Kundgebung vor US-Wahl

Trump verbreitet weiter rassistische Lüge über Menschen aus Haiti

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Nun also Gänse: Donald Trump wiederholte in Tucson seine Erzählung von Migranten aus Haiti, die Haustiere morden und essen.
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Donald Trump heizt vor der US-Wahl die Stimmung mit einer Mär über verspeiste Haustiere weiter an. Seine Aussagen sorgen für Aufregung in den USA.

Tucson – Donald Trump setzt vor der US-Wahl immer mehr auf Hass und Hetze. Erster Tiefpunkt war das TV-Duell gegen Kamala Harris. Dort verbreitete er die Mär, dass Zugewanderte aus Haiti mit Vorliebe die Haustiere der Menschen im US-Bundesstaat Ohio schlachten und verspeisen würden. Er stellte die Migranten regelrecht an den Pranger: „In Springfield essen sie die Hunde, sie essen die Katzen, sie essen die Haustiere der Menschen, die dort leben.“

Schockierender Moment bei TV-Duell vor US-Wahl: Trump-Hetze gegen Menschen aus Haiti – Harris verblüfft

Es war ein schockierender Moment. Kamala Harris konnte nur den Kopf schütteln. Moderator David Muir widersprach sofort und stellte klar, dass die Geschichte nicht stimme. Trump war das egal. „Nun, ich habe es im Fernsehen gesehen“, erwiderte der Kandidat der Republikaner bei der US-Wahl 2024. Die Verschwörungserzählung hat schon erste Folgen: Am Donnerstag (12. September) mussten in der Kleinstadt Springfield ein Rathaus und eine Grundschule wegen einer Bombendrohung geschlossen werden.

Nach TV-Duell: Trump wiederholt vor US-Wahl Erzählung von Migranten bei Wahlkampfauftritt

Wer dachte, Trump würde die Geschichte nach dem TV-Duell gegen Kamala Harris ruhen lassen, wurde schnell eines Besseren belehrt. Bei einer Kundgebung in Arizona vor der US-Wahl im November verschärfte er seine Aussagen erneut. Haitianische Migranten, so erklärte er der Menge, seien in Springfield „eingefallen“ und würden „ihre Lebensweise zerstören“.

Dann lenkte er die Aufmerksamkeit wieder auf die Tiere. Diesmal ging es jedoch nicht um Hunde oder Katzen. Stattdessen behauptete er, die Migranten aus Haiti hätten es auch auf die Gänse in den Parks der Region abgesehen. „Sie nehmen die Gänse mit“, sagte Trump. „Wisst ihr, wo die Gänse sind? Im Park. Im See. Und sie laufen sogar mit ihren Haustieren weg. Diese Leute sind die Schlimmsten.“

Nach TV-Duell vor der US-Wahl: Trumps Behauptung über Haustiere essende Migranten hat keine Grundlage

Trump ignoriert seit Tagen die Stellungnahmen der Behörden, die erklärt hatten, dass solche Anschuldigungen unbegründet seien. Die Verschwörungstheorie entstand vor dem TV-Duell zur US-Wahl durch einen Medienbericht über eine Frau, die angeblich eine Hauskatze getötet und gegessen hatte. Die 27-jährige Allexis F., die Ende August in Canton festgenommen wurde, stammt aus Ohio, nicht aus Haiti.

Die Geschichte verlagerte sich dann nach Springfield, das etwa 280 Kilometer von Canton entfernt liegt. „Meine Nachbarin hat mir gesagt, dass die Freundin ihrer Tochter ihre Katze verloren hat“, stand laut NewsGuard in einem inzwischen gelöschten Facebook-Beitrag. „Eines Tages ist sie von der Arbeit nach Hause gekommen, aus ihrem Auto ausgestiegen und hat zum Haus eines Nachbarn geschaut, wo Haitianer leben. Dort sah sie ihre Katze an einem Ast hängen, wie man es mit einem Reh zum Schlachten tun würde, und sie zerlegten sie zum Essen.“

Springfield (Ohio)
Gründung1801
BürgermeisterRob Rue
Bevölkerungszahl 58.106 (2022)
Zuwanderung aus Haiti10.000 bis 15.000 in den vergangenen Jahren

Der Beitrag von Erika Lee ist eine Erzählung aus vierter Hand. Sie war „schockiert“, als Trump im TV-Duell über einen Beitrag aus einer privaten Facebook-Gruppe sprach, sagte Lee gegenüber NewsGuard. „Das hat mich umgehauen.“ Die von ihr erwähnte Nachbarin Kimberley Newton war ebenfalls überrascht: „Ich bin mir nicht sicher, ob ich die glaubwürdigste Quelle bin, weil ich die Person, die die Katze verloren hat, gar nicht kenne. Ich habe keine Beweise.“

Vor US-Wahl: Trump heizt Stimmung mit Mär über Haustiere essende Migranten weiter an

Vor Trump hatte bereits sein Vizekandidat J.D. Vance den Vorwurf verbreitet, illegal eingewanderte Menschen aus Haiti würden in Springfield Haustiere stehlen und essen. Mittlerweile posten zahlreiche Republikaner KI-generierte Bilder im Netz, auf denen Haustiere zu sehen sind – oft mit Aufrufen zur Rettung. Auch Trump veröffentlichte auf Truth Social solche Beiträge, darunter ein Bild von Kätzchen, die ein Schild halten mit der Aufschrift: „Lasst nicht zu, dass sie uns essen. Stimmt für Trump!“ (cs)

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