Ex-Präsident Trump verklagt seinen ehemaligen Anwalt und verlangt eine halbe Milliarde Dollar. Cohen habe in „böswilliger Absicht“ Unwahrheiten verbreitet.
Palm Beach – Der ehemalige US-Präsident Donald Trump verklagt seinen früheren Anwalt Michael Cohen. In einer im US-Bundesstaat Florida eingereichten Zivilklage wirft Trump Cohen unter anderem vor, er habe seine anwaltlichen Pflichten ihm gegenüber verletzt, berichteten mehrere US-Medien jüngst übereinstimmend.
So habe Cohen sich nicht an die Geheimhaltungsvereinbarung mit seinem Klienten gehalten, weil Cohen vertrauliche Informationen weitergegeben und Unwahrheiten verbreitet habe. Dies sei „in böswilliger Absicht und zu völlig eigennützigen Zwecken“. Trump fordert als Entschädigung und Strafzahlung 500 Millionen Dollar von Cohen.
Trump verklagt Ex-Anwalt Cohen und fordert 500 Millionen Dollar
„Mr. Trump benutzt und missbraucht das Justizsystem wieder einmal als eine Form der Belästigung und Einschüchterung gegen Michael Cohen“, sagte Lanny Davis, Cohens Anwalt, laut CNN-Bericht in einer Erklärung. Mr. Cohen werde sich nicht abschrecken lassen und ist zuversichtlich, dass die Klage aufgrund der Fakten und des Gesetzes scheitern werde, fügte er hinzu.
Trumps Anwaltsteam erklärte in der Klage, dass der ehemalige Präsident „keine andere Wahl hat, als den Rechtsweg zu beschreiten“, um einen ermutigten Cohen zu bekämpfen, der angeblich in letzter Zeit vermehrt falsche Aussagen über seinen ehemaligen Chef gemacht hat.
Ex-Präsident Trump verklagt ehemaligen Anwalt wegen Verstößen gegen Vertraulichkeitsvereinbarung
Der Klage zufolge gab Cohen vertrauliche Informationen preis, als er in Medieninterviews über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft von Manhattan, die zur Anklageerhebung gegen den ehemaligen Präsidenten führten, über seine frühere Beziehung zu Trump sprach.
Cohen verstieß laut Medienberichten auch gegen eine Vertraulichkeitsvereinbarung, die er mit der Trump Organization unterzeichnet hatte, als er seine beiden Bücher über Trump veröffentlichte, heißt es in der Klageschrift. Cohen habe Trump nie um Erlaubnis gebeten, vertrauliche Informationen weiterzugeben, die durch die Vereinbarung und seine anwaltlichen Pflichten vor der Veröffentlichung der Bücher hätten geschützt werden müssen, heißt es weiter in der Klageschrift. Zudem wird behauptet, dass Cohen wie in seinen Büchern auch in seinem Podcast „Mea Culpa“ „aufrührerische, irreführende oder schlichtweg falsche“ Informationen veröffentlicht hat.
Die Trump-Dynastie: Alle Mitglieder und ihre Rollen in der „First Family“
Trumps Ex-Anwalt gilt als wichtiger Zeuge bei der Anklage gegen den ehemaligen US-Präsidenten
Cohen ist der Kronzeuge bei der Anklage gegen Trump im Zusammenhang mit Schweigegeldzahlungen vergangene Woche in New York. Der heute 56-jährige Cohen hat gestanden, 130.000 Dollar Schweigegeld an Pornostar Stormy Daniels gezahlt zu haben, um zu verhindern, dass sie im Wahlkampf 2016 über ihre angebliche Affäre mit Trump sprach. Cohen wurde am Ende zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, durfte aber wegen der Corona-Pandemie einen Teil der Strafe im Hausarrest absitzen. Er bekannte sich auch schuldig, den Kongress belogen zu haben.
Mehr als ein Jahrzehnt lang arbeitete der Jurist für Trump und war eine zentrale Figur in mehreren Affären um den Republikaner. Er wurde oft als Trumps „Ausputzer“ beschrieben, bis es zum Bruch zwischen beiden kam. Trumps Anwälte stellten Cohens Glaubwürdigkeit zuletzt immer wieder infrage. Sie argumentieren, er sei bereits des Betruges und der Lüge überführt worden. Wenn es zum Prozess gegen den Ex-Präsidenten kommt, ist zu erwarten, dass dessen Verteidiger versuchen, Cohen als Zeugen darzustellen, dem nicht zu trauen sei und dem es nur um Rache gehe. (bohy/dpa)