VonJens Kiffmeierschließen
Butter, Mehl oder Nudeln: Händler zwingen Supermärkte wie Edeka, Rewe oder Aldi zu höheren Lebensmittelpreisen. Nicht jeder Aufschlag scheint gerechtfertigt.
Berlin – Achtung! Mogelpackung bei Aldi, Lidl, Edeka und Rewe? Angesichts stark steigender Lebensmittelpreise in Deutschland haben Handelsriesen jetzt vor falschen Mitnahmeeffekten gewarnt. So sollen einige Händler versuchen, den Ukraine-Krieg für die eigene Preistreiberei auszunutzen. Es handele sich dabei zwar um eine Minderheit, aber „es gibt schon einige Trittbrettfahrer“, sagte der Edeka-Geschäftsführer Hans-Richard Schneeweiß in einem Interview mit dem Spiegel.
Lebensmittel-Preiserhöhung: Edeka-Chef warnt vor Mogelpackung – nicht alle Kostensteigerungen nachvollziehbar
Nicht alle Kostensteigerungen seien unbedingt nachvollziehbar. Trotzdem müssen sich die Kunden auf weitere Teuer-Schocks in den Supermärkten und Discountern wie Edeka, Rewe oder Aldi und Lidl einstellen, hieß es weiter vom Edeka-Chef über die Lebensmittel-Preiserhöhungen in Supermärkten wie Edeka oder Rewe und Discountern wie Aldi oder Lidl.
Preise für Lebensmittel: Supermärkte und Discounter verteuern Sortiment – Edeka warnt vor Preistreiberei
Seit dem Jahreswechsel ist der Preisauftrieb für die deutschen Verbraucher unter anderem im Supermarkt wie Edeka, Rewe oder Discounter wie Aldi und Lidl zu spüren. Nachdem erst die Corona-Pandemie die internationalen Lieferketten durcheinander gewirbelt hatte, treibt jetzt auch zusätzlich der Ukraine-Krieg die Preise in die Höhe. Vor allem Kosten für die Energie steigen und verteuern in vielen Branchen die Produktion. Zugleich fallen riesige Mengen an Getreide- und Sonnenblumölimporten aus, was sich nachteilig auf die Herstellung einzelner Produkte auswirkt. Zuletzt stiegen deswegen vor allem in den Supermärkten und Discountern die Preise für Mehl, Eier und Nudeln. Aber auch Kaffee, Milch und Fleisch wurden deutlich teurer.
Der Kostensprung ist gewaltig. Laut einem Uno-Index für Lebensmittel und Landwirtschaft stieg der Wert für die Erzeugnisse im März 2022 auf 159,3 Punkte. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor lag er bei 119,2. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass die Lebensmittelketten die Preise im Sortiment deutlich anhoben. Nachdem Aldi den Anfang gemacht hatte, zogen Edeka, Rewe und Lidl in zwei Runden in Deutschland nach, während die Maskenpflicht in Supermärkten und Discounter fiel.
Edeka, Rewe, Aldi, Lidl: Lebensmittelpreise steigen rasant – Händler leiden unter Energiekosten
„Die Preiserhöhungswelle rollt so gewaltig wie sonst nie“, sagte Edeka-Boss Schneeweiß über die Entwicklung der Lebensmittelpreise, wodurch Experten bereits zuvor Hamsterkäufe bei Aldi, Lidl und Edeka sowie Rewe befürchten. Eine derartige Entwicklung habe er in 47 Jahren nicht erlebt. Zuletzt hatten seinen Angaben zufolge viele Händler die Lieferverträge gekündigt, um Preiserhöhungen durchzudrücken. Doch das wolle man so gut es gehe stoppen, so Schneeweiß zum Spiegel. Ähnlich äußerte sich auch die Konkurrenz. Man kämpfe derzeit sehr dafür, dass man nicht alle gewollten Kostensteigerungen an den Kunden weitergeben müsse, sagte Rewe-Chef Lionel Souque der Nachrichtenagentur dpa. Dennoch schlossen beide Manager eine weitere Teuerungsrunde nicht aus.
Die deutschen Verbraucher fürchten diesen Schritt bereits. Laut einer kürzlich veröffentlichten Spiegel-Umfrage rechnen 61 Prozent der Deutschen mit weiteren Preiserhöhungen. Die Angst sei so hoch, so das Ergebnis der Befragung, dass sie schon jetzt ihre Ausgaben für Lebensmittel reduzierten – was auch nicht im Sinne von Edeka und Co. sein dürfte, die erst kürzlich einen Teenager aussperrten. Zugleich stiegen wieder die Hamsterkäufe wie zu den Höhepunkten der Corona-Pandemie, als plötzlich ganze Supermarktregale leer gekauft waren und für Kunden harte Corona-Regeln galten.
Hohe Energiepreise wegen Ukraine-Krieg: Ampel-Koalition plant Entlastungspaket
Vorsorglich rief Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) bereits zur Zurückhaltung auf. Die Versorgungssicherheit sei gewährleistet, sagte er bereits in mehreren Interviews. Dennoch wurden vielerorts schon wieder Produkte wie Mehl, Nudeln oder Sonnenblumenöl in den Regalen knapp.
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In der Politik wächst der Handlungsdruck. Da ein Ende des Russland-Ukraine-Kriegs noch nicht in Sicht ist, bleibt als Schlüssel nur die Absenkung der enormen Energiekosten. Die Bundesregierung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat deswegen bereits ein Entlastungspaket 2022 vorgelegt. Darin sind Maßnahmen enthalten wie eine Energiepreispauschale von 300 Euro, ein Tankrabatt, ein Kinderbonus, ein Hartz-IV-Zuschuss, ein 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn sowie neuerdings auch Hilfen für Unternehmen. Letzteres hilft vielleicht auch den Lebensmittelketten. Und den Produzenten. Die Kunden würde es freuen. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg/dpa (Symbolbild)

