VonStephanie Munkschließen
Der Ukraine-Krieg gibt Geheimdiensten die Chance, unzufriedene Russen als Spione anzuwerben. Das FBI hat dafür wohl eigens Werbeanzeigen entwickelt - mit Putin als Hauptdarsteller.
Washington D.C. - Der US-amerikanische Geheimdienst CIA sieht im Ukraine-Krieg offenbar eine große Chance, Russen als Geheimagenten gegen das Kreml-Regime zu rekrutieren. Der Geheimdienst wolle speziell Russen, die mit Präsident Wladimir Putin und dem Ukraine-Krieg unzufrieden sind, als Informanten anwerben, berichtet die US-amerikanische Tageszeitung Wall Street Journal.
„Wir schauen uns auf der ganzen Welt nach Russen um, die genauso angewidert sind, wie wir es sind“, erklärte der Leiter der CIA-Spionageabteilung David Marlowe demnach bei einem Vortrag vor Akademikern im Bundesstaat Virginia. „Denn wir sind offen für eine Zusammenarbeit.“
Die CIA gehe laut dem Bericht schon länger davon aus, dass die Unzufriedenheit vieler Russen mit dem Ukraine-Krieg einen fruchtbaren Boden biete, um neue Informanten zu rekrutieren. Zielgruppe seien zum Beispiel verärgerte Militärs, von westlichen Sanktionen gebeutelte Oligarchen, russische Geschäftsleute der Menschen, die aus Russland geflohen sind.
FBI rekrutiert Informanten auf Facebook und Twitter - ausgerechnet mit einem Putin-Video
Die Washington Post berichtet, dass auch das US-amerikanische Kriminalamt FBI mit einer neuen Strategie um Russen werbe, die mit dem Ukraine-Krieg unzufrieden sind. Die Behörde schalte Online-Werbung auf Facebook, Twitter und Google. Diese würde speziell Personen angezeigt, die sich gerade in der Nähe der russischen Botschaft in Washington D.C. aufhalten. „Die Anzeigen wollen Unzufriedenheit oder Wut von russischen Spionen und Emigranten ausnutzen“, heißt es in dem Bericht.
Konkret werde in der Online-Werbung ein kurzes Video von Putin gezeigt, wie er gerade den Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes, Sergej Naryschkin, harsch anfährt und ihn öffentlich düpiert. Dann folge die Aufforderung an den Adressaten, sich bei Frust über Putin an das FBI zu wenden: „Wenn Sie Informationen haben, die dem FBI helfen könnten, kontaktieren Sie uns bitte.“
CIA-Spionagechef bezeichnet Ukraine-Krieg als „massiven Fehler“ Putins
CIA-Spionagechef Marlowe bezeichnete den Einmarsch in die Ukraine bei seiner Rede laut Wall Street Journal als „massiven Fehler“ Putins, der westlichen Geheimdiensten nun die Chance böte, frustrierte Russen anzuwerben. Mit dem Tag der Invasion in die Ukraine habe der russische Präsident all‘ seine Trümpfe verschwendet, so der CIA-Beamte - seine Möglichkeit, die Ukraine zu unterdrücken, die Nato zu beeinflussen und zu zeigen, dass Russland eine mächtige Nation ist.
Im Ukraine-Krieg läuft neben dem Geschehen auf dem Schlachtfeld auch ein Kampf der Geheimdienste, der sich laut dem britischen Sender BBC in den vergangenen Monaten intensivierte. Putin soll in Europa ein ganzes Netz an Spionen aufgebaut haben, die sich offenbar oft hinter ganz normalen Jobs verstecken. Auch in Deutschland sollen tausende russische Agenten aktiv sein. Unter anderem wurden Geheimdienst-Aktivitäten auf einer Militärbasis in der Oberpfalz beobachtet, wo ukrainische Soldaten ausgebildet werden.
Westen wies hunderte mutmaßliche Spione aus
Mehrere westliche Länder - auch Deutschland - haben hunderte russische Diplomaten aus ihren Ländern ausgewiesen, es soll sich dabei um Geheimdienst-Mitarbeiter handeln. Russland wiederum wies ein Drittel der deutschen Diplomaten in Russland aus.
Für Aufsehen sorgte kürzlich ein geheimes Treffen zwischen William Burns, dem Direktor der CIA, und dessen russischen Amtskollegen Naryschkin in Ankara. Der CIA-Chef soll den Direktor des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR vor dem Einsatz atomarer Waffen und einer sogenannten schmutzigen Bombe gewarnt haben. (smu)

