Verletzungen und Todesfälle

Ex-ICE-Beamter warnt vor Border-Patrol-Einsätzen in USA: „Es wird noch schlimmer werden“

Border-Patrol-Einsätze in USA sorgen für Kontroversen. Ex-Beamter warnt vor steigendem Risiko für Zivilisten und Migranten.

Ein ehemaliger Beamter der Behörde Immigration and Customs Enforcement (ICE) sagte gegenüber Newsweek, dass der Einsatz von Border-Patrol-Beamten in der innerstaatlichen Durchsetzung des Einwanderungsrechts zu weiteren schweren Verletzungen oder Todesfällen unter US-Bürgern und Migranten führen könnte.

Bundesagenten stehen vor einem Lebensmittelgeschäft.

Darius Reeves, der zuvor als Leiter des Field Office für die Enforcement and Removal Operations (ERO) von ICE in Baltimore tätig war, sagte Newsweek, dass die derzeit in Städten wie Minneapolis angewandten Taktiken für das Landesinnere ungeeignet seien und das Risiko gefährlicher Zwischenfälle erhöhten.

„Es wird noch schlimmer werden“, sagte Reeves in einem Telefoninterview mit Newsweek . „Ich glaube, dass noch sehr viel mehr Menschen verletzt werden.

Einsatz der Border Patrol und tödliche Zwischenfälle bei Einwanderungsoperationen

Ein Sprecher des Department of Homeland Security, das ICE und die Border Patrol beaufsichtigt, erklärte: „Zum Auftrag der Border Patrol gehört es, hoheitliche Aufgaben innerhalb von 100 Meilen von den US-Grenzen wahrzunehmen. Die Beamten der Border Patrol sind hochqualifiziert und müssen den höchsten Standards an Professionalität und polizeilicher Befähigung genügen.“

Trump setzt auf Härte: ICE und Nationalgarde im Einsatz - Razzien, Proteste und Ausschreitungen

ICE-Razzia in New York
Seit dem Amtsantritt von Donald Trump brodelt es in den USA. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die harte Migrationspolitik des US-Präsidenten. In seiner Antrittsrede hatte er angekündigt, „Millionen und Abermillionen“ Menschen ohne Papiere abschieben zu wollen. Trumps verlängerter Arm ist die Einwanderungsbehörde ICE. Deren Beamte treten in der Regel vermummt auf, nehmen Menschen fest und transportieren sie in unmarkierten Fahrzeugen ab. Im Oktober kam es beispielsweise in der Canal Street in New York zu brutalen Szenen (im Bild). © Michael Nigro/Imago
Anti-Trump
Völlig unklar ist dabei, wer überhaupt festgenommen wird. Handelt es sich um gefährliche Kriminelle, wie die Trump-Regierung es darstellt? Sind es Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus? Es gibt zudem Berichte, dass bei ICE-Razzien auch Personen verhaftet wurden, die die US-Staatsbürgerschaft besitzen. Im Sommer erinnerten die Menschen in New York an die Betroffenen. © Aashish Kiphayet/Imago
Proteste gegen Trump
Schon früh warf der Fall eines Familenvaters ein Schlaglicht auf das harte Vorgehen von Trump. Der Salvadorianer Kilmar Abrego Garcia war trotz Abschiebeschutzes in das berüchtigte Hochsicherheitsgefängnis „Cecot“ in El Salvador gebracht worden. Nach langem juristischem Tauziehen wurde er im Juni in die USA zurückgebracht. Die US-Regierung sprach damals von einem „administrativen Fehler“. © Jim West/Imago
Kilmar Abrego Garcia
Kilmar Abrego Garcia (Mitte) ist mit einer US-Bürgerin verheiratet und lebte bis zu seiner Abschiebung im Bundesstaat Maryland im Osten der USA. Ende Oktober teilte die US-Regierung in einem Gerichtsdokument mit, sie plane, ihn in die „blühende Demokratie“ Liberia abzuschieben. Sein Anwalt Simon Sandoval-Moshenberg erklärte, der Salvadorianer habe keinerlei Verbindung zu Liberia. Eine Abschiebung dorthin sei „grausam und verfassungswidrig“.  © Andrew Harnik/AFP
Proteste gegen Aktion von US-Bundeseinwanderungsbehörde
Am 6. Juni 2025 begannen in der Innenstadt von Los Angeles die ersten Proteste gegen die ICE-Razzien. Los Angeles hatte bereits im November 2024 nach der Wiederwahl von Donald Trump ein Gesetz verabschiedet, um die Zusammenarbeit der örtlichen Strafverfolgung mit den Bundesbehörden zu begrenzen. © Matthew Hoen/dpa
Proteste gegen Aktion von US-Bundeseinwanderungsbehörde
Die Proteste in Los Angeles blieben zunächst friedlich, entwickelten sich jedoch über mehrere Wochen zu anhaltenden Demonstrationen. Immer wieder versammelten sich die Menschen in der Innenstadt von Los Angeles und forderten ein Ende der ICE-Razzien. © Jill Connelly/dpa
Proteste gegen Aktion von US-Bundeseinwanderungsbehörde
Als Reaktion auf die anhaltenden Proteste ordnete Trump im Juni 2025 die Entsendung von 700 Marines und 4000 Nationalgardisten nach Los Angeles an. Diese Entscheidung erfolgte gegen den Widerstand von Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom, der die Bundesintervention ablehnte.  © Brian Cahn/dpa
Proteste in den USA
Kalifornien reichte am 9. Juni 2025 eine Klage gegen die Trump-Regierung vor einem US-Bezirksgericht ein. Die Klage, bekannt als Newsom v. Trump, forderte eine einstweilige Verfügung gegen die Entsendung der kalifornischen Nationalgarde. © Apu Gomes/AFP
Trump in Alligator Alcatraz
Ende Juni eröffnete Trump dann eine als „Alligator Alcatraz“ bekannt gewordene Haftanstalt in einem Sumpfgebiet Floridas. Sie sollte helfen, seine Abschiebepolitik umzusetzen. Innerhalb weniger Tage wurden auf einem wenig genutzten Flugplatz Zelte für 3000 Gefangene sowie Hunderte mobile Unterkünfte für 1000 Angestellte errichtet. Der Name spielt auf das berüchtigte Hochsicherheitsgefängnis Alcatraz in der Bucht von San Francisco an. Von 1934 bis 1963 war es die am meisten gefürchtete Haftanstalt der USA.  © Imago
Proteste gegen Trump
Am 11. August 2025 erließ Trump ein Dekret, um erstmals in der Geschichte die Kontrolle über die Polizei von der Stadtregierung in Washington, DC, an die Bundesregierung zu übertragen. Trump begründete diese Maßnahme mit „grassierender Kriminalität“. Trump stützte seine Anordnung auf ein Gesetz namens „Home Rule Act“, das im Notstand die Polizei in der US-Hauptstadt unter Bundeskommando stellt. © Allison Bailey/Imago
Donald Trump Proteste
Noch am selben Tag kam es zu Protesten gegen Trumps Entscheidung, die Präsenz von Bundesbehörden und der Nationalgarde in der Hauptstadt zu verstärken. Unter anderem warfen die Menschen dem Präsidenten vor, die USA in den Faschismus zu führen.  © Cheriss May/Imago
Vance und Hegseth
Am 20. August besuchten US-Vizepräsident JD Vance (rechts) und Verteidigungsminister Pete Hegseth die in Washington, DC, stationierten Nationalgardisten. Vance lobte die Einsatzkräfte, die seiner Darstellung nach binnen weniger Tage für einen deutlichen Rückgang der Kriminalität gesorgt hätten. Auch hier kam es zu Protesten. Die Menschen riefen „Free DC“ (Befreit Washington) und buhten lautstark, als Vance und Hegseth sich im Hauptbahnhof Union Station aufhielten. © Alexander Kubitza/Imago
Donald Trump
Zwei Tage später stattete auch Trump selbst den von ihm dorthin entsandten Polizisten und Soldaten einen Besuch ab. „Wir werden die Stadt sicher machen und dann an andere Orte weiterziehen, aber wir werden eine Weile hier bleiben“, erklärte Trump vor einem Gebäude der US Park Police, einer Polizeibehörde des Bundes, im Stadtteil Anacostia. „Wir wollen, dass alles absolut perfekt läuft“, sagte der Republikaner. © Tia Dufour/Imago
'Operation Midway Blitz'
Am 9. September 2025 startete ein Großeinsatz der ICE-Behörde in der Millionenmetropole Chicago – gegen den Widerstand der Stadtverwaltung und des Gouverneurs von Illinois, JB Pritzker. Die „Operation Midway Blitz“ sollte sich nach Angaben des Heimatschutzministeriums gegen „kriminelle, illegale Ausländer“ richten.  © Chris Riha/Imago
Protest in Chicago
Zugleich verbreitete Trump eine mit KI erstellte Grafik, die die Skyline der Millionenstadt zeigte und in Gestaltung und Wortwahl an den Kriegsfilm „Apocalypse Now“ erinnerte. Trumps martialischer Post auf der Plattform Truth Social war mit den Worten „Ich liebe den Geruch von Abschiebungen am Morgen“ versehen – eine Anspielung auf das bekannte Film-Zitat „Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen.“ Die Menschen in Chicago waren entsetzt und verglichen ICE mit der Gestapo. © Jacek Boczarski/Imago
Proteste gegen ICE
Die Ankündigung des Einsatzes fiel mit einer Entscheidung des Supreme Courts zusammen, das den Behörden verdachtsunabhängige Kontrollen von Migranten im Raum Los Angeles vorerst wieder erlaubte. Im Juli hatte ein Gericht Beamten in Los Angeles verboten, wahllos Personen etwa aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Sprache und ohne hinreichenden Verdacht anzuhalten. Kritiker sprechen in diesen Fällen von „Racial Profiling“.  © Jonathan Alcorn/dpa
Sonia Sotomayor
Die Entscheidung galt zwar zunächst nur für den Raum Los Angeles. Doch viele befürchteten einen gefährlichen Präzedenzfall. Auch am Supreme Court gab es scharfe Kritik. Die Regierung habe „so gut wie erklärt, dass alle Latinos, ob US-Bürger oder nicht, die schlecht bezahlte Jobs haben, jederzeit zur Festnahme freigegeben sind“, schrieb Richterin Sonia Sotomayor in ihrer abweichenden Meinung. „Anstatt tatenlos zuzusehen, wie unsere verfassungsmäßigen Freiheiten verloren gehen, lege ich Widerspruch ein.“  © Matias J. Ocner/Imago
Donald Trump in Quantico
Bei einem Treffen am 30. September mit mehr als 800 Generälen und Admirälen stimmte Trump das Militär auf einen „Krieg“ in den Vereinigten Staaten ein. Dabei warf er „radikalen linken Demokraten“ erneut vor, von ihnen regierte Städte wie San Francisco, Chicago oder New York unkontrollierter Kriminalität und Einwanderung preisgegeben zu haben. Die US-Regierung müsse eingreifen, bevor die Lage außer Kontrolle gerate, sagte Trump, der laut Verfassung Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist.  © Jim Watson /AFP
US-Bundesbeamte in Portland
Kurz zuvor hatte Trump die Nationalgarde auch in die ebenfalls von den oppositionellen Demokraten regierte Stadt Portland im Nordwesten der USA beordert. Er begründete dies damit, dass dort unkontrollierte Gewalt auf den Straßen herrsche. Zudem bezeichnete er die Stadt als „vom Krieg verwüstet“.  © Ethan Swope/dpa
Portland - Proteste
Vor allem in sogenannten Sanctuary Cities, die Menschen ohne Aufenthaltsgenehmigung Schutz gewähren und zu denen Portland zählt, sind Proteste gegen Trumps rigide Migrationspolitik an der Tagesordnung.  © Jenny Kane/dpa
Proteste in den USA - Portland
Die von Demokraten regierten Städte versuchen mit allen juristischen Mitteln, sich gegen die von Trump angeordnete Entsendung von Nationalgardisten zu wehren. Eine Bundesrichterin untersagte im Oktober in Portland die Stationierung von Soldaten. Es gebe „keinen Aufstand in Portland noch eine Bedrohung für die nationale Sicherheit“, urteilte Karin J. Immergut. Die Proteste in Portland gegen Trumps Migrationspolitik bedeuteten keine „Aufruhrgefahr“.  © Jenny Kane/dpa
Stephen Miller
Trumps Vize-Stabschef im Weißen Haus, Stephen Miller, brandmarkte daraufhin die Gerichtsentscheidung von Immergut in Online-Netzwerken als „Aufstand“. Er warf den führenden Politikerinnen und Politikern in Oregon einen „organisierten terroristischen Angriff auf die Bundesregierung“ vor. © Andrew Leyden/Imago
Kristi Noem In Indiana
Bei ihrem radikalen Vorgehen setzt die US-Regierung zunehmend auf eine Rhetorik, die mit der Realität vor Ort nichts zu tun hat. Heimatschutzministerin Kristi Noem (Mitte) sagte dem Sender Fox News, Chicago sei „ein Kriegsgebiet“. „Kriminelle“ würden dort „das Leben von Menschen zerstören“. In Bezug auf Portland erklärte Trump, die Stadt brenne. „Überall sind Aufständische.“ © Tia Dufour/Imago
US-Nationalgarde in Memphis
Einsatzkräfte der Nationalgarde wurden auch in die von den Demokraten regierte Stadt Memphis entsandt. Sie seien an „Sicherheitspatrouillen, der Sicherung von Standorten und Verkehrskontrollen“ beteiligt, erklärten die Behörden im Bundesstaat Tennessee. Die Truppen stünden „unter dem Befehl des Präsidenten“, ihr Einsatz sei von Gouverneur Bill Lee genehmigt worden. © George Walker IV/dpa
ICE in Chicago
Trump hat die umstrittenen Razzien Anfang November verteidigt und ein noch härteres Vorgehen gefordert. In einem Interview mit dem Sender CBS antwortete Trump auf die Frage, ob die Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE zu weit gegangen seien: „Ich denke, sie sind nicht weit genug gegangen.“ Interviewerin Norah O‘Donnell verwies auf Fälle, in denen ICE-Beamte eine Frau zu Boden warfen, Tränengas in Wohngebieten einsetzten und Autoscheiben einschlugen. „Sind Sie mit diesen Taktiken einverstanden?“, fragte sie. „Ja, denn man muss die Leute rausbekommen“, antwortete der Präsident. © Octavio Jones/AFP
Gregory Bovino
Kaum ein Name und ein Gesicht wird so sehr mit den Razzien in Verbindung gebracht wie Gregory Bovino (Mitte). Er besitzt den Ruf, bei seinen Feldzügen rücksichtslos vorzugehen. Teils wird ihm vorgeworfen, sich einer Nazi-Ästhetik zu bedienen, wegen seines militärischen Haarschnitts und eines zweireihigen Mantels mit ausladendem Kragen. Bovinos Garderobe sehe aus, als habe er gezielt bei Ebay nach einer SS-Kluft Ausschau gehalten, sagte der demokratische Gouverneur Kaliforniens, Gavin Newsom. © Octavio Jones/AFP
Proteste in Minneapolis
Im Januar 2026 eskaliert schließlich die Lage im US-Bundesstaat Minnesota. Minneapolis und ihre Schwesterstadt Saint Paul werden von Tausenden Beamten der Migrationsbehörde ICE heimgesucht. Die maskierten Beamten zerren Menschen teils mit roher Gewalt von der Straße und aus ihren Häusern. © Holden Smith/Imago
Renee Good
Dann geschieht das Unfassbare: Anfang Januar tötet ein ICE-Beamter die unbewaffnete US-Bürgerin Renee Good in ihrem Auto mit drei Schüssen. Good war bereits das vierte Todesopfer bei ICE-Einsätzen seit Beginn der massiven Abschiebekampagne der Regierung von Präsident Donald Trump. © Seth Herald/Imago
Alex Pretti
Wenig später ist auch Alex Pretti (links) tot. Auf mehreren Videos ist zu sehen, wie mehrere Beamte den Krankenpfleger niederringen und auf ihn einschlagen. Dann feuert ein Beamter auf den wehrlosen Mann. Die demokratische Abgeordnete Ilhan Omar bezeichnet die tödlichen Polizeischüsse danach als „Hinrichtung“. Sie wirft Trump vor, Minneapolis in ein „Kriegsgebiet“ zu verwandeln. © AFP
Good und Pretti
Auch Trump äußert sich gegenüber Fox News dazu: „Unterm Strich war es schrecklich. Beide Vorfälle waren schrecklich.“ Doch er scheint den Einsatz im Interview aber grundsätzlich zu verteidigen: „Wir haben Tausende unbelehrbare Kriminelle aus Minnesota entfernt“, sagt der Präsident. © Octavio Jones/AFP

Die tödliche Erschießung der 37-jährigen Renée Nicole Good durch den ICE-Beamten Jonathan Ross während einer bundesweiten Einwanderungsoperation in Minneapolis hat in den Vereinigten Staaten Proteste ausgelöst und Forderungen nach Rechenschaft und Reformen neu belebt. Good, US-Bürgerin und dreifache Mutter, wurde am 7. Januar erschossen, als Ross, ein erfahrener ICE-Beamter, mehrere Schüsse in ihr Fahrzeug abgab. Die Trump-Regierung erklärte, Good habe ihr Auto auf den Beamten zugesteuert, doch örtliche Behörden sagen, Videoaufnahmen zeigten, dass sie zu fliehen versuchte.

Kritik, Racial Profiling und Verwechslungen bei Einwanderungsdurchsetzung durch ICE und Border Patrol

Bundesbehörden, darunter ICE und die U.S. Border Patrol, geraten zunehmend in die Kritik, nachdem weitere Videos und Berichte aus Minnesota, Chicago und Los Angeles aufgetaucht sind, die Beamte zeigen, die Personen festnehmen, die später erklärten, sie seien US-Bürger.

Die Vorfälle ereignen sich, während die Trump-Regierung ihre zentrale Politik massenhafter Abschiebungen weiter vorantreibt, die Rolle der Border Patrol bei der Durchsetzung im Landesinneren ausweitet und neue Fragen nach Aufsicht, Ausbildung und dem Risiko von Verwechslungen oder aggressiven Begegnungen fernab der Grenze aufwirft.

„Sie haben ihre Border-Patrol-Taktiken mit ins Landesinnere der Vereinigten Staaten gebracht, und das ist ein Rezept für eine Katastrophe“, sagte Reeves, der 2025 in den Ruhestand ging.

Einsätze der U.S. Border Patrol in Städten im Landesinneren haben eine Welle der Empörung ausgelöst wegen dessen, was Zeugen und Interessenvertretungen als rüde, überharte Taktiken bezeichnen. Berichte und Videoaufnahmen zeigen, wie Beamte Tränengas einsetzen, Menschen gewaltsam aus ihren Fahrzeugen zerren, häufige Kontrollen durchführen und Personen unter aggressiven Umständen festhalten.

Bürgerrechtsorganisationen haben Vorwürfe des Racial Profiling erhoben und argumentieren, dass die Maßnahmen überproportional Schwarze, Latinos und Einwanderergemeinschaften ins Visier nähmen.

Unterschiedliche Aufgaben und Zuständigkeiten von ICE, CBP und Border Patrol im Einwanderungsrecht

Reeves sagte, ein Teil des Problems sei die weitverbreitete Verwirrung über die verschiedenen Bundesbehörden, die an der Durchsetzung des Einwanderungsrechts beteiligt sind.

Immigration and Customs Enforcement (ICE) und Customs and Border Protection (CBP) unterstehen beide dem Department of Homeland Security, sind jedoch eigenständige Behörden mit unterschiedlichen Aufgaben, Befugnissen und Schulungen.

ICE hat zwei zentrale vollstreckende Bereiche. Traditionell ist Homeland Security Investigations (HSI) für komplexe Strafverfolgungsmaßnahmen zuständig, darunter Menschenhandel, Drogenschmuggel, Finanzdelikte und Kindesmissbrauch. Enforcement and Removal Operations (ERO) ist für die zivilrechtliche Durchsetzung des Einwanderungsrechts im Landesinneren verantwortlich, darunter die Festnahme und Inhaftierung von Migranten mit endgültigen Abschiebungsanordnungen.

CBP hingegen konzentriert sich auf die Sicherheit der Grenzen und der Grenzübergänge. Die größte Einheit ist die U.S. Border Patrol, die die Gebiete zwischen den offiziellen Grenzübergängen überwacht und hauptsächlich in Grenznähe operiert, oft auf der Grundlage anderer Rechtsgrundlagen als ICE. Zu CBP gehört außerdem das Office of Field Operations, das Grenzübergänge wie Flughäfen und Landgrenzen betreut, sowie Air and Marine Operations (AMO), das Luft- und Seeunterstützung für Grenzsicherungsaufgaben leistet.

Bundesressourcen von Behörden wie der DEA, dem FBI, der ATF und den U.S. Marshals wurden ebenfalls eingesetzt, um ICE und die Border Patrol bei Festnahmen im Zusammenhang mit Einwanderung zu unterstützen, wodurch der Umfang der Durchsetzungsmaßnahmen über die traditionellen Einwanderungsbefugnisse hinaus ausgeweitet wurde.

Nationale Strategie, Personalprobleme und Aussagen des DHS zur Border Patrol

Reeves sagte, Probleme entstünden, wenn Behörden, insbesondere die Border Patrol, ohne klare Koordination, öffentliche Erläuterung oder definierte Zuständigkeiten und Einsatzregeln für Maßnahmen im Landesinneren herangezogen würden. Das schaffe Unklarheit darüber, wer agiere, und erhöhe das Risiko gewaltsamer Auseinandersetzungen, wenn Einheiten der Border Patrol tief im Landesinneren operierten, ohne eng mit der ICE-Führung oder den lokalen Strafverfolgungsbehörden zusammenzuarbeiten.

„Sie werden so operieren, als wären sie an der Grenze, nur eben im Inneren der Vereinigten Staaten“, sagte Reeves. „Und das geht einfach nicht – das kann man nicht machen“, sagte er. „Immer wenn man die Border Patrol von der Grenze ins Landesinnere der Vereinigten Staaten für irgendeine Art von Durchsetzungsmaßnahme holt, wird alles aus dem Ruder laufen.“

Reeves sagte, ERO habe historisch versucht, Begegnungen mit US-Bürgern zu vermeiden und sich stattdessen auf Personen mit endgültigen Abschiebungsanordnungen von Einwanderungsrichtern, Flüchtige aus Einwanderungsgerichten oder im Ausland gesuchte Personen mit verifizierten Interpol-Haftbefehlen konzentriert. Beamte der Border Patrol, sagte er, seien darauf geschult, in Grenzregionen schnell den Einwanderungsstatus festzustellen und könnten Taktiken anwenden, die auf diese Umgebungen zugeschnitten sind.

Reeves äußerte zudem Bedenken hinsichtlich des raschen Personalaufbaus im gesamten DHS, insbesondere bei den Enforcement and Removal Operations von ICE, und sagte, dies habe Erfahrung und Professionalität verwässert. Ehemalige Kollegen berichteten ihm von sinkender Moral, vorzeitigen Pensionierungen und Wechseln zu anderen Behörden, sagte er.

„Das hat unsere Professionalität beeinträchtigt, es hat unser Maß an Fachwissen geschmälert“, sagte Reeves.

Reeves stellte die Frage, ob die Abfolge prominenter Einsätze in Los Angeles, Chicago und Minnesota auf eine nationale Strategie massenhafter Durchsetzungsaktionen im ganzen Land vor den Zwischenwahlen hindeuten könnte. Zwar habe er keine direkten Kenntnisse über interne Gespräche im DHS oder Weißen Haus, doch äußerte er Sorge über die Entwicklung der Einwanderungsdurchsetzung.

„Ich habe noch nie so etwas gesehen“, sagte Reeves. „Das ist nur eine Generalprobe für etwas anderes, das auf uns zukommt.“

Was das DHS in voller Länge sagte

DHS-Sprecher gegenüber Newsweek: „Die Festnahmen an der US-Grenze sind dank Präsident Trump und Ministerin Noem, die die Einwanderungsgesetze unseres Landes wieder durchsetzen und die Border Patrol befähigen, die Aufgabe zu erfüllen, die ihr unter der vorherigen Regierung fast vier Jahre lang verwehrt war, auf den niedrigsten Stand seit 50 Jahren gesunken.„Zum Auftrag der Border Patrol gehört es, hoheitliche Aufgaben innerhalb von 100 Meilen von US-Grenzen wahrzunehmen. Die Beamten der Border Patrol sind hochqualifiziert und müssen den höchsten Standards an Professionalität und polizeilicher Befähigung genügen. Viele unserer Beamten haben einen Hintergrund beim Militär oder bei der örtlichen Polizei, und die Border-Patrol-Beamten erhalten eine umfassende Ausbildung im Bundesvollzugsdienst an den FLETC-Ausbildungszentren, genau wie die ICE-Beamten. Die widerlichen Versuche der Medien zu behaupten, diese Beamten seien nicht dafür ausgebildet, das Gesetz durchzusetzen, sind beschämend und lächerlich.„Wir werden die operative Sicherheit nicht gefährden, indem wir die genaue Zahl der Beamten, der Border Patrol oder anderer, die in den gesamten USA im Einsatz sind, um Amerikaner in unseren Gemeinden vor Drogenhändlern, Mördern, Pädophilen und Bandenmitgliedern zu schützen, bekanntgeben.“

Update 22.01.2026, 13:05 Uhr Eastern Time: Dieser Artikel wurde aktualisiert, um die Stellungnahme des DHS aufzunehmen. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com)

Rubriklistenbild: © Angelina Katsanis/dpa

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