VonAndreas Schmidschließen
Gibt es Alkohol bald nur noch in lizenzierten Fachgeschäften? Deutschlands Psychotherapeuten wollen beim Konsum von Bier & Co. nachschärfen - und Cannabis legalisieren.
Berlin - Wer in Deutschland Alkohol konsumieren möchte, hat meist leichtes Spiel. Das Bier im Supermarkt kostet weniger als einen Euro, in Großstädten haben entsprechende Kioske teils rund um die Uhr geöffnet. Auch Schnaps und Wein sind im europäischen Vergleich kostengünstig zu haben. Mit diesen Billigangeboten soll nach Ansicht von Deutschlands Psychotherapeuten jedoch Schluss sein. Sie wollen den Verkauf von Alkohol drastisch reglementieren.
Drogenpolitik: Psychotherapeuten wollen Alkohol-Konsum einschränken
Für die Millionen Menschen, die regelmäßig Bier, Schnaps und Wein trinken, soll es nach Ansicht der Bundespsychotherapeutenkammer neue Hürden geben. Die Psychotherapeuten fordern höhere Alkoholsteuern und einen Mindestpreis für Alkohol. Bier, Schnaps & Co. sollen außerdem nur noch in lizenzierten Fachgeschäften zu kaufen sein.
Einen konkreten Mindestpreis nennt die Kammer nicht. Zuletzt war der Bierpreis wegen der Inflation jedoch bereits gestiegen. Beim Münchner Oktoberfest müssen Trinkfreudige für die Maß Bier 15 Prozent mehr als bei der letzten Wiesn berappeln.
Cannbis: Psychotherapeuten fordern Legalisierung - mit Einschränkungen
Ferner plädieren die Psychotherapeuten für eine Legalisierung von Cannabis, so wie sie die Ampel-Koalition derzeit vorantreibt. Cannabis sollte ebenso wie Alkohol in lizenzierten Fachgeschäften erworben werden. „Das Ziel bleibt das gleiche wie das der bisherigen Drogenpolitik: Drogenmissbrauch und -abhängigkeit vermeiden“, heißt es dazu in einer Stellungnahme.
Cannabis sei nicht harmlos und berge insbesondere das Risiko von Psychosen. Doch der Gebrauch von Cannabis nehme trotz Verbot seit Jahrzehnten zu. Die bisherige Politik mit dem Ziel der Einschränkung von Cannabis-Gebrauch sei gescheitert. Der Gehalt des psychoaktiven Wirkstoffs THC solle aber auf höchstens 15 Prozent beschränkt werden, schlagen die Psychotherapeuten vor.
Cannabis und Alkohol: Das sagen die Parteien
Deutschlands Psychotherapeuten geben nur Ratschläge, was aber sagt die Politik? Eine Cannabislegalisierung fordert vor allem die Bundesregierung um SPD, Grüne und FDP. So steht es im Koalitionsvertrag. Auch die Linke warb im Vorfeld der Bundestagswahl um eine Legalisierung. Union und AfD lehnten diese ab.
Und beim Alkohol? Hier halten sich die Parteien weitgehend bedeckt. Im Koalitionsvertrag kommt der Begriff zweimal vor. „Bei der Alkohol- und Nikotinprävention setzen wir auf verstärkte Aufklärung mit besonderem Fokus auf Kinder, Jugendliche und schwangere Frauen“, heißt es. Das bedeutet unter anderem verschärfte Regelungen in der Werbung.
Von der CSU hieß es im Wahlprogramm zur Bundestagswahl: „Bei legalen Suchtmitteln setzen wir auf verantwortungsvollen Umgang.“ Die Christsozialen plädierten für „mehr Aufklärung, bessere Hilfsangebote und einen starken Jugendschutz, um den Gefahren des Rauchens und des Alkoholmissbrauchs wirkungsvoll zu begegnen.“ Von der Alkoholvergabe in lizenzierten Fachgeschäften schreiben die Parteien allerdings nichts. (as)
