Videos von Riesen-Explosion

Drohne verwüstet Fabrik bei Moskau: Ukraine setzt wohl auf Psycho-Effekt - „Peinlich für Putin“

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Erneut wird die Metropolregion Moskau Ziel ukrainischer Drohnenangriffe. Fachleute ordnen ein, was Kiew damit in Wladimir Putins Russland bezweckt.

München/Kiew/Moskau - Kiew schlägt im Ukraine-Krieg gegen Russland zurück. Besser gesagt gegen die Weltmetropole Moskau mit ihren rund 13 Millionen Einwohnern. Dabei nehmen die ukrainischen Streitkräfte vermehrt nicht ausschließlich militärische Infrastruktur im Umfeld der russischen Hauptstadt ins Visier.

Russland im Ukraine-Krieg: Wohl wieder heftiger Drohnenangriff bei Moskau

Nächstes Beispiel: Bei einer heftigen Explosion in der Stadt Sergijew Possad rund 70 Kilometer nordöstlich von Moskau hat es am Mittwochvormittag (9. August) rund ein Dutzend Verletzte gegeben (siehe Twitter-Videos unten). Die betroffene Fabrik stellt offenbar optische Geräte her, Berichten zufolge auch für den militärischen Gebrauch. Proukrainische Blogger vermuteten in sozialen Netzwerken einen Drohnenangriff dahinter, was von Seiten der russischen Behörden dementiert wurde.

Aber, was heißt das schon im gleichgeschalteten Apparat von Kreml-Machthaber Wladimir Putin. Was die Ukraine mit den Schlägen hinter der russischen Grenze erreichen will, diskutieren längst Fachleute aus Militär, Politik und Wissenschaft.

Laut Videos bei Twitter brannte am Mittwoch (9. August) im Industriegebiet von Sergijew Possad ein immenses Feuer, samt riesiger Rauchwolke über der Stadt. Betonbrocken wurden laut eines Videos mehrere hunderte Meter weit geschleudert, in angrenzenden Gebäuden zerbrachen durch die Wucht der Detonation offenbar reihenweise Fensterscheiben. Was die Explosion verursacht hat, blieb zunächst unklar.

Drohnenattacke auf Moskauer Region: Nicht der erste ukrainische Angriff dieser Art?

Schenkt man den Berichten verschiedener Blogger Glauben, war es in den vergangenen Tagen nicht die erste Explosion dieser Art in der Moskauer Metropolregion. Einmal mehr lassen sich die Informationen nicht unabhängig überprüfen. Anhand von Drohnenaufnahmen, die Brücken und/oder bestimmte Straßenzüge zeigen, versuchen proukrainische Blogger, den Inhalt ihrer Postings zu verifizieren. Auch dann lässt sich aber der Zeitpunkt nicht einwandfrei bestimmen.

Dennoch: Während Moskau unlängst die Wagner-Söldner Jewgeni Prigoschins fürchten musste, die jetzt in Belarus wüten, geht nun die Furcht vor Drohnen um. In der Nacht zum 30. Juli waren Drohnen in zwei Gebäude der Hochhausstadt Moskwa City gestürzt, in denen sich Büros des Ministeriums für Industrie und Handel, des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und des Ministeriums für Kommunikation befinden sollen.

Mutmaßlich von einer ukrainischen Drohne getroffen: ein bekanntes Hochhaus in der russischen Hauptstadt Moskau.

In der Nacht zum 1. August schlug erneut eine Drohne in eines der Hochhäuser ein. Verletzt wurde niemand. Die russische staatliche Nachrichtenagentur Tass berichtete, dass mindestens die Drohne in der Nacht zum 1. August aus der Ukraine gekommen sei. Warum Moskau? Laut eines ehemaligen Redenschreibers Putins soll die Bevölkerung wohl darauf aufmerksam gemacht werden, wie es um die Sicherheit Russlands wirklich bestellt ist.

Ukrainische Drohnen: Russlands Bevölkerung soll Schrecken des Krieges gezeigt werden

„Bei den Menschen entsteht eine Kluft zwischen Realität und Propagandadiskurs. Dann suchen sie nach alternativen Informationsquellen und das Vertrauen in die Propaganda sinkt, wodurch die Zahl loyaler Bürger abnimmt“, erklärte der Politologe Abbas Galjamow der Deutschen Welle.

Die Ukrainer wollen der russischen Bevölkerung maximal klarmachen, dass die Unterstützung Putins und des russischen Krieges ihren Preis hat.

Sergej Migdal, israelischer Sicherheitsexperte bei der „Deutschen Welle“

Eine ähnliche Interpretation lautet: „Die Ukrainer wollen der russischen Bevölkerung maximal klarmachen, dass die Unterstützung Putins und des russischen Krieges ihren Preis hat“, meinte der israelische Sicherheitsexperte Sergej Migdal und erzählte zur ukrainischen Drohnenproduktion: „Ich weiß, dass es Ingenieure und Entwickler gibt, die nicht in Instituten arbeiten, die dem russischen Geheimdienst bekannt sind, sondern von Privatwohnungen aus, um nicht unter Raketenbeschuss zu geraten. All dies müssen sie im Halbverborgenen tun.“

Geht es also darum, die russische Bevölkerung zu verunsichern? Damit diese Putin infragestellt? Der Berater im ukrainischen Präsidialamt, Mychajlo Podoljak, hatte passend zu dieser These auf Twitter erklärt: „Moskau gewöhnt sich beschleunigt an den umfassenden Krieg, der bald endgültig auf das Territorium des ‚Urhebers des Krieges‘ übergehen wird, um alle Schulden einzutreiben.“ Begonnen hatten die Drohnenattacken ausgerechnet mit einem Angriff auf Putins „Regierungssitz“ Anfang Mai.

Drohnen über Russland und Moskau: Macht die Ukraine Wladimir Putin lächerlich?

So sollen in der Nacht auf den 3. Mai zwei mutmaßlich ukrainische Drohnen über dem Kreml abgeschossen worden sein. Die Vorkommnisse sind bis heute nicht aufgeklärt. Wenn es wirklich Kiew war, sei „das Ziel des Drohnenangriffs gewesen, den Kreml zu blamieren“, meinte Militärexperte Nico Lange in der Sendung „ZDFheute live“: „Die Bilder, die heute um die Welt gehen, die global gesendet werden, sind Bilder, die für Wladimir Putin extrem peinlich sind - der drei Tage benötigen wollte, um Kiew zu erobern, und jetzt Drohnen auf das Dach seiner eigenen Residenz im Kreml geschossen bekommt.“

Die Bilder, die heute um die Welt gehen, die global gesendet werden, sind Bilder, die für Wladimir Putin extrem peinlich sind.

Militärexperte Nico Lange in der Sendung „ZDFheute live“

Die Ukraine setze mit ihren Drohnen auf einen psychologischen Effekt, erklärte Lange: „Es ist aus meiner Sicht überhaupt nicht erwartbar, dass diese Drohnen einen massiven Schaden anrichten.“ Die These des psychologischen Effektes durch die offensichtliche Verwundbarkeit der eigenen Infrastruktur stützt Oberst Markus Reisner vom österreichischen Bundesheer. Dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sagte er: „Man (die Ukraine, Anm. d. Red.) möchte den Krieg nach Russland tragen und ihn für die eher privilegierten Russen in Moskau spürbar machen“. (pm)

Rubriklistenbild: © Screenshot Twitter@Alfaiomi

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