VonTim Althoffschließen
Im Vergleich zum ersten Coronajahr haben die Deutschen deutlich weniger Freizeit. Besonders Mamas und Papas dürfte die Zahl einen Schreck einjagen.
Aufstehen, mit verschlafenen Augen an den Rechner zur Arbeit, Feierabend und zurück auf die Couch. Der Großteil der Menschen wird sich die Corona-Zeit wohl kaum zurückwünschen wollen, zu viele soziale Kontakte und Freizeitaktivitäten haben darunter gelitten. Allerdings könnte sie den Arbeitsalltag einiger Angestellten durchaus vereinfacht haben. So hat sich in Deutschland unter anderem das Home-Office durchgesetzt, das Mitarbeiter:innen den beschwerlichen Arbeitsweg erspart hat.
Dass viele Arbeitnehmer zunehmend zurück an die eigentlichen Arbeitsplätze müssen, zeigt sich laut dem Freizeit-Monitor 2023 an der Freizeit, die den Deutschen im Durchschnitt bleibt. Demnach kommen wir nur noch auf drei Stunden und 55 Minuten am Tag. Vor drei Jahren sollen es noch vier Stunden und 19 Minuten gewesen sein. Die Erhebung wurde im Auftrag der Stiftung für Zukunftsfragen des Zigarettenkonzerns British American Tobacco durchgeführt. Für die Ergebnisse wurden 2000 Menschen im Alter von 18 bis 74 Jahren befragt.
Mehr zum Thema Arbeit: 15 Tweets über das Büroleben, nach denen du deine Kündigung einreichst
Nur drei Stunden Freizeit am Tag – Eltern sind besonders betroffen
Als Hauptgrund für den Rückgang an Freizeit führt die Stuftung für Zukunftsfragen das Wegfallen des Home-Office an. Die Fahrtzeiten zu den Arbeitsstellen (die sogar gesundheitsschädlich sein können) „fehlen im Freizeitbudget“. Außerdem hätte die Anzahl an Verpflichtungen zugenommen. Einkäufe im Supermarkt, das morgendliche „fertig machen“ und die Stunden als Trainer:in in einem Verein zum Beispiel.
Da die Wirtschaft derzeit versucht, sich zu stabilisieren, sei es zudem wahrscheinlich, dass die gesteigerte Arbeitsbelastung in den kommenden Jahren beibehalten wird. Mit mehr Freizeit ist also vorerst nicht zu rechnen. Besonders betroffen sind übrigens Eltern. Ihnen bleiben lediglich drei Stunden Freizeit an Werktagen. Ein Grund, warum unsere Autorin Angst vor dem Kinderkriegen hat. Renter:innen dürfen sich über immerhin fünf Stunden Freizeit am Tag freuen.
Kulturangebote werden beliebter – soziale Kontakte nehmen ab
Die Studie hat zudem ergeben, dass sich viele Menschen seltener mit ihrem Umfeld beschäftigen. Der Austausch mit Nachbarn, Großeltern/Enkeln, Freunden und Bekannten hat laut Studie im Vergleich zu 2013 abgenommen. Ein Grund dafür sei ein „beschleunigter Rhythmus“, der weniger Zeit für Zusammenkünfte ließe – ein Grund, warum manche Menschen gemeinschaftlich wohnen wollen.
Obwohl zwischenmenschliche Interaktionen scheinbar weniger werden, boomen Kultur- und Sportangebote. Museen, Konzerte, Freizeitparks und Kinos freuen sich über steigende Zahlen. Dabei spiele wohl auch das Nachholbedürfnis eine Rolle, das durch die Corona-Zeit getriggert wurde. Einzig Diskotheken und Clubs scheinen laut Freizeitmonitor 2023 weniger beliebt zu sein als noch vor zehn Jahren.
Mehr Studien: Gehörst du mit deinem Gehalt zur Mittelschicht oder überschätzt du deine Armut?
Rubriklistenbild: © blickwinkel/IMAGO / Cavan Images/IMAGO

