„Weichen nicht von unserem Weg“

Putins Opfer? Russen in Bachmut vor Einkesselung

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Ukrainische Gegenoffensive mit Fortschritten in Bachmut – Russische Truppen geraten immer mehr in Bedrängnis.

München/Bachmut - Sie ist im Ukraine-Krieg Sinnbild für sinnlose Zerstörung: die ostukrainische Stadt Bachmut. Während Behauptungen die Runde machen, die ukrainische Gegenoffensive komme nicht wie gewünscht voran, kann das für die geschundene Stadt offenbar nicht gelten.

Ukraine-Gegenoffensive: Russischen Truppen in Bachmut droht die Einkesselung

Wie Vize-Verteidigungsministerin Hanna Maljar am Dienstag (27. Juni) mitteilte, fuhren ukrainische Streitkräfte im Südwesten, im Süden und im Nordwesten der Stadt den vierten Tag in Folge Offensivaktionen gegen die russischen Besatzer im Donbass. Sogar Präsident Wolodymyr Selenskyj besuchte die Front an diesem Abschnitt.

Bezeichnend: Wie Kartenmaterial des Institute for the Study of War (ISW) und der US-amerikanischen Denkfabrik AEI‘s Critical Threats Project zeigen soll, ist die russische Verteidigung westlich der Stadt quasi nicht mehr existent. Zudem macht wohl das 68. Jäger-Bataillon der ukrainischen Armee, das zuletzt das Dorf Blahodatne keine sechs Kilometer nördlich der Stadtgrenze erobert hatte, Druck. Die Schlinge zieht sich zu, während Wladimir Putin die Folgen des Wagner-Aufstands Jewgeni Prigoschins zusetzen.

In Erwartung der ukrainischen Gegenoffensive: ein russischer Scharfschütze in Bachmut.

Reihenweise teilen ukrainische Soldaten und Blogger bei Telegram und bei Twitter Videos des ukrainischen Vorrückens. Im Fokus steht dabei die 3. Angriffsbrigade der ukrainischen Armee, die im blutigen Kampf Mann gegen Mann Schützengraben um Schützengraben räumt - und das per Video dokumentiert. Immer wieder sind tote russische Soldaten zu sehen. Und solche, die gefangengenommen werden.

Ukraine-Gegenoffensive: Kiews Truppen ändern im Donbass wohl ihre Taktik

Ein aktuelles Video (siehe oben) zeigt aber auch, wie nach einem heftigen Feuergefecht mit Lang- und Handfeuerwaffen zwei verletzte ukrainische Soldaten weggetragen werden. Offenbar haben Kiews Truppen binnen kurzer Zeit ihre Taktik geändert, nachdem die Verluste an westlichen Panzern am Anfang der ukrainischen Gegenoffensive hoch waren. Laut Analyse-Portal ORYX hatte angeblich allein die 47. Brigade „Magura“ der ukrainischen Armee im Donbass sieben Leopard-2-Panzer und 17 Schützenpanzer Bradley verloren.

Jetzt soll ein bei Twitter geteiltes Video zeigen, wie eine freie Fläche vor einer russischen Verteidigungsstellung mittels Artillerie bombardiert wird, woraufhin offenbar ein Minenfeld explodiert. Daraufhin rücken die ukrainischen Soldaten mit Schützenpanzern vor und attackieren die offenbar panzerlose russische Einheit. Andere Aufnahmen aus der Gegend Bachmut sollen indes zeigen, wie eine selbstfahrende Haubitze der Russen mit einer Kamikaze-Drohne außer Gefecht gesetzt wird.

Ukraine-Gegenoffensive: Haben die Russen bei Bachmut kaum noch Panzer?

Gehen der russischen Armee bei der Donbass-Stadt schlicht die militärischen Fahrzeuge aus? Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow teilte bei Twitter Video-Sequenzen, die beweisen sollen, dass die Ukrainer mit Kamikaze-Drohnen am Freitag (23. Juni) nahe der Siedlung Kurdiumiwka südlich von Bachmut drei russische Kampfpanzer ausschalteten. Unabhängig verifizieren lässt sich das aber nicht. „Wir weichen nicht von unserem Weg ab. An nur einem Tag zerstörten unsere Streitkräfte in einem Frontabschnitt im Gebiet Kurdiumiwka drei russische Panzer“, schrieb der Politiker zu seinem Posting.

In Bachmut selbst ist nach russischen Angaben die 150. motorisierte Schützendivision stationiert. Fotos, die die staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti am 20. Juni verbreitete, zeigen Soldaten mit Quads oder verschanzt mit Gewehren hinter zerbombten Häuserwänden. Aber keine Kampfpanzer.

Ukraine-Gegenoffensive: Kiews Truppen rücken bei Bachmut wohl auf Soledar vor

Die Verstecke der Russen könnten offenbar ein leichtes Ziel für die ukrainischen Truppen sein. Die haben eigenen Angaben zufolge am 14. Juni eine Anhöhe bei der Siedlung Berchiwka rund zwei Kilometer nördlich der Stadtgrenze eingenommen - von wo aus die Artillerie beste Sicht auf die komplette Stadt hat. Ein weiteres Video ukrainischer Soldaten soll beweisen, dass hier mindestens eine deutsche Panzerhaubitze 2000 zum Einsatz kommt, die präzise Treffer ermöglicht.

Bei Twitter machte am Dienstag ferner unter Bloggern das Gerücht die Runde, ukrainische Soldaten hätten die Regionalstraße T0513 zwischen Blahodatne und dem benachbarten Soledar überquert. Kiew bestätigt das bislang nicht. Das Stichwort Soledar führt zu einer von zwei offenen Fragen: Hat Russland keine Truppen in den dortigen Salzstollen stationiert? Wagner-Chef Prigoschin hatte nach der Einnahme im Januar damit geprahlt, dass diese unterirdischen Gänge quasi uneinnehmbar seien.

Und: Welchen militärischen Wert hat Bachmut? Oder ausschließlich einen symbolischen? Schließlich hat die Stadt keine Infrastruktur mehr, sie wurde förmlich dem Erdboden gleichgemacht. Während die russischen Soldaten dort von Moskau wohl im Stich gelassen werden, bekommen die Ukrainer neue schwere Waffen.

Ukraine-Gegenoffensive: Steht Einkesselung der russischen Truppen in Bachmut bevor?

Denn: Laut dem unabhängigen osteuropäischen Portal NEXTA ist nahe Bachmut erstmals der moderne CV90 gesichtet worden. Schweden hatte der Ukraine 50 Stück geliefert, das Modell gilt nach Bundeswehr-Angaben als einer der besten Schützenpanzer der Welt. Rücken die Ukrainer auf Soledar vor, das nordöstlich von Bachmut liegt, dürfte eine Einkesselung der Kreml-Truppen wohl nur noch eine Frage der Zeit sein. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO/RIA Novosti

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