VonJana Stäbenerschließen
Die Union findet, eine leichtere Einbürgerung und doppelte Staatsbürgerschaft „entwertet den deutschen Pass“. Damit „entwertet sie Menschen“.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) bekommt für ihre Pläne zur leichteren Einbürgerung zwar Zuspruch aus der Wirtschaft, aber Widerstand aus der Politik – vor allem von der Union, aber auch von einigen Politiker:innen der FDP. Die Jungen Liberalen finden, der Unions-Chef Friedrich Merz verhält sich beim Thema Einbürgerung „hochnotpeinlich“. Er sprach davon, dass keine Einwanderung in die Sozialsysteme stattfinden dürfe. CDU-Generalsekretär Mario Czaja sagte der Rheinischen Post am Montag, 28. November, der deutsche Pass dürfe nicht entwertet werden. Es müsse weiter gelten: „erst Integration, dann Staatsbürgerschaft“.
Doppelte Staatsbürgerschaft: CDU kritisiert Einbürgerungspläne der Bundesregierung
Alexander Throm (CDU), sagte laut Deutscher Presse-Agentur (dpa): „Anstatt die Migration zu steuern, verteilt die Ampel immer mehr Bleiberechte für abgelehnte Asylbewerber.“ Demnächst solle sogar die deutsche Staatsangehörigkeit großflächig verteilt werden, ohne zu verlangen, die doppelte Staatsbürgerschaft aufzugeben. Wer aber ein „Bekenntnis für Deutschland“ wolle, müsse eine solche Entscheidung erwarten dürfen.
Die Einbürgerungspläne der Bundesregierung sehen vor, die gesetzlichen Hürden für Einbürgerungen zu senken und bei länger in Deutschland lebenden Ausländern auch aktiv für die deutsche Staatsbürgerschaft zu werben. Statt wie bislang nach acht Jahren soll man künftig bereits nach fünf Jahren Aufenthalt in Deutschland die Staatsbürgerschaft erhalten können, bei „besonderen Integrationsleistungen“ sogar nach drei Jahren.
Für Ausländer, die das 67. Lebensjahr vollendet haben, sollen die bislang geltenden Anforderungen an das Sprachniveau gesenkt werden. Auch beim Chancen-Aufenthaltsrecht gibt es neue Regeln – das ist nur „Ausdruck von gesundem Menschenverstand“, kommentieren SPD-Politiker:innen. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan sagte, man wolle mit den Neuerungen, „den letzten Staub der Kaiserzeit aus dem Einbürgerungsrecht“ klopfen.
Menschen mit Migrationshintergrund teilen auf Twitter gegen Argumente der Union aus
Dass sich die Union so querstellt und davon spricht, dass „der deutsche Pass nicht zur Ramschware werden“ darf, stößt bei Twitter auf Unverständnis. Vor allem Menschen, die selbst einen Migrationshintergrund haben, finden, dass Union-Politiker ja wohl keinerlei Recht haben, von „Anforderungen an die deutsche Staatsbürgerschaft“ zu sprechen. Denn: Die meisten von ihnen wurden einfach hier geboren.
Hier kommen 9 Tweets, die jegliche Argumente gegen leichtere Einbürgerung schneller entwerten, als jeder Ausländer den deutschen Pass ever.
1. Die Journalistin Düzen Tekkal schreibt dem Unionspolitiker Christoph Ploss: „Du musstest nur geboren werden. Viele von uns hatten dieses Glück nicht.“
Lieber @christophploss, für Dich war die Anforderung an die deutsche #Staatsbürgerschaft ziemlich niedrig: Du musstest nur geboren werden. Viele von uns hatten dieses Glück nicht. By the way: Diesen 90er Jahre Roland-Koch-Sprech kann niemand mehr hören. #GermanDream statt Angst! https://t.co/aUOI3MlwiL
— Düzen Tekkal (@DuezenTekkal) November 29, 2022
2. Die Eltern der SPD-Politikerin Derya Türk-Nachbaur gehören zur sogenannten „Gastarbeitergeneration“. Dass die Union davon spricht, dass sie den deutschen Pass entwerten würden, „entwerte sie Menschen“.
Meine Eltern gehören zur sog."Gastarbeitergeneration".
— Derya Türk-Nachbaur (@derya_tn) November 25, 2022
Sie haben sich hier bucklig gearbeitet.
Die BuReg arbeitet daran,dass auch die Generation meiner Eltern die 🇩🇪 Staatsbürgerschaft bekommen kann.
Union dazu: "der deutsche Pass wird entwertet."
Die Union entwertet Menschen.
Migration ist keine Einbahnstraße: Erfinder:innen mit Migrationshintergrund sind „unverzichtbar für die Innovationskraft Deutschlands“.
3. „Wenn jemand die deutsche Staatsbürgerschaft entwertet, dann sind es Rassisten, Nationalisten, Libertäre und Normalitaristen, die sich selbst Mitte nennen.“
Wenn jemand die deutsche Staatsbürgerschaft entwertet, dann sind es Rassisten, Nationalisten, Libertäre und Normalitaristen, die sich selbst Mitte nennen.
— Mario Sixtus 🇭🇰馬六 (@sixtus) November 29, 2022
4. „Staatsbürgerschaft durch Geburt erwerben, ohne etwas dafür geleistet zu haben, aber anderen vorschreiben, sie müssten sie sich erst verdienen.“
#Staatsbürgerschaft durch Geburt erwerben ohne etwas dafür geleistet zu haben, aber anderen vorschreiben sie müssten sie sich erst verdienen. Klasse Humor!
— Anonymous Kollektiv Germany (@Anonymous9775) November 27, 2022
5. Dass die Union von „verramschen“ spricht, trifft Ayse Asar, Staatssekretärin im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst sehr. Ihre Mutter hat sich als Gastarbeiterin abgerackert, twittert sie.
Meine Mutter hat als Gastarbeiterin am Fließband gearbeitet, gleichzeitig Kinder großgezogen, heute Managerin, Studienstiftlerin, Staatssekretärin und Kaufmann. Und die Union spricht von „verramschen“, „einfach so ohne Leistung vergeben“ der Deutschen #Staatsbürgerschaft.
— Ayse Asar (@AyseAsar4) November 27, 2022
Menschen nur dann zu dulden, wenn sie hart arbeiten, sei menschenverachtend, findet Pro Asyl. Die Organisation fordert, dass auch Geflüchtete Anspruch auf Bürgergeld haben.
6. Ärztin und Autorin Gilda Sahebi twittert: „Bei der Wahl zwischen Wissenschaft fördern oder Rassismus fördern, wählt die Union den Rassismus.“
Egal, dass Studien belegen, dass ein einfacherer Zugang zur Staatsbürgerschaft die Integration fördert. Bei der Wahl zwischen Wissenschaft fördern oder Rassismus fördern wählt die Union den Rassismus. Why am I not surprised. https://t.co/Y14gt4e9Q1
— Gilda Sahebi (@GildaSahebi) November 29, 2022
7. „Unsere Elterngeneration muss niemandem mehr etwas beweisen“, findet Grünenpolitiker Ali Baş.
Unsere Elterngeneration muss niemandem mehr etwas beweisen, schon gar nicht der Union und Teilen der FDP. Das haben sie bereits, als sie ihre Heimat verließen und hier Arbeit und Deutschland als Lebensmittelpunkt angenommen haben. Es geht um Respekt! #Staatsbuergerschaft
— Ali Baş (@alibas76) November 30, 2022
8. Laut Politikwissenschaftler Johannes Hillje, suggeriere der Begriff „Entwertung“, dass Einbürgerungsanwärter:innen weniger wert seien. „Ein perfides #Framing der Ungleichwertigkeit.“
Der Begriff der "Entwertung" der #Staatsbürgerschaft (FDP, CDU/CSU) suggeriert den Staatsbürgerinnen, ein Teil ihrer Identität verliert an Wert, ihnen wird etwas genommen. Einbürgerungs-Anwärtern suggeriert es, sie sind weniger wert. Eine perfides #Framing der Ungleichwertigkeit. pic.twitter.com/xNXNdPUQ9n
— Johannes Hillje (@JHillje) November 28, 2022
9. „Was kann die CDU eigentlich außer gegen arme Menschen, Migranten und Kiffer zu hetzen?“
Was kann die CDU eigentlich außer gegen arme Menschen, Migranten und Kiffer zu hetzen?#Staatsbuergerschaft
— WannWirdDasGrasLegal (@Volker_Pudt) November 29, 2022
Mehr zu Migration: Auch an Nancy Faeser gab es letztens Kritik, weil sie „Stimmung gegen Menschen in Not“ mache.
Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa/Collage Screenshot @sixtus

