Studie

„Dreckige Dreißig“ bei Stahl, Zement und Chemie

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Stahlwerke, wie hier in Duisburg, landen durch ihre CO2-Emissionen
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Die Umweltstiftung WWF identifiziert die Industrieanlagen mit den höchsten Emissionen.

Geht es aktuell um Klimaschutz, stehen Heizungen und Autos im Brennpunkt. Kein Wunder, die Sektoren Gebäude und Verkehr haben bekanntermaßen eine sehr schlechte CO2-Bilanz. Hier braucht es maximale Anstrengungen, damit das deutsche Klimaziel von mindestens minus 65 Prozent CO2 bis 2030 gegenüber dem Basisjahr 1990 erreicht wird.

Weniger debattiert wird hingegen über den Beitrag der Industrie. Doch auch in diesem Sektor ist der Handlungsbedarf groß. Die Emissionen in dem Bereich sind, mit Ausnahme von Krisensituationen wie etwa wegen Corona, seit 2005 nahezu konstant.

Hier lohnt es sich, besonders bei 30 großen Industrieanlagen in den Branchen Stahl, Zement, Chemie anzusetzen. Diese „Dirty Thirty“, wie die Umweltstiftung WWF sie nennt, sind alleine für rund ein Drittel der Emissionen in dem Sektor und acht Prozent der deutschen Gesamtemissionen verantwortlich. 2022 verursachten die 30 in Deutschland rund 58 Millionen Tonnen CO2-Emissionen, wie ein am Dienstag vorgestellter Bericht des Öko-Instituts zeigt. Auftraggeber war der WWF.

Laut der Studie finden sich auf den ersten 13 Plätzen der 30er Liste Anlagen der Eisen- und Stahlerzeugung, und insgesamt geht fast die Hälfte der Industrieemissionen auf deren Konto. Die Spitzenposition nahm ein Hüttenwerk von Thyssen-Krupp in Duisburg mit 7,9 Millionen Tonnen CO2 ein. Allerdings ist der Ausstoß auch in der Zement-/Kalk- sowie der Chemieindustrie mit 25, respektive 15 Prozent, hoch. Auf das Zementwerk in Rüdersdorf bei Berlin entfallen so 1,1 Millionen Tonnen CO2.

Viviane Raddatz, Klimachefin beim WWF Deutschland, sagte: „Der Industriesektor ist ein Schwergewicht beim CO2-Ausstoß.“ Ihn zu transformieren sei eine der wichtigsten Aufgaben für Politik und Wirtschaft, um Klima und Jobs gleichermaßen zu schützen. Die sei in der Vergangenheit vernachlässigt worden.

Von allen Sektoren hat die Industrie in Deutschland die zweithöchsten Emissionen nach der Energiewirtschaft. Die meisten Werke und Anlagen werden seit 2005 durch den europäischen Emissionshandel reguliert, ebenso wie der Kraftwerkssektor und inzwischen auch der EU-Luftverkehr.

Der WWF sieht es hierbei als großen Fehler an, dass die Industrie kostenlose CO2-Zertifikate zugeteilt bekam. Das habe das CO2-Preissignal abgeschwächt und den Anreiz gesenkt, auf klimafreundliche Verfahren und Technologien umzustellen. „Nun hat man sich zwar auf ein Auslaufen der kostenlosen Zuteilung bis 2034 geeinigt, doch das ist zu spät. Umso entscheidender ist es, dass die Ampel jetzt liefert“, sagte Raddatz.

Der WWF fordert, dass staatliche Fördergelder nur in klimaschützende Maßnahmen fließen, insbesondere die Produktion von grünem Wasserstoff. Dessen Hochlauf müsse mit ausreichend Solar- und Windkraft-Kapazitäten zum Betrieb der H2-Elektrolyse unterfüttert werden. Techniken, um CO2 abzuscheiden und endzulagern (CCS) oder für Produkte zu nutzen (CCU), sollten nur für nicht vermeidbare prozessbedingte Emissionen eingesetzt werden.

Die Vergabe von Subventionen und Entlastungen an die Industrie solle an Gegenleistungen geknüpft werden. Dazu gehörten Investitionen in Energieeffizienz und Öko-Energien sowie die verpflichtende Nutzung von Umwelt- oder Energiemanagementsystemen. Bei der Vergabe öffentlicher Bauaufträge müssten künftig Klimaschutzkriterien berücksichtigt werden, etwa CO2-Grenzwerte. Derzeit sei bei den Ausschreibungen noch immer das Kriterium der Wirtschaftlichkeit entscheidend.

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