Nach Attentat

„Von Gott begünstigt“: Trump wird auf Parteitag religiös verklärt

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Himmlischer Beistand für Donald Trump? Ein Großteil seiner Anhängerschaft glaubt nach dem Attentat, der ehemalige Präsident sei „von Gott begünstigt“.

Milwaukee – Der Parteitag der Republikaner in Milwaukee hat die religiöse Verehrung von Donald Trump auf eine neue Ebene gehoben. Nach einem knapp fehlgeschlagenen Attentat auf den ehemaligen Präsidenten wird Trump von seinen rechtsreligiösen Anhängerinnen und Anhängern zunehmend als göttliche Figur betrachtet.

Religiöse Verklärung nach Attentat: Überleben Trumps „ein Wunder“

Das Attentat, bei dem er leicht am Ohr verletzt wurde, hat seine Anhängerschaft bestärkt, Trump als von Gott gesandten Erlöser zu sehen. Jack Prendergast, ein Delegierter aus New York, behauptete, Trump habe „einen Engel auf seiner Schulter sitzen gehabt“, der ihn vor Schlimmerem bewahrt habe. Sylvia Spivey, eine weitere Teilnehmerin, bezeichnete das Überleben Trumps als „ein Wunder“ und sagte, Trump habe „eine Kugel für uns alle eingesteckt“.

Donald Trump auf dem Parteitag der Republikaner in Milwaukee. Bei einem Attentat wenige Tage zuvor in Pennsylvania wurde er am Ohr verletzt.

Ein Bild, das Trump blutend und mit erhobener Faust vor der US-Flagge zeigt, wurde auf dem Parteitag als T-Shirt verkauft und verstärkte seinen Märtyrer-Status. Der Historiker Matthew Sutton erläuterte in der Washington Post, dass Trumps religiöse Fans in seinem Überleben eine Bestätigung seines göttlichen Auftrags sehen, „den Vereinigten Staaten und der Welt die Erlösung zu bringen“.

Trump und seine rechtsreligiösen Anhänger

Schon vor dem Attentat wurde Trump von vielen seiner evangelikalen und rechtsreligiösen Anhänger als eine messianische Figur verehrt. Sie sehen ihn als Kämpfer gegen die „gottlose Linke“ und als Beschützer ungeborener Babys und traditioneller christlicher Werte. Dabei wird oft übersehen, dass Trump selbst nicht als Vorbild christlicher Tugenden gilt.

Trotz verschiedener Vorwürfe und Verurteilungen gegen Trump, einschließlich sexueller Gewalt und einer angeblichen Affäre mit dem Erotikdarstellerin Stormy Daniels, hat dies seiner Erhöhung zum Erlöser nicht geschadet. Trump selbst fördert seine quasi-religiöse Verklärung, indem er nach dem Attentat erklärte: „Es war Gott allein, der verhindert hat, dass das Undenkbare geschieht“.

Trump im Umfrage weiter knapp vor Biden – Attentat hat kaum Einfluss

Doch an den Umfragewerten, Monate vor der US-Wahl, hat das Attentat kaum etwas geändert. Eine Umfrage von Reuters/Ipsos ergab, dass das Attentat keinen signifikanten Einfluss auf die Wählerstimmung hatte. Trump liegt mit 43 Prozent knapp vor Joe Biden, der auf 41 Prozent kommt. Die Umfrage unter 1202 erwachsenen US-Bürgerinnen und Bürgern zeigt, dass 65 Prozent der registrierten Republikaner glauben, Trump sei „von der göttlichen Vorsehung oder dem Willen Gottes begünstigt“.

Interessanterweise stimmten 80 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass „das Land außer Kontrolle gerät“, und 84 Prozent äußerten Besorgnis über mögliche Gewalttaten von Extremisten nach der Wahl. Nur fünf Prozent der Befragten hielten es für akzeptabel, Gewalt für politische Ziele einzusetzen.

Trump plant Rede auf Republikaner-Parteitag

Trump wird am Donnerstag (18. Juli) auf dem Parteitag eine Rede halten und seine Nominierung für die Präsidentschaftswahl im November formell annehmen. Dies wird voraussichtlich einen weiteren Höhepunkt seiner messianischen Verklärung darstellen. Die ultrarechte Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene bedankte sich in ihrer Rede bei Gott dafür, dass er „seine Hand über Präsident Trump gehalten hat“.

Das Trump-Attentat in Bildern: Schüsse, Chaos und ein blutender Ex-Präsident

US-Wahlkampf in Butler, Pennsylvania. Die Menge wartet auf Donald Trump, nicht wissend, dass gleich Schüsse fallen werden.
US-Wahlkampf in Butler, Pennsylvania. Die Menge wartet auf Donald Trump, nicht wissend, dass gleich Schüsse fallen werden. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Donald Trump auf der Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania.
Donald Trump auf der Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania. Kurze Zeit später fielen die Schüsse. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Schüsse fallen, Trump duckt sich weg. Der Secret Service eilt herbei. Als die Gefahr gebannt ist, wird Trump behandelt und von der Bühne gebracht.
Schüsse fallen, Trump duckt sich weg. Der Secret Service eilt herbei. Als die Gefahr gebannt ist, wird Trump behandelt und von der Bühne gebracht. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Schwerbewaffnete Soldaten bewachen die Bühne nach den Schüssen auf Donald Trump.
Schwerbewaffnete Soldaten bewachen die Bühne nach den Schüssen auf Donald Trump. Im Hintergrund decken Secret-Service-Mitarbeiter den Ex-Präsidenten hinter dem Pult. © dpa/AP | Evan Vucci
Auf Videos ist zu hören, wie der Secret Service bestätigt, dass der Täter „neutralisiert“ sei. Daraufhin wird Trump von der Bühne eskortiert.
Auf Aufnahmen ist zu hören, wie der Secret Service bestätigt, dass der Täter „neutralisiert“ sei. Daraufhin wird Trump von der Bühne eskortiert. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Nach den Schüssen auf Donald Trump erwidern Scharfschützen der Polizei das Feuer auf den Täter.
Nach den Schüssen auf Donald Trump erwidern Scharfschützen der Polizei das Feuer auf den Täter. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Wenige Momente nach dem versuchten Mordanschlag auf ihn reißt Trump kämpferisch die Faust in die Höhe.
Ein Bild, das wohl auch im US-Wahlkampf immer wieder auftauchen wird. Wenige Momente nach dem versuchten Mordanschlag auf ihn reißt Trump kämpferisch die Faust in die Höhe. © dpa/AP | Evan Vucci
Donald Trump direkt nach den Schüssen auf ihn: Der Ex-Präsident ist blutverschmiert, scheint am Ohr getroffen.
Donald Trump direkt nach den Schüssen auf ihn: Der Ex-Präsident ist blutverschmiert, scheint am Ohr getroffen. © dpa/AP | Evan Vucci
In einer Traube von Secret-Service-Mitarbeitern verlässt der blutverschmierte Trump nach den Schüssen die Bühne.
In einer Traube von Secret-Service-Mitarbeitern verlässt der blutverschmierte Trump nach den Schüssen die Bühne. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Agenten des Secret Service umringen Ex-Präsident Trump. Der zeigt sich kämpferisch, hebt die Faust.
Agenten des Secret Service umringen Ex-Präsident Trump. Der zeigt sich kämpferisch, hebt die Faust. Zuvor rief er noch „fight“ in das Pult-Mikrofon. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Donald Trump ist nach dem Attentat auf einer Wahlkampfveranstaltung verletzt – Bilder zeigen ihn mit blutendem Ohr.
Donald Trump ist nach dem Attentat auf einer Wahlkampfveranstaltung verletzt – Bilder zeigen ihn mit blutendem Ohr. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Panik im Publikum: Nach den Schüssen auf Donald Trump gehen Menschen in Deckung, Sicherheitskräfte assistieren.
Panik im Publikum: Nach den Schüssen auf Donald Trump gehen Menschen in Deckung, Sicherheitskräfte assistieren. © dpa/AP | Evan Vucci
Eskortiert vom Secret Service steigt Trump nach den Schüssen auf ihn in ein Auto, das ihn vom Ort des Angriffs weg bringt. Noch immer hat er die Faust erhoben.
Eskortiert vom Secret Service steigt Trump nach den Schüssen auf ihn in ein Auto, das ihn vom Ort des Angriffs weg bringt. Noch immer hat er die Faust erhoben. © dpa/AP | Gene J. Puskar
Das Gelände der Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania. Hier kam es zu den Schüssen auf Trump
Das Gelände der Wahlkampfveranstaltung in Butler, Pennsylvania. Hier kam es zu den Schüssen auf Trump – das Chaos lässt auf die entstandene Panik deuten. © dpa/AP | Evan Vucci
Der Ort des Geschehens nach dem Anschlag. Die Umgebung ist mit gelbem Flatterband abgesperrt.
Der Ort des Geschehens nach dem Anschlag. Die Umgebung ist mit gelbem Flatterband abgesperrt.  © dpa/AP | Evan Vucci

In den sozialen Netzwerken kursiert ein Bild, das Jesus Christus zeigt, wie er Trump schützend die Hände auf die Schultern legt. Trumps Schwiegertochter Lara Trump postete das Bild auf Instagram mit dem biblischen Spruch „Fürchte dich nicht, denn ich stehe dir bei“.

Die religiöse Verklärung Trumps und die Überzeugung seiner Anhängerschaft, dass er göttlichen Schutz genießt, wird auch in den kommenden Monaten ein Thema im US-Wahlkampf bleiben. (mit afp)

Rubriklistenbild: © Brendan Smialowski/AFP

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