- VonMax Schäferschließen
In Deutschland gibt es zu wenig Betreuungsplätze für Kinder. Da liegt es nahe, dass die Familie aushilft. Oder?
Immer mehr Kinder in Deutschland werden in Tagesstätten betreut. Trotzdem ist noch deutlich mehr Bedarf: Viele Eltern haben keinen Betreuungsplatz für ihr Kind. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Bundesfamilienministeriums. Besonders hoch ist demnach der Bedarf bei Kindern unter drei Jahren sowie im Grundschulalter.
Muss die Familie fehlende Betreuungsplätze ersetzen und auf Kinder aufpassen?
Wenn es keinen Platz in Kita gibt oder keine Ganztagsbetreuung nach der Schule möglich ist, müssen Alternativen her. Dabei liegt die Familie nahe. Und Oma, Opa, Tante und Onkel kümmern sich schließlich auch gerne mal um die Kleinen. Die sind schließlich total süß und die Familie muss auch zusammenhalten. Oder?
Eine Reddit-Nutzerin sieht das anders – und stellt einen konkreten Fall im Subreddit „r/BinIchDasArschloch“ zur Diskussion. Darin diskutieren die User:innen, wer sich in den beschriebenen Situationen falsch verhält.
Die Erstellerin des Reddit-Threads hat einen Neffen im Alter von vier bis fünf Jahren. „Er kann ganz süß und verpeilt sein, wie Kinder oft sind, jedoch ist er 90 Prozent der Zeit sehr anstrengend“, schreibt sie in ihrem Post. „Das anstrengendste Kind, dass ich und tatsächlich viele andere je kennenlernen durften.“
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Reddit-Tante genervt:„Er macht absolut immer genau das, was man ihm verbietet“
„Er macht absolut immer genau das, was man ihm verbietet“, schreibt sie in ihrem Post. „So hab ich zum Beispiel eine Lichterkette an der Decke, dessen Stecker runterhängt, um an der Steckdose angesteckt zu werden. Er sieht das runterhängende Kabel, sagt ‚Guck mal, was ist das‘, ich sage, ‚fass das nicht an, du reißt es noch herunter‘ er guckt mich an, und reißt mit aller Kraft.“ Außerdem werfe er Gegenstände hinunter.
Die Userin habe ihrem Bruder, Vater des Kindes, mehrmals gesagt, dass sie nicht auf den Neffen aufpassen wolle. „Mein Bruder jedoch meint, dass er ja jeden Tag mit ihm aushalten muss, und es echt nett wäre, wenn mal jemand anderes für zwei Stunden oder so sich mit ihm beschäftigen kann, damit er bisschen Ruhe hat, er findet das Kind nämlich genauso anstrengend und hat schon oft sogar wegen ihm geweint.“
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„Es ist nett, wenn Verwandte helfen, aber absolut nicht erforderlich oder deren Pflicht“
Die anderen Diskussionsteilnehmer:innen sind überwiegend auf der Seite der Post-Erstellerin. Überwiegende Meinung ist: Sie ist nicht verpflichtet, auf ihren Neffen aufzupassen. Das ist Aufgabe der Eltern. „Selbst wenn dein Neffe das allerliebste Kind der Welt wäre, wäre es immer noch deine Entscheidung, ob und wann du auf ihn aufpasst. Die einzigen Kinder, denen man verpflichtet ist, sind die eigenen“, schreibt ein Nutzer. „Es ist nett, wenn Verwandte helfen, aber absolut nicht erforderlich oder deren Pflicht. [...] Familie ist nicht gratis Arbeitskraft,“ lautet ein weiterer Kommentar. Eine Aussage, die auch unabhängig vom Fallbeispiel gültig sein dürfte.
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Eine andere Nutzerin hält das Verhalten von allen Beteiligten falsch. Sie kritisiert die Eltern, die den Jungen nicht gut erziehen; die Familie, weil sie sich drücken und damit vor allem den Neffen hängenlassen.
„Grundsätzlich ist es ja schön, dass dein Bruder dich in seine Familie einbinden will“
Ein weiterer Redditor findet versöhnliche Worte. Niemand verhalte sich falsch. „Kinder in dem Alter können einfach extrem anstrengend sein und wenn man da nicht viel Wert auf Erziehung und Grenzen legt, wird es immer, immer schwieriger. [...] Grundsätzlich ist es ja schön, dass dein Bruder dich in seine Familie einbinden will, der Grund selbst Ruhe haben zu wollen, ist aber mehr als traurig.“
Comment
by u/lookingForPatchie from discussion BIDA Weil ich nicht auf meinen Neffen aufpassen möchte?
in BinIchDasArschloch
Aber was ist nun die Erkenntnis aus der Reddit-Diskussion? Grundsätzlich muss man also nicht auf die Kinder der eigenen Geschwister oder auch Eltern aufpassen. Ein weiterer User schränkt das jedoch ein. „Hierbei kommt es für mich einfach darauf an, wie das mit dem Nehmen und Geben bei euch Geschwistern funktioniert“, schreibt er. „Hilft dein Bruder dir ab und an mal aus? Dann fände ich es anständig, wenn du auch mal aushilfst. Wenn dein Bruder nie etwas für dich macht, musst du auch nichts für ihn machen.“
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Rubriklistenbild: © Stuart Walmsley/dpa
