VonAndreas Schmidschließen
Deutschland hat derzeit rund 84,3 Millionen Einwohner. Die Bevölkerung wächst – auch aufgrund eines Zuwachses an Einbürgerungen.
Wiesbaden – In Deutschland sind vergangenes Jahr so viele Menschen eingebürgert worden wie seit 20 Jahren nicht mehr. Rund 168.500 Neubürgerinnen und Neubürger zählte das Statistische Bundesamt im Jahr 2022. Laut Angaben der Behörde sind das 28 Prozent oder rund 37.000 Menschen mehr gewesen als im Vorjahr. Den größten Anstieg gab es demnach bei Syrerinnen und Syrern mit einem Plus von 29.200 Einbürgerungen (insgesamt 48.300). Es folgten ukrainische Neubürger mit einem Plus von 3700, irakische Neubürger mit einem Plus von 2400 und türkische Neubürger mit einem Plus von 2000.
Wer sind die Menschen, die Deutschland einbürgert?
Der Anstieg der Einbürgerungen hängt auch mit Geflüchteten zusammen. Denn wer sich einbürgern lassen will, muss mindestens sechs Jahre lang in Deutschland leben. Die meisten Geflüchteten kamen in den Jahren 2015 und 2016 nach Deutschland, viele davon aus dem vom Bürgerkrieg verwüsteten Syrien. Diese Menschen waren im Schnitt 24,8 Jahre alt, zwei Drittel waren männlich. Durchschnittlich waren sich 6,4 Jahre in Deutschland.
Das Statistische Bundesamt erklärte, es handele sich um Geflüchtete, die mittlerweile immer häufiger die Voraussetzungen erfüllten. Dazu zählen ausreichende Sprachkenntnisse, ein gesicherter Lebensunterhalt und in der Regel eine Mindestaufenthaltsdauer von acht Jahren. Letzteres entfalle bei Ehegatten und minderjährigen Kindern - 15.400 miteingebürgerte, syrische Familienangehörige gab es 2022, fast dreimal so viele wie im Vorjahr.
Zuwachs aus Ukraine, Irak und der Türkei
5600 Ukrainerinnen und Ukrainer wurden 2022 eingebürgert, fast dreimal so viele wie im Jahr zuvor. Sie waren der Statistik zufolge im Schnitt 36,1 Jahre alt, mehrheitlich weiblich (69 Prozent) und hielten sich im Schnitt bereits 13,3 Jahre in Deutschland auf. Sie sind also nicht aufgrund des Ukraine-Kriegs geflohen, sondern lebten bereits jahrelang in der Bundesrepublik. Die Gefechte in ihrer Heimat dürften bei der Entscheidung zur Einbürgerung aber eine Rolle gespielt haben.
6800 irakische Staatsangehörige wurden nach im Schnitt 9,5 Jahren in Deutschland eingebürgert. Bei den Türkinnen und Türken waren es 14.200 Einbürgerungen nach im Schnitt 24,2 Jahren. Sie stellten die zweitgrößte Gruppe unter den Eingebürgerten. Insgesamt wurden Menschen mit 171 unterschiedlichen Staatsangehörigkeiten eingebürgert.
Ampel will leichtere Einbürgerung
Um nach sechs Jahren Bundesbürger werden zu können, muss man besondere schulische, sprachliche oder berufliche Leistungen oder bürgerschaftliches Engagement nachweisen, wie das Statistische Bundesamt erklärte. Vergangenes Jahr gab es 23.100 frühzeitige Einbürgerungen aufgrund besonderer Integrationsleistungen – ein neuer Höchststand. Syrerinnen und Syrer seien dabei die am häufigsten vertretene Staatsangehörigkeit gewesen.
Die Bundesregierung will den Weg zum deutschen Pass künftig weiter erleichtern. Kern der Pläne von Innenministerin Nancy Faeser (SPD) ist eine Verkürzung der Mindestaufenthaltszeit von acht auf fünf Jahre. Bei besonderen Integrationsleistungen sollen drei Jahre genügen. Außerdem soll die doppelte Staatsbürgerschaft auch für Nicht-EU-Bürger, die Deutsche werden wollen, grundsätzlich erlaubt sein.
Ziel der Pläne ist es auch, Deutschland attraktiver für Fachkräfte zu machen. Während die Mehrheit der Bevölkerung die Pläne kritische sieht, gibt es Lob aus der Wirtschaft. Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer sagte vor einigen Monaten: „Angesichts des demografischen Wandels und des steigenden Fachkräfte- und Arbeitskräftemangels ist das unbedingt zu begrüßen.“ (as/dpa)
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