Trump nennt Staatsanwältin bei Zeugenaussage „rassistisch“
VonChristoph Gschoßmann
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Der ehemalige US-Präsident verteidigt im New Yorker Prozess sein Geschäftsimperium. Die Staatsanwältin beleidigt er - und mit dem Richter gerät er aneinander.
New York City - Donald J. Trump sitzt mal wieder vor Gericht. Diesmal geht es um seine Firma: Am Montag (6. November 2023) begann in einem vollbesetzten Gerichtssaal in der US-Metropole New York City seine Zeugenaussage in dem Prozess, der sein Wirtschaftsimperium bedroht. Dieser geht auf eine Klage der New Yorker Generalstaatsanwältin Letitia James zurück, in der Trump und andere Angeklagte, darunter auch seine Söhne Donald Jr. und Eric, beschuldigt werden, den Wert von Vermögenswerten zu erhöhen. Dadurch haben sie günstige Kredite und Versicherungsverträge erhalten.
Trump wird vom Richter zurechtgewiesen: „Keine politische Kundgebung“
Nun hört die Welt also zu, was der ehemalige US-Präsident Trump zu den Anschuldigungen zu sagen hat. Laut Beobachtungen der New York Times verhielt er sich im Zeugenstand „wortreich und sogar explosiv“, und Richter Arthur F. Engoron hatte demnach „Schwierigkeiten“, ihn „im Zeugenstand zu kontrollieren“. Zu Beginn seiner Aussage wies Engoron Trump demnach an, eine ihm vom Anwalt des Generalstaatsanwalts Kevin Wallace gestellte Frage zu beantworten. Er sagte zu Trump: „Keine Reden.“
Dies ignorierte der Angeklagte aber, also wandte sich der Richter an Trumps Anwalt Christopher M. Kise und forderte ihn auf, seinen Mandanten zu kontrollieren. Der Richter mahnte: „Dies ist keine politische Kundgebung.“ Trump brachte sich wie so oft in die Opferrolle: „Dies ist ein sehr unfairer Prozess. Sehr, sehr. Und ich hoffe, dass die Öffentlichkeit zuschaut.“ Zuletzt hatte er auch den Hauptzeugen als „Feigling“ beschimpft.
Auffällig waren auch Trumps Angriffe in Richtung James. Die Generalstaatsanwältin von New York hat sich zur Erzfeindin Trumps entwickelt. Als dieser den Gerichtssaal betrat, bezeichnete er James als „rassistisch“ und polterte im Zeugenstand weiter gegen sie. Er nannte James, die in der ersten Reihe des Publikums saß, als „eine politische Hackerin“, die diesen Fall bei ihrem Versuch, für das Amt des Gouverneurs zu kandidieren, ausgenutzt hatte. Weiter warf er der Generalstaatsanwaltschaft vor, ihn zu erniedrigen. Dabei zeigte er direkt auf James. Diese äußerte nach der Verhandlung, Trump habe versucht abzulenken, doch merkte sie auch an, dass „die Zahlen nicht lügen“. Auch den Richter hatte Trump während des Prozesses bereits angegriffen. Er hatte einen Maulkorb gegen ihn verhängt.
Trump gibt zu, an den Finanzberichten beteiligt gewesen zu sein
Trump gab während der vier Stunden im Zeugenstand zu, dass er bei der Erstellung seiner Finanzberichte eine Rolle gespielt habe, und sagte, dass er sie sich angesehen und gelegentlich Vorschläge gemacht habe. Er wies auch weiterhin darauf hin, dass sein Vermögen in den Aussagen tatsächlich unterbewertet sei. Dennoch distanzierte er sich auch von den Dokumenten und schob die Schuld stattdessen auf den ehemaligen Kontrolleur der Trump Organization, Jeff McConney, außerdem auf Allen H. Weisselberg, seinen ehemaligen Finanzvorstand, sowie auf seinen externe Buchhalterfirma Mazars USA. Er wies auch auf die Haftungsausschlüsse in den Dokumenten hin und sagte, sie machten klar, dass man den Finanzberichten nicht implizit vertrauen dürfe.
Mugshots in Georgia: Polizeifotos von Trump und weiteren Angeklagten
Richter Engoron hatte bereits vor Prozessbeginn entschieden, dass Trump und die anderen Angeklagten wegen Betrugs haftbar seien. Er wird über die Bestrafung von Herrn Trump entscheiden. James hatte gefordert, dass Trump 250 Millionen US-Dollar zahlen soll, und dass ihm und seinen Söhnen dauerhaft die Führung eines Unternehmens in New York untersagt wird. Trump jedoch bestreitet jegliches Fehlverhalten. Seine Anwälte argumentierten, dass die Vermögenswerte keinen objektiven Wert hätten und dass unterschiedliche Bewertungen bei Immobilien üblich seien. (cgsc)