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Der Krieg wird immer brutaler: Ukrainische Streitkräfte und russische Armee bekämpfen jetzt wohl sogar einzelne Front-Soldaten mit Kamikaze-Drohnen.
Bachmut – Der Ukraine-Krieg fordert ungehemmt Tote auf beiden Seiten. Die Verluste steigen und steigen jeweils, während sich die russische Armee Wladimir Putins auf der Krim eingräbt und die ukrainischen Streitkräfte bei ihrer Gegenoffensive rund um Bachmut deutlich vorankommen.
Ukraine-Gegenoffensive: Beide Seiten jagen Soldaten mit Kamikaze-Drohnen
Die Brutalität nimmt indes völlig ausschweifende Ausmaße an - und das auf beiden Seiten. Kursierende Twitter-Videos und ein fürchterlicher Erlebnisbericht eines Vaters von der Front belegen: Sowohl Russland als auch die Ukraine machen nun wohl sogar mit Kamikaze-Drohnen Jagd auf einzelne Soldaten.
Der Ukrainer Andrej, der seinen Sohn an der Front in der östlichen Region Donezk verloren hat, schilderte dem Heute-Journal des ZDF von einer entsprechenden Drohnen-Attacke der Russen.
Ukraine-Krieg: Kamikaze-Drohne tötet jungen Soldaten in der Region Donezk
„Dieser Helm gehört meinem Sohn. Er ist mir ein wenig zu klein, aber so erinnere ich mich an ihn. Erinnere ich mich“, sagt Andrej in dem Beitrag, der in der Mediathek des ZDF abrufbar ist. Laut dem Bericht wurde Gustav, so sein Name, nur 21 Jahre jung. Er habe neben seinem Vater am selben Frontabschnitt gekämpft. Zwei Tage vor Beginn der ukrainischen Gegenoffensive habe ihn eine russische Kamikaze-Drohne getötet, berichtet das Heute-Journal. Vater Andrej habe erzählt, dass sein Sohn in einem geschlossenen Sarg beigesetzt wurde. „Er war nicht mehr zu erkennen“, wird er zitiert.
Ich wollte ihn beschützen, aber er wollte ein Held werden. Und er hat gewonnen.
Ehe er im Interview erzählt: „Er wollte ein Held sein, für mich. Und er hat es geschafft. Ich wollte ihn beschützen, aber er wollte ein Held werden. Und er hat gewonnen.“ Andrej soll dem Bericht zufolge erst vor Tagen mit dem 68. Jäger-Bataillon der ukrainischen Armee das Dorf Blahodatne direkt an der russischen Hauptverteidigungslinie südwestlich der Großstadt Donezk befreit haben. Er kämpfe weiter, wünsche sich den Sieg und eine Siegesparade, wird erklärt.
Ukraine-Gegenoffensive: Kiew und Moskau setzen auf Kamikaze-Drohnen
Während die Ukraine versucht, zwischen Kachowkaer Stausee, Pjatychatky und Orichiw in Richtung AKW Saporischschja am Dnipro vorzustoßen, mehren sich bei Telegram und Twitter Videos beider Seiten, wie sie einzelne Soldaten mit ihren Kamikaze-Drohnen jagen, die oft klein sind, vier Propeller haben und zum Beispiel eine Handgranate tragen, die mittels ferngesteuertem Mechanismus gelöst werden kann.
Gegenoffensive: Hohe Verluste für Russland und die Ukraine
Ein exemplarisches Video soll aus dem Gebiet rund um Bachmut stammen und ist unter dem entsprechenden Hashtag beim Kurznachrichtendienst zu finden. Es kann nicht unabhängig verifiziert werden, wirkt aber authentisch. Wegen der Brutalität wird unsere Redaktion es hier nicht zeigen. Es bildet ab, wie eine Kamikaze-Drohne zwei mutmaßlich russische Soldaten in einem Schützengraben verfolgt, ehe einer der Männer stehenbleibt. Die Drohne schlägt mit hoher Geschwindigkeit genau neben ihm ein, es kommt zur Explosion.
Zurück bleibt ein offenbar lebloser Körper. Wie so oft in den heftigen Kämpfen zwischen Charkiw, Donezk, Saporischschja und Cherson. Nach Angaben des Medienprojekts The Kyiv Independent, das seine Informationen vom Generalstab aus Kiew bezieht, verlor die russische Invasionsarmee seit dem 24. Februar 2022 geschätzt 222.650 Soldaten durch Tod oder Verwundung. Zu eigenen Verlusten macht die Ukraine keine Angaben. Sie sollen Twitter-Videos zufolge und laut Kreml aber ebenfalls hoch sein. (pm)
Rubriklistenbild: © Screenshot ZDF Mediathek


