„Mir fehlt der Glaube“

„Ein Staat ohne Herz“ – Grünen-Chef Banaszak rechnet mit Bürgergeld-Entscheidung ab

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Im Koalitionsausschuss hat sich Schwarz-Rot auf härtere Bürgergeld-Sanktionen geeinigt. Grünen-Chef Felix Banaszak nimmt das Ergebnis auseinander.

Berlin – Bis tief in die Nacht verhandelten die Koalitionsspitzen, am Donnerstagmorgen dann verkündete Schwarz-Rot ein erstes Ergebnis des Koalitionsausschusses. Ein hartnäckiger Knoten, den die Koalitionäre von SPD und CDU/CSU jetzt gelöst zu haben scheinen: der Streit ums Bürgergeld. Die Parteien haben sich nun nach wochenlangem Hin-und-Her auf Verschärfungen geeinigt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte in Berlin: „Wir werden die Mitwirkungspflichten deutlich verstärken, wir werden auch die Sanktionsmöglichkeiten deutlich erhöhen.“

Felix Banaszak kritisiert das Ergebnis des Koalitionsausschusses hart.

Konkret sollen Empfänger, die gegen Jobcenter-Regeln verstoßen, erheblich härter sanktioniert werden. Wer etwa drei Termine beim Jobcenter verpasst, dem sollen die Geldleistungen komplett gestrichen werden. „Wer nicht mitmacht, wird es schwer haben“, sagte Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD). Bei der Opposition sorgt das für deutliche Kritik.

Koalitionsausschuss und Bürgergeld: Harsche Kritik von Grünen-Chef Banaszak

Felix Banaszak, Bundesvorsitzender der Grünen, sagte im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media: „Dieses Land steckt mitten in einer Wirtschafts- und Vertrauenskrise. Und die GroKo denkt vor allem daran, wie sie die Schwächsten gängeln kann. Das ist absurd.“

Auch zu den wirtschaftspolitischen Plänen von Schwarz-Rot äußerte er sich. Statt Antworten auf die Klimakrise, den Fachkräftemangel und die soziale Spaltung zu geben, stecke die Regierung ihre Energie in Beton und neue Vorschriften, so der Grünen-Chef, der zu einem Rundumschlag gegen Schwarz-Rot ausholte: „Diese Regierung setzt auf Kontrolle, Strafen und Stillstand – und wundert sich, dass das Vertrauen schwindet. Ein Sozialstaat, der Menschen drückt, statt sie zu stärken, ist ein Staat ohne Herz.“

Porträt über Felix Banaszak

Banaszak
Felix Banaszak im Landschaftspark Nord, einem stillgelegten Hüttenwerk in Duisburg. „Diese Ruhrpott-Folklore fand ich früher rückwärtsgewandt. Aber mittlerweile weiß ich das als Teil unserer Identität wertzuschätzen.“  © Peter Sieben
Banaszak
Der Fotografierte wird zum Fotograf. Schon als Schüler „zwischen Klassenclown und Klassensprecher.“  © Peter Sieben
Banaszak in Duisburg
„Bier mit Banaszak“ heißt eine regelmäßige Runde in Duisburg. Oft wird es voll.  © Peter Sieben
Banaszak in Duisburg
„Bier mit Banaszak“.  © Peter Sieben
Banaszak
Felix Banaszak trifft seinen ehemaligen Mathelehrer. „Der Felix“ habe sich immer für Schwächere eingesetzt, erzählt der.  © Peter Sieben
Banaszak
Der Grünen-Chef sucht ein Kinderbuch für seine Tochter – als Geschenk, wenn er wieder nach Hause kommt.  © Peter Sieben
Banaszak
Banaszak in Duisburg. © Peter Sieben
Banaszak
Das Handy legt er selten aus der Hand.  © Peter Sieben
Banaszak mit Handy
Irgendwer will immer irgendwas – und der Chef reagiert.  © Peter Sieben
Banaszak
„Ich hatte mal einen Tag lang mein Handy verlegt, das war der Himmel auf Erden“, sagt Felix Banaszak. © Peter Sieben
Banaszak
Manchmal, wenn am Wochenende Zeit ist, zieht sich Banaszak mit seiner Familie zurück – an einen Ort ohne guten Handyempfang.  © Peter Sieben
Banaszak
Mittagspause beim Italiener. Wenn es mit der Politikkarriere vorbei ist, will er ein Restaurant aufmachen – oder eine Kneipe.  © Peter Sieben
Felix Banaszak, Zafer Sirakaya und Max Lucks (v.l.) bei der AKP in Ankara.
Treffen mit Ausblick: Felix Banaszak, Zafer Sirakaya und Max Lucks (v.l.) bei der AKP in Ankara.  © Peter Sieben
Max Lucks zusammen mit Grünen-Chef Felix Banaszak und der Vorsitzenden der Grünen im EU-Parlament, Terry Reintke, bei der CHP in Istanbul.
Max Lucks zusammen mit Grünen-Chef Felix Banaszak und der Vorsitzenden der Grünen im EU-Parlament, Terry Reintke, bei der CHP in Istanbul.  © Peter Sieben
Felix Banaszak und Max Lucks
Auf dem Weg zur AKP-Zentrale: natürlich mit Schlips.  © Peter Sieben
Banaszak
Kurzes Interview am Rande einer Wirtschaftskonferenz im Ruhrgebiet – dann geht es weiter.  © Peter Sieben
Banaszak
Social-Content-Produktion mit der Grünen-NRW-Fraktionschefin Verena Schäffer in Düsseldorf. © Peter Sieben
Banaszak
Entspannt in der Stammkneipe – manchmal sitzt er hier auch mit Bärbel Bas.  © Peter Sieben

Er nannte die Wirtschaftspolitik der Koalition „eine Gefahr für unseren Wohlstand im 21. Jahrhundert“. Seine Partei wolle im Gegensatz dazu „ein Land, das anpackt, statt Angst macht“ und in erneuerbaren Energien, bezahlbares Wohnen und sozialen Zusammenhalt investiere, so Banaszak. „Die Wahrheit ist: CDU und SPD fehlt der Mut. Der Mut zur Veränderung, zur Ehrlichkeit, zur Zukunft. Dieses Land braucht eine Regierung, die wieder an morgen glaubt. Mir fehlt inzwischen der Glaube, dass das dieser Regierung noch gelingen kann“, so der Grünen-Politiker.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Macit Karaahmetoğlu lässt das nicht gelten. Zur Bürgergeld-Entscheidung sagte er im Gespräch mit dieser Redaktion: „Es geht bei den härteren Bürgergeld-Sanktionen nicht um Einsparungen, sondern vor allem um ein Signal an die vielen Millionen fleißigen Menschen, die hart arbeiten, und die es ungerecht finden, dass sie hart arbeiten, aber kaum mehr bekommen, als einige, die Leistung verweigern.“ (pen) (Quellen: Eigene Recherchen, dpa)

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/Harald Tittel/dpa (Montage)

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