Pragmatiker-Team, von einer linken Mehrheit keine Spur. Dass mit Miersch und Klüssendorf somit zwei wichtige Posten nicht an das konservative Lager fallen, könnte Klingbeil zu lautes Wehklagen ersparen. Zumal der Posten des SPD-Generalsekretärs zuletzt oft von jungen, eher links gerichteten Nachwuchstalenten besetzt wurde. Auch die wohl nächste Co-Parteichefin Bärbel Bas gehört dem linken Lager an.
Die Partei, aber auch Klüssendorf selbst, hielten sich in der Personalfrage lange bedeckt. Bestätigt wurde trotz hartnäckiger lange Spekulationen nichts. Nun soll feststehen, dass Klüssendorf beim Parteitag im Juni offiziell zum neuen Generalsekretär gewählt werden soll, schon jetzt soll er sich auf das Amt vorbereiten. Zu tun gibt es viel: Besonders im Inneren der Partei brodelt es nach vielen Wahlschlappen und der aus Sicht vieler Genossinnen und Genossen unzufriedenstellenden Koalition mit der Merz-CDU.
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